Rollstuhlskating: "Kinder lernen keine Tricks, sondern sehen einen riesigen Spielplatz"

Interview mit David Lebuser, WCMX-Skater

15.10.2015

Mit dem Rollstuhl die Rampe runtersausen und mit einer Hand einen Überschlag machen? Kein Problem für Rollstuhlskater. Schon die Jüngsten sind mit viel Spaß dabei – und können möglicherweise WCMX (ChairSkating) Profi werden. David Lebuser hat es in dieser Disziplin bereits weit gebracht. Hier auf der REHACARE zeigt er den Besuchern, was mit einem Rollstuhl im Skatepark alles möglich ist.

 
 
Foto: David Lebuser auf der REHACARE 2015

WCMX-Skater David Lebuser im Skatepark auf der REHACARE; © beta-web/Lormis

Herr Lebuser, was haben Sie sich für die REHACARE 2015 vorgenommen?

David Lebuser: Während der Messe haben wir erstmalig die Möglichkeit uns live zu präsentieren. Wir möchten den Besuchern gern zeigen, was man mit einem Rollstuhl im Skatepark alles machen kann. Schön wäre es natürlich, den ein oder anderen auch so zu begeistern, dass er mitmacht und vielleicht zu einem unserer Workshops kommt.

Können die Besucher denn in den nächsten Tagen hier auf der Messe eine Runde mit Ihnen skaten?

Lebuser: Wir bieten es an, aber der Skatepark auf der Messe bietet leider nur begrenzt diese Möglichkeit. Eine kleine Runde zu drehen ist sicherlich drin, aber für das richtige Mitmacherlebnis bieten sich eher unsere Workshops an. Vorrangig geht es uns darum, dass die Besucher sehen können, was man mit dem Rolli im Skatepark alles machen kann. Wer Fragen hat oder es mal selbst probieren möchte, kann uns natürlich jederzeit ansprechen.

Müssen die Rollstühle eigentlich besondere Sicherungen haben, bevor man damit im Skatepark fahren darf?

Lebuser: Nein. Jeder kann mit seinem normalen Aktivrollstuhl mitmachen. Wir machen auch keine Tricks, bei denen der Rollstuhl Schaden nehmen könnte. In der Regel bleiben am Anfang alle vier Räder auf dem Boden. Wer bereits etwas weiter ist, kann natürlich auf einen Skaterollstuhl umsteigen, der zum Beispiel besser gefedert ist und individuell mit Gurten ausgestattet werden kann. Fürs Reinschnuppern reichen aber zunächst Helm und Gelenkschoner, die wir auch gerne ausleihen.

 
 
Foto: Chair skater im Skatepark

Rollstuhlfahrer sind während der Messetage herzlich eingeladen, den Skatepark der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) in Halle 3 auszuprobieren; © beta-web/Stöter

Was raten Sie Rollstuhlfahrern, die gerne im Skatepark fahren möchten, sich aber nicht so recht trauen?

Lebuser: Ich rate jedem, der Interesse hat, vorbeizukommen und zuzuschauen. Meistens passiert es ganz schnell, dass sie auch mitmachen wollen. Wir fangen klein an, zeigen zunächst Grundfertigkeiten, wie zum Beispiel das Drehen auf der Rampe. Die Schwierigkeit wird Stück für Stück gesteigert, wir holen jeden dort ab, wo er gerade ist. Dann versuchen wir, die Grenzen der Teilnehmer auszuloten und vielleicht ein kleines bisschen nach oben zu verschieben.

Wie alt war der jüngste beziehungsweise älteste Teilnehmer, der jemals an Ihren Kursen teilgenommen hat?

Lebuser: Wir bieten extra Kurse für Kinder an und dort dürfte der Jüngste so etwa drei Jahre alt gewesen sein. Für Kinder ist das natürlich ein ganz anderes Erlebnis: Die lernen keine Tricks, sondern sehen einen riesigen Spielplatz. Für Kinder, die Räder unter sich haben, ist so ein Skatepark eine ganz tolle Sache, um sich richtig auszutoben. Sie müssen nicht unbedingt von der höchsten Rampe reinspringen. Aber so wie andere Kinder eine Rutsche herunterrutschen, fahren sie dann Schrägen herunter oder üben über eine Kante zu springen. Sie lernen spielerisch ihren Rollstuhl kennen und können ihre eigenen Rollstuhlfähigkeiten einschätzen. Das macht den Alltag auch leichter, weil man so lernt auch mit schwierigen Situationen umzugehen.
Auch ältere Rollifahrer, so um die sechzig machen mit, und sie können den Jüngeren auch durchaus noch was beibringen. Man merkt einfach, dass durch die Jahre im Rollstuhl viel Wissen angesammelt wurde, das sie auch gerne mit den Jüngeren teilen. Und für die Kinder ist es natürlich schön, wenn sie sich etwas abgucken können.

Wollen eigentlich mehr Jungen oder mehr Mädchen das Rollstuhlskating ausprobieren?

Lebuser: Eine Zeit lang hätte ich gesagt, dass es mehr Mädchen oder Frauen sind, nicht nur in den Workshops. Mittlerweile denke ich aber, dass es ausgeglichen ist. Es ist ein Sport, den wirklich jeder machen kann, egal ob jung oder alt, Frau oder Mann.

 
 
Foto: David Lebuser in Aktion

David Lebuser in Aktion auf der REHACARE 2015; © beta-web/Lormis

David Lebuser und andere Rollstuhlskater werden an allen Tagen Interviews und Vorführungen am Skatepark in Halle 3 bieten:

14. + 15.10.2015


  • 10:00 - 11:30 WCMX TryOut - Team 1 (Philipp Cierpka, Björn-Patrick Meier, Patrick Krause, Verena Pullwitt)

  • 1130 - 12:00 WCMX Präsentation + Interview mit Patrick Krause (Technik hinter dem Sport)

  • 12:00 - 12:30 WCMX TryOut - Team 1

  • 13:30 - 14:00 WCMX Präsentation + Interview mit Lisa Schmidt (Mein Rollstuhl - Vom Hilfsmittel zum Accessoire)

  • 14:00 - 15:30 WCMX TryOut - Team 2 (David Lebuser, Lisa Schmidt, Malte Wittmershaus, Anna Spindelndreier)

  • 15:30 - 16:00 WCMX Präsentation + Interview mit David Lebuser (Mein Weg an die Weltspitze)

  • 16:00 - 17:30 WCMX TryOut - Team 2



16.10.2015

  • 10:00 - 11:30 WCMX TryOut - Team 3 (Paul Engel, Björn-Patrick Meier, Verena Pullwitt)

  • 11:30 - 12:00 WCMX Präsentation + Interview mit Patrick Krause (Technik hinter dem Sport)

  • 12:00 - 12:30 WCMX TryOut - Team 1 (David Lebuser, Lisa Schmidt, Anna Spindelndreier)

  • 13:30 - 14:00 WCMX Präsentation + Interview mit Lisa Schmidt (Mein Rollstuhl - Vom Hilfsmittel zum Accessoire)

  • 14:00 - 15:30 WCMX TryOut - Team 2 (David Lebuser, Lisa Schmidt, Malte Wittmershaus, Anna Spindelndreier)

  • 15:30 - 16:00 WCMX Präsentation + Interview mit David Lebuser (Mein Weg an die Weltspitze)

  • 16:00 - 17:30 WCMX TryOut - Team 3



17.10.2015

  • 10:00 - 11:30 WCMX TryOut - Team 1 (David Lebuser, Lisa Schmidt, Anna Spindelndreier)

  • 11:30 - 12:00 WCMX Präsentation + Interview mit Patrick Krause (Technik hinter dem Sport)

  • 12:00 - 12:30 WCMX TryOut - Team 2 (Philipp Cierpka, Patrick Krause)

  • 13:30 - 14:00 WCMX Präsentation + Interview mit Lisa Schmidt (Mein Rollstuhl - Vom Hilfsmittel zum Accessoire)

  • 14:00 - 15:30 WCMX TryOut - Team 3 (Paul Engel, Björn-Patrick Meier, Verena Pullwitt)

  • 15:30 - 16:00 WCMX Präsentation + Interview mit David Lebuser (Mein Weg an die Weltspitze)

Hier geht's zum YouTube-Kanal von David Lebuser: www.youtube.com/user/CampKillaVilla
 
 
Photo: Simone Ernst

© B. Frommann





Das Interview führte Simone Ernst.
REHACARE.de