Schwerbehindertenvertretungen im Betrieb: Gleiche Chancen bei gleicher Qualifikation

30.09.2016

Inklusion in Schulen ist ein großes und wichtiges Thema. Doch vielfach wird eins vergessen, aus Kindern mit Behinderungen werden Erwachsene – und die wollen nach ihrem Schulabschluss möglichst eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt. Doch nicht immer klappt dies reibungslos. Schwerbehindertenvertretungen stellen Ansprechpartner, wenn es im Beruf oder davor zu Problemen kommt. Auf der REHACARE werden die Aufgaben solcher Vertretungen vorgestellt.

Bild: Martin Bsdurek ; Copyright: beta-web/Höpfner

Martin Bsdurek hälte einen Vortrag im REHACARE-Forum ; © beta-web/Höpfner

Derzeit ist es noch Realität, dass der Zugang zu einer angemessenen Arbeit für Menschen mit Behinderung schwer ist. Das liegt oftmals nicht an einer mangelnden Schulausbildung, sondern schlicht an Unternehmen, denen es nicht geheuer oder zu teuer ist, einen Menschen mit Behinderung einzustellen. Natürlich ist nicht jede kleinere Firma in der Lage ein Gebäude so umzubauen, dass es barrierefrei ist. Sicherlich gibt es Berufe, in denen körperliche und geistige Fitness Voraussetzungen sind. Doch seien wir ehrlich, die meisten Berufe können ebenso gut von Menschen mit Behinderungen ausgeführt werden.

Wer in einer größeren Firma beschäftigt ist, hat oftmals den Vorteil, dass ihr oder ihm ein sogenannter Schwerbehindertenvertreter zur Verfügung steht. Martin Bsdurek ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Schwerbehindertenvertretungen in NRW sowie stellvertretende Vertrauensperson der Menschen mit Behinderungen der Stadt Bochum. Auf der REHACARE hielt er am Donnerstag zum Thema „Teilhabe am Arbeitsleben – Die wichtige Rolle der Schwerbehindertenvertretung im Betrieb“ einen viel beachteten Vortrag. Er weiß, was die Menschen, die er betreut, bewegt: „Menschen mit Behinderungen suchen bei uns entweder Unterstützung, um Zugang zum ersten Arbeitsmarkt zu erhalten, oder sie benötigen Hilfe bei der Sicherung eines bestehenden Beschäftigungsverhältnisses. Wir sehen uns jedoch einem zunehmenden Kosten- und Leistungsdruck in den Betrieben und Dienststellen gegenüber, verbunden mit weniger Toleranz gegenüber leistungsveränderten Beschäftigten.“ Die Aussage stimmt nachdenklich, denn gerade der letzte Punkt dürfte in Zukunft nicht nur Personen interessieren, die eine Behinderung haben. Bei einer zunehmenden Ausweitung der Lebensarbeitszeit werden sich Betriebe immer öfter damit konfrontiert sehen, dass ältere Mitarbeiter nicht freiwillig in den Ruhestand gehen – denn viele werden sich dies gar nicht leisten können.

Inklusion muss gewollt sein

Umso wichtiger ist es schon jetzt, dass Unternehmen aller Art die nötigen Weichen stellen, um Junge und Alte sowie Menschen mit und ohne Behinderung zu inkludieren. Doch nicht immer gelingt dies, da es zum Teil am Willen fehlt, an einem Strang zu ziehen. Befragt zum Thema Inklusion in der Arbeitswelt, äußert sich Bsdurek so: „Es sind Teilerfolge im Umgang mit dem Thema erzielt worden. Es gibt einige Inklusionsbeiräte, die das Thema vorantreiben. Im Fokus stehen meist Anpassungen bestehender Normen. Doch neue Gesetze sind oft alter Wein in neuen Schläuchen. Dort, wo engagierte Akteure in der Praxis an Inklusion arbeiten, gelingt sie. Doch es bleibt ein Auftrag über Generationen hinweg, wir sind noch lange nicht am Ziel.“ Zusätzlich zu aktuellen Aufgaben wirkt sich auch das neue Bundesteilhabegesetz bereits auf seine Arbeit aus: „Wir spüren indirekt einen Einfluss durch veränderte Finanzierungs- und Verfahrensabläufe im Bereich der Teilhabeleistungen für Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben und direkt durch die beabsichtigten Novellierungen des Sozialgesetzbuches IX im Bereich der Aufgaben, Rechte und Pflichten von Schwerbehindertenvertretungen.“

Die Vertretungen werden also voraussichtlich auch in Zukunft noch viel zu tun haben. Es ist deshalb gut, dass Menschen wie Martin Bsdurek sich weiterhin einsetzen und dazu beitragen, dass arbeiten und eine Behinderung haben kein Widerspruch mehr ist. Wer sich weiter über dieses Thema informieren möchte, der findet auf der REHACARE zahlreiche Ansprechpartner. Unter anderem im Themenpark "Menschen mit Behinderung und Beruf" in Halle 3, Stand 3C74 – 3E90.
Foto: Simone Ernst; Copyright: B. Frommann

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Simone Ernst
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