Schlaganfall: Etablierung deutscher Versorgungsstandards in den Golfstaaten

16/03/2015
Foto: Besucher der Schlaganfallkonferenz

Rund 150 Vertreter aus dem Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, dem Libanon und Deutschland nahmen an der Konferenz in Muscat teil; © IAT

Mit Unterstützung des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums und des Ministry of Health des Sultanats Oman fand jetzt die erste Omanisch-Deutsche Schlaganfallkonferenz in Muscat statt. Ziel war, eine hochwertige Schlaganfallversorgung in den Golfstaaten zu etablieren. Neben dem Aufbau von Stroke Units nach deutschem Vorbild standen auch Fragen zur Forschungskooperation und Qualifizierungsbedarfe im Mittelpunkt der Konferenz, an der rund 150 Vertreter aus dem Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, dem Libanon und Deutschland teilnahmen.

Aus wirtschaftspolitischer Sicht betonte Ministerin Evelyne Lemke sowohl den Nutzen für die Menschen als auch die Potenziale für Unternehmen, die sich aus der internationalen Verbreitung von Versorgungsangeboten ergeben.

Stephan von Bandemer vom Institut Arbeit und Technik, der die Initiative im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz wissenschaftlich begleitet, erklärte, dass dies gelingen könne, wenn die Versorgungsstrukturen der gesamten Wertschöpfungskette von der Prävention über das Rettungswesen, den Aufbau von Stroke Units und Rehabilitationsangeboten bis zu Forschung und Qualifizierung verfolgt werden. Daher sei sowohl die Kooperation mit der ersten Stroke Unit am Royal Hospital in Muscat wie mit der Sultan Qaboos Universität und dem Netzwerk von Neurologen aus den Golfstaaten erforderlich. Nachdem im Oktober 2014 bereits die erste Stroke Unit im Emirat Dubai zertifiziert wurde, bietet der Aufbau weiterer Einheiten in der Region den Ausgangspunkt dafür, die Angebote insgesamt zu verbreiten.

Die Delegation aus Rheinland-Pfalz hob dabei insbesondere die hohen Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Schlaganfallversorgung hervor. Dazu kann auf die Zertifizierungskriterien der Deutschen Schlaganfallgesellschaft und der European Stroke Organisation zurückgegriffen werden, wie Prof. Dr. Bernd Ringelstein erläuterte. Prof. Dr. Armin Grau, Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum Ludwigshafen, zeigte die Bedeutung von Registern für die Qualitätssicherung auf. Auf dieser Basis wollen die Partner aus den Golfstaaten sich an den deutschen Standards messen und entsprechende Qualitätsindikatoren mit deutschen Stroke Units vergleichen.

Um die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams bei der Schlaganfallversorgung zu gewährleisten wurden bereits drei Pflegekräfte aus dem Oman in dem Pilotprojekt IVET4Health qualifiziert. "Mit dem dafür eingesetzten blendet learning Konzept, das Präsenzphasen und E-Learning beinhaltet, lassen sich Qualifizierungsangebote auch international gut übertragen und können unterschiedliche Vorqualifikationen berücksichtigen", erklärte Anna Nimako-Doffour vom Institut Arbeit und Technik. Zusammen mit dem rheinland-pfälzischen Netzwerk "Experts in Stroke" und der Sultan Qaboos Universität Muscat soll zudem eine Planung für Rehabilitationsangebote und die Optimierung des Rettungsdienstes vorgenommen werden.

Die internationale Verbreitung der Schlaganfallversorgung nach dem deutschen Modell sichert auch, dass die national erfolgreich etablierten Standards sich als internationaler Maßstab durchsetzen. Damit ist zuallererst den Patienten gedient. Es werden aber auch wirtschaftliche Potenziale für Medizinprodukte sowie in den Bereichen Qualifizierung, Beratung und Zertifizierung geschaffen. Die Erfahrungen in den Golfstaaten können dabei als Modell für andere Regionen und Indikationen dienen und den Gesundheitswirtschaftsstandort stärken.

REHACARE.de; Quelle: Institut Arbeit und Technik

Mehr über das Institut Arbeit und Technik unter: www.iat.eu