SPECTARIS kritisiert: Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich ungeeignet

19.01.2015
Foto: Rollstuhlfahrer unterwegs

Die Versorgung mit passenden Hilfsmitteln trägt für Menschen mit Behinderung zu einem selbstbestimmten Leben bei; © panthermedia.net/Konstantin Yolshin

Der Branchenverband SPECTARIS kritisiert die derzeitige Ausschreibungspraxis im Hilfsmittelbereich und unterstützt deshalb die Petition "Ausschreibungen von Rollstühlen verbieten" von Gerhard Marx, Orthopäde und Landesinnungsmeister in Hessen.

Das Ziel des Gesetzgebers, mit Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich eine wirtschaftliche Versorgung der Versicherten unter Beibehaltung der bisherigen Produkt- und Dienstleistungsqualität zu gewährleisten wird nach Ansicht des Verbandes deutlich verfehlt. "Im Gegenteil", so Marcus Kuhlmann, Leiter des Fachverbandes Medizintechnik bei SPECTARIS, "die Versorgungsqualität der gesetzlich versicherten Patienten hat sich massiv verschlechtert. Dazu kommt, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowohl der Leistungserbringer als auch der Hersteller gleichermaßen gefährdet wird."

Durch Ausschreibungen von Hilfsmitteln würden die Preise in der Regel so weit abgesenkt, dass sie auch für die Ausschreibungsgewinner selbst bei reduzierter Produkt- und Dienstleistungsqualität nicht kostendeckend seien. "Die Erfahrungen mit der derzeitigen Ausschreibungspraxis haben gezeigt, dass heute das einzige Zuschlagskriterium der Preis ist. Weder die Beratung noch die Versorgungsqualität oder Qualität des Hilfsmittels spielen eine Rolle. Dies führt dazu, dass viele Hersteller und Leistungserbringer aus dem Markt gedrängt werden, weil sie diesen Preisunterbietungskampf nicht überstehen oder erst gar nicht mitmachen. Vielmehr hält der Trend zum Zuzahlungsmarkt an", so Kuhlmann.

Statt Ausschreibungen sollten wieder direkte Vertragsabschlüsse zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern gelten, die die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen. Sollte der Gesetzgeber dennoch an Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich festhalten wollen, müsse zumindest die Zuschlagserteilung auf das insgesamt wirtschaftlichste Angebot entfallen.

"Das Zuschlagskriterium darf nicht allein der niedrigste Preis sein. Weitere Wirtschaftlichkeitskriterien wie die Qualität des Hilfsmittels, die Leistungsfähigkeit des Services, die Umwelteigenschaften sowie die Qualifikation des Servicepersonals müssen unbedingt ebenfalls berücksichtigt werden", sagt Kuhlmann.

"Aus unserer Sicht sind Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich grundsätzlich ungeeignet. Und das umso mehr, je höher der Dienstleistungsanteil an der Versorgung mit einem Hilfsmittel ist. Seit dem Systemwandel 2012 wurden einige negative Erkenntnisse gesammelt im Hinblick auf die Versorgungsqualität, die auch dem Gesetzgeber nicht verborgen geblieben sein können. Es ist an der Zeit, endlich gegenzusteuern, bevor es zu spät ist und nicht noch mehr Versicherte unter der sinkenden Versorgungsqualität zu leiden haben und viele insbesondere mittelständische Betriebe sowohl auf Seiten der Leistungserbringer als auch auf Seiten der Hersteller in den Ruin getrieben werden."

REHACARE.de; Quelle: SPECTARIS Deutscher Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien e.V.

Mehr über SPECTARIS unter: www.spectaris.de
Die Petition steht online unter: www.openpetition.de/petition/online/ausschreibung-von-rollstuehlen-verbieten