Schlaganfall: Patienten trainieren zu Hause ihr Sehvermögen

21/05/2014
Foto: Patientin beim Sehtraining

Die Patientin muss in einer grünen Punktewolke einen roten Punkt aufspüren. Diese Übung kann auch am Computer absolviert werden; © Universität des Saarlandes

Nach einem Schlaganfall kommt es bei vielen Patienten zu Sehstörungen. Sie haben etwa Probleme beim Lesen oder sehen ihre Umwelt verschwommen. Zwar bieten Krankenhäuser wirksame Behandlungen an. Im Anschluss daran ist es aber oft schwer, eine geeignete Therapie zu finden. Abhilfe könnte ein neuer Ansatz schaffen, den Forscher aus Großbritannien und Erlangen gemeinsam mit Neuropsychologie-Professor Georg Kerkhoff von der Saar-Uni untersucht haben.

Die Patienten schulen dabei zu Hause – unter therapeutischer Aufsicht – mit einem speziellen Computerprogramm ihr Sehvermögen. Fazit: Die Sehkraft verbesserte sich deutlich. Auch Patienten in ländlichen Gebieten könnten künftig davon profitieren.

Zu den häufigsten Folgen eines Schlaganfalls zählen Sehstörungen, dabei können Betroffene zum Beispiel ihre Umgebung nur verschwommen, in Doppelbildern oder nur auf einem Auge wahrnehmen. Sie haben Probleme beim Lesen oder übersehen beim Gehen Hindernisse. „Diese Einschränkungen mindern die Selbständigkeit der Patienten im Alltag“, erklärt Kerkhoff. Zwar gibt es wirksame Therapien. Dazu müssen sich Patienten aber einer ambulanten oder teilstationären Behandlung unterziehen. Anschließend daran ist es jedoch schwer, eine qualifizierte Therapie zu finden.

Helfen könnten hier Computerprogramme, mit dem Betroffene ihr Sehvermögen daheim schulen und dabei von Therapeuten betreut werden. Wie erfolgsversprechend eine solche Maßnahme ist, haben die Forscher in einer aktuellen Studie untersucht. Dazu haben sie zwei vergleichbare Patienten-Gruppen mit Gesichtsfeldausfällen (28 und 24 Teilnehmer) einem Training von insgesamt 35 Stunden am heimischen Rechner unterzogen.

Die eine Gruppe erhielt ein Training, das gezielt das Lesen und die visuelle Suche im Raum verbessern soll. Die Patienten mussten dazu am Bildschirm etwa in einer Reihe von Wörtern ein „Nicht-Wort“ heraussuchen oder in einer blauen Punktewolke einen roten Punkt aufspüren. „Dabei schulen die Patienten willentlich kontrollierbare Blickbewegungen“, erläutert Kerkhoff. „Diese Therapieform ist gut in Studien untersucht worden und wirksam, wenn sie unter kontinuierlicher, therapeutischer Beobachtung durchgeführt wird.“ Die Kontrollgruppe erhielt parallel dazu ein unspezifisches Aufmerksamkeitstraining. Nach der Therapie verbesserte sich das Sehvermögen hier nur gering. Zudem brachen die Teilnehmer die Therapie häufiger vorzeitig ab. Die Probanden aus der ersten Gruppe verbuchten hingegen deutliche Erfolge. Außerdem untersuchten die Forscher mit Fragebögen, wie beide Gruppen mit bestimmten Alltagsleistungen wie dem Überqueren einer Straße klarkamen. „Die erste Gruppe war auch hier generell zufriedener“, sagt Kerkhoff.

Während der Studie haben Therapeuten alle Patienten per Telefon und mit Hausbesuchen unterstützt. „Dabei ging es meist darum, kleine technische Probleme zu beheben und die Teilnehmer zu motivieren“, berichtet der Psychologe. Den erforderlichen Personalaufwand haben die Forscher hierbei ebenfalls erfasst: Im Schnitt betrug er bei jeder erfolgreichen Therapie 137 Minuten. Das macht in fünf Wochen einen Betreuungsaufwand von zwei Stunden. „Dieser vergleichsweise geringe Aufwand und die objektiven Verbesserungen in der ersten Gruppe zeigen, dass eine neurovisuelle Therapie zu Hause die ambulante oder stationäre Therapie wirksam unterstützen kann“, erklärt der Professor. „Dies ist für Patienten hilfreich, die zunächst eine Therapie in einer Klinik oder einer Ambulanz erhalten haben, anschließend aber noch weiter therapiert werden sollten.“ Zudem eignet sich die Therapie für Patienten aus ländlichen Regionen, in denen keine spezifische Therapie verfügbar ist. „Allerdings nur dann“, so Kerkhoff, „wenn sie von Klinischen Neuropsychologen begleitet wird und zuvor eine entsprechende Diagnostik durchgeführt wurde.“

REHACARE.de; Quelle: Universität des Saarlandes

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