Roboter-Gehhilfe unterstützt Senioren an öffentlichen Orten

27.05.2015
Foto: Ältere Frau mit dem c-Walker

Der c-Walker soll älteren Menschen mehr Sicherheit geben; © DALI

Ältere Menschen mit Gehproblemen fühlen sich von belebten öffentlichen Orten oft eingeschüchtert. Daher wurde im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts eine Roboter-Gehhilfe entwickelt, um ihnen den Besuch von Einkaufszentren, Museen und anderen öffentlichen Gebäuden zu erleichtern und sie so wieder unabhängiger zu machen.

Einkaufszentren, Flughäfen, Museen und Krankenhäuser stellen komplexe Umgebungen dar, die ältere Menschen mit abnehmenden geistigen Fähigkeiten möglicherweise überfordern, sodass sie sich dort nicht ohne Hilfe zurechtfinden. Die aktuell verfügbaren Gehhilfen sind nicht flexibel genug, um sie an den oftmals überfüllten Orten zu unterstützen.

Dies veranlasste die Forscher des DALI-Projekts, eine robotische kognitive Gehhilfe, den c-Walker, zu entwickeln, der zum Zielort mitgenommen oder dort ausgeliehen werden kann und Senioren sanft durch das Gebäude leitet. Das Gerät ergreift korrektive Maßnahmen, wenn sich der Benutzer einem belebten Ort, einem Hindernis oder einem Ereignis nähert, das er lieber umgehen möchte.

"Der c-Walker soll ältere Erwachsene körperlich und geistig unterstützen und ihnen in der Öffentlichkeit mehr Selbstvertrauen geben", erklärte Luigi Palopoli, Professor an der italienischen Universität Trento und Koordinator von DALI (Devices for Assisted Living). "Das Gerät steckt voller High-Tech-Lösungen, wovon der Benutzer aber kaum etwas mitbekommt. Er kommt nur mit einer herkömmlichen Gehhilfe in Berührung, die über einige Erweiterungen wie ein Display oder Armbänder verfügt und keinerlei Computerkenntnisse voraussetzt. Der Roboter leitet ihn lediglich an, sodass er sich auf angenehme und sichere Weise zurechtfinden kann."

Das Einkaufengehen ist für ältere Menschen eine gute Möglichkeit, körperlich so fit wie möglich zu bleiben und ihre eigene Unabhängigkeit zu bewahren. Es eröffnet ihnen zudem Möglichkeiten für soziale Interaktion. Daher erachteten die Mitglieder des DALI-Projekts Einkaufszentren als ideale Orte für Senioren. Die älteren Einkaufenden könnten den c-Walker am Eingang ausleihen und auf dem einfachen Touchscreen das für sie am besten geeignete Profil und die zu besuchenden Läden auswählen. Der c-Walker empfiehlt dem Benutzer dann den optimalen Weg und leitet ihn mit visuellen, akustischen und haptischen (fühlbaren) Signalen an.

Der c-Walker macht von unterschiedlichen Lösungen Gebrauch (RFID-Tags, unsichtbaren QR-Codes und Kameras), um die eigene Position in der Umgebung festzustellen. Des Weiteren kann er sich mit externen Sensoren verbinden, zum Beispiel mit Überwachungskameras und anderen in der Nähe eingesetzten c-Walkern, um Informationen über Anomalien, überfüllte Orte oder Gefahren zu sammeln. Das Gerät verfügt über Bremsen und motorisierte Räder. Durch haptische Armbänder erfährt der Benutzer, wann und wie er abbiegen muss. Wenn erforderlich kann auch Hilfe gerufen werden.

Im DALI-Projekt wurden insbesondere die Anforderungen der Endnutzer berücksichtigt. Die Wissenschaftler sprachen mit Fokusgruppen von über 50 Senioren in Spanien und Großbritannien, die ihre Bedürfnisse hinsichtlich Mobilität darlegten, sodass der Roboter mit nützlichen Funktionen ausgestattet werden konnte. Der c-Walker wurde später in Pflegeheimen im spanischen Ciudad Real und im italienischen Trento erprobt. Die Rückmeldungen aus diesen Tests wurden zur Entwicklung eines noch fortschrittlicheren Prototyps eingesetzt.

Indem sie den Entwurf auf Software anstatt auf teure mechatronische Komponenten ausrichteten, konnte das DALI-Konsortium die Kosten pro Gerät von mehreren zehntausend Euro auf etwa 2.000 Euro senken.

DALI erhielt 3 Millionen Euro aus dem RP7 und endete im letzten Oktober. Nun wurde allerdings ein neues dreieinhalbjähriges Projekt namens ACANTO ins Leben gerufen, in dem der c-Walker weiterentwickelt wird. ACANTO erhält 4,2 Millionen Euro aus Horizont 2020 und soll c-Walker-Benutzer in sozialen Netzwerken zusammenbringen. "Dies wird sie dazu ermutigen, öffentliche Orte aufzusuchen", sagte Prof. Palopoli. "Während wir uns in DALI auf den einzelnen Benutzer konzentrierten, denken wir in ACANTO an Gruppen von Benutzern, die zusammen etwas unternehmen können, zum Beispiel ein Museum besuchen."

Das Konsortium ist davon überzeugt, dass der c-Walker durch ein Spin-off-Unternehmen zur Vermarktung des Geräts oder durch die Investition eines großen Technologieherstellers bis zum Jahr 2020 weit verbreitet Anwendung finden könnte.

REHACARE.de; Quelle: European Commission, CORDIS

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