Schriftdolmetscher: Anspruchsvolles Handwerk und Arbeit mit Menschen

30.09.2016

Am 25.9. war der Gehörlosentag, der auf die Situation der Gehörlosen aufmerksam machen soll. Gehörlose, Schwerhörige und Ertaubte benötigen im Alltag, aber vor allem auch in besonderen Situationen, Kommunikationshilfen. Eine Möglichkeit bietet das Schriftdolmetschen. In diesem Jahr wird es auf der REHACARE ein Workshop dazu geben.

"Schriftdolmetschen ist eine Kommunikationsunterstützung für hörgeschädigte Menschen, die eine Schriftsprachkompetenz besitzen. Beim Schriftdolmetschen wird die Lautsprache in eine schriftliche Form gebracht, sodass man das gesprochene Wort zeitgleich mitlesen kann", erklärt Mario Kaul, Mitbegründer der Schriftdolmetscher NRW. Angezeigt wird die Mitschrift, je nach Situation, auf einem Monitor, auf mobilen Endgeräten oder auf einer Leinwand. Auf der REHACARE haben die Besucher in diesem Jahr nicht nur die Möglichkeit, sich über das Schriftdolmetschen zu informieren, sondern auch eine Livedemonstration mitzuerleben.

Bild: Mann sitzt vor einem Laptop, die Tastatur ist auf dem Schoss; Copyright: privat

Schriftdolmetscher wandeln das gesprochene Wort in schriftliche Form um, sodass es zeitgleich mitgelesen werden kann; © privat

Vom Wort zur Schrift

Hauptsächlich wird das Angebot des Schriftdolmetschens von hochgradig Schwerhörigen und Ertaubten genutzt. Denn viele Betroffene, die erst im Verlaufe ihres Lebens schwerhörig geworden oder ertaubt sind, beherrschen oftmals keine Gebärdensprache, wohingegen ihnen die Lautsprache bekannt ist. Gerade für ihre Bedürfnisse eigenen sich daher Schriftdolmetscher.    

Die Einsatzgebiete der Schriftdolmetscher ist lang: Dazu gehören Aus- und Weiterbildung, Mitarbeitergespräche, der medizinische Rehabilitationsbereich oder auch Gerichte. "Schriftdolmetscher sind überall dort, wo Kommunikation für und mit einem hörgeschädigten Menschen stattfindet", erläutert Kaul. Es geht dabei vor allem darum, dass hörgeschädigte Menschen gleichberechtigt verstehen und kommunizieren können. Insbesondere bei wichtigen Situationen, wie zum Beispiel bei einem Gerichts- oder Arztbesuch, sollte das gewährleistet sein.

Beim Schriftdolmetschen wird alles Gehörte aufgeschrieben und abgespeichert. Das hat den Vorteil, dass vor allem komplizierte Sachverhalte besser nachverfolgt und später nochmals nachgelesen werden können.

Die Höhen und Tiefen des Schriftdolmetschens

"Eine Herausforderung ist es, mit der eigenen Technik umgehen zu können. Das bedeutet, dass man in einer sehr schnellen Geschwindigkeit schreiben können muss. Die andere Herausforderung ist das Translatorische. Man muss gleichzeitig Input aufnehmen und daraus einen Text erzeugen", beschreibt Kaul die Schwierigkeiten des Berufes. "Schriftdolmetscher begleiten die Menschen nicht immer in den besten Phasen ihres Lebens. Das können auch schwierige Situationen sein, wie zum Beispiel beim Arzt. Das kann dann eine seelische Belastung für den Dolmetscher sein."

Aber die schönen Seiten am Beruf überwiegen. Für Kaul macht gerade die Abwechslung das Reizvolle aus: "Auf der einen Seite hat man das handwerklich Anspruchsvolle – schnelle, sichere und fehlerfreie Arbeiten. Und auf der anderen Seite den direkten Kontakt mit verschiedenen Menschen. Man erhält dabei fast immer ein direktes Feedback und hat insgesamt einen sehr schönen Kundenkontakt."

Schriftdolmetschen auf der REHACARE 2016

Viele Menschen wissen nicht, dass es Schriftdolmetschen gibt, was sie sich darunter vorstellen können oder dass sie Anspruch auf diese Kommunikationshilfe haben. Auf der REHACARE soll es daher in erster Linie um Aufklärung gehen. Mario Kaul und die Schriftdolmetscher NRW, die bereits zum vierten Mal auf der REHACARE sind, sind Aussteller im Themenpark Hörschädigung, unter anderem neben der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten, dem Deutschen Schwerhörigenbund sowie Gebärdensprachdolmetschern. Auf diese Weise haben die Besucher die Möglichkeit, sich in konzentrierter Form rund um das Thema Hörschädigung und Verständigung zu informieren.

Dieses Jahr bieten die Schriftdolmetscher NRW auf der REHACARE zum ersten Mal einen Workshop mit Livedemonstrationen an. Dabei werden zwei Leute durch den Workshop führen, während zwei weitere gleichzeitig schriftdolmetschen. Dadurch haben Hörgeschädigte direkt die Möglichkeit zu sehen, was Schriftdolmetschen bedeutet. "Wir sind aber auch offen für Leute, die sich das Schriftdolmetschen als Beruf vorstellen können. Auch sie versuchen wir mit dem Workshop abzuholen", erklärt Kaul. "Für uns ist dieses Jahr der Workshop das Spannendste. Darauf freuen wir uns schon sehr."

Der Workshop findet am 30. September von 13.30 bis 14.30 Uhr im Dialogcenter, CCD Süd, im Seminarraum 17 statt.

Mehr Informationen zu den Schriftdolmetschen NRW unter: www.schriftdolmetscher-nrw.de

Olga Wart
REHACARE.de