Selbstbestimmt und gut beraten älter werden

Das Älterwerden bringt für Viele eine ganze Menge neuer Fragen und Herausforderungen mit sich. Diese reichen von gesundheitlichen bis hin zu ganz existenziellen Aspekten wie beispielsweise Altersarmut. In dieser Lebensphase ist es also hilfreich, kompetente Ansprechpartner zu haben, um sich den einen oder anderen guten Rat zu holen.

01/02/2016

 
Foto: Älterer Mann guckt seine Gesprächspartnerin an; Copyright: panthermedia.net/Scott Griessel

Auch mit zunehmendem Alter treten immer mal wieder Fragen auf, die man sich am liebsten in einer kompetenten Beratungsstelle beantworten lässt; © panthermedia.net/Scott Griessel

Beim Lösen des Kreuzworträtsels verschwimmen immer häufiger die Buchstaben und die Lieblingsmusik muss auch immer lauter gestellt werden – bei den ersten Anzeichen des Alterns begeben sich viele Menschen ungern direkt in ärztliche Hände. Denn lässt das Reaktionsvermögen nach oder treten andere Einschränkungen auf, befürchten die Betroffenen, dass ihnen dadurch in irgendeiner Form Nachteile entstehen könnten, die ihre Lebensqualität einschränken.

Beratung bei Gesundheitsfragen

Ein interdisziplinäres Team hat es sich zur Aufgabe gemacht herauszufinden, wie man diesen Sorgen und Fragen begegnen würde, wenn man ihnen nicht alleine ausgesetzt wäre. Im Januar 2016 startete das Institut für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg das Projekt "Beratung für gesundes Altern" (BegA), in dem die Forscher individuelle Beratung mit wissenschaftlicher Forschung verbinden möchten. Das Modell ist explizit nicht-klinisch ausgelegt und das Team möchte umfassend und Vorsorge-orientiert beraten.

Das Expertenteam besteht unter anderem aus Gerontologen, Psychologen, Ärzten, Sozialpädagogen und Ergotherapeuten und richtet sich an Menschen in der zweiten Lebenshälfte und deren Angehörige. In einem unverbindlichen Erstgespräch werden aktuelle Probleme und Fragen besprochen, beispielsweise: Was kann man tun, um fit zu bleiben? Wie ernährt man sich ab 50plus gesund? Wie lässt sich die persönliche Selbstständigkeit erhalten?

Anschließend wird geprüft, ob eine weitere Beratung sowie eine individuell abgestimmte medizinische Untersuchung notwendig und sinnvoll sind. Interessierte haben dann künftig auch die Möglichkeit an Präventionskursen und jährlichen Kontrolluntersuchungen teilzunehmen.

Die Daten, die im Rahmen des BegA-Angebotes ermittelt werden, werden anonymisiert und wissenschaftlich ausgewertet. Im Fokus des Forschungsteams stehen verschiedene Fragen, die am Ende das Beratungsangebot noch weiter verbessern sollen: Inwiefern wirkt sich die Teilnahme an Präventionsangeboten auf die Betroffenen aus? Wie stellt sich der langfristige Verlauf der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Personen dar, die sich wegen subjektiv empfundener Gedächtnisbeeinträchtigungen bei BegA melden? Oder: Wie kommen Senioren damit zurecht, wenn sie freiwillig nicht mehr Auto fahren?

Gegen Altersarmut in Europa

Besonders die selbstbestimmte Mobilität ist für viele Menschen lebenslang ein wichtiger Aspekt, den immer mehr Menschen aber auch als Luxus empfinden. Und oft sind es nicht nur gesundheitliche Einschränkungen, die dazu führen, dass dieser Luxus nicht mehr in Anspruch genommen werden kann. Denn auch die finanzielle Situation kann Menschen vor allem im Alter dazu zwingen, bestimmte Freiheiten – wie etwa das Autofahren – aufzugeben. Altersarmut heißt das Stichwort.

Die Altersarmut in Europa nimmt zu. In der Regel bedeutet das gleichzeitig, dass betroffene Menschen zunehmend sozial ausgegrenzt werden. Um genau das zu verhindern, brachte die GRUNDTVIG-Lernpartnerschaft Partner aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Polen, der Slowakei und Tschechien zusammen. Das Projekt "Social Inclusion and Dignity in Old Age - Promoting participatory approaches to use reference budgets" (auf Deutsch: Soziale Einbeziehung und Würde im Alter - Der Einsatz von Referenzbudgets zur Stärkung sozialer Teilhabe) stellte zwei Jahre lang die Frage in den Mittelpunkt, wie die Selbstbestimmung älterer Menschen mit geringem Einkommen verbessert und ihnen ein aktives und würdevolles Leben ermöglicht werden kann.

Foto: Screenshot des Titelblattes des Leitfadens, zeigt eine Weltkarte und markiert sind die beteiligten Länder; Copyright: GRUNDTVIG

Für das Projekt "Social Inclusion and Dignity in Old Age - Promoting participatory approaches to use reference budgets" arbeiteten Vertreter aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Polen, der Slowakei und Tschechien zusammen; © GRUNDTVIG

Zahlreiche transnationale Workshops und ein abschließender "Runder Tisch" in Brüssel förderten den Austausch zwischen Seniorenorganisationen und Akteuren aus Sozialpolitik, Verbraucher-, Finanz und Schuldnerberatung. In einem Leitfaden wurden nach Abschluss des zweijährigen Projektes alle wichtigen Informationen sowie Empfehlungen zusammengefasst.

Hierin heißt es unter anderem, dass es noch immer einen großen Bedarf an umfassenden Informationen sowie Kooperationen und Schulungen gäbe, um die Zielgruppe zu unterstützen. Aber, so wurde ebenfalls betont, es sei besonders wichtig, dass auch ältere Menschen selbst aktiv werden und sich für ihre Belange einsetzen. Ihre Beteiligung sei maßgebend, um auch auf politischer Ebene den Weg für sinnvolle Maßnahmen einzuschlagen und Altersarmut zu verhindern.

In einigen Ländern des GRUNDTVIG-Netzwerkes, wie Belgien oder Bulgarien, kommen bereits Lösungsansätze in der Praxis zum Einsatz. Die dabei bisher gemachten Erfahrungswerte wurden und werden weiterhin an alle beteiligten Partnerorganisationen weitergegeben, damit möglichst viele Menschen davon profitieren können.

Für Bedürfnisse im Alter sensibilisieren

Besonders wichtig ist es, Bewusstsein zu schaffen für die Probleme, vor denen ältere Menschen stehen können. Gerade die finanzielle Situation wirkt sich nicht nur auf soziale Kontakte aus, sondern oftmals auch auf das gesundheitliche Befinden. Daraus entsteht häufig ein Kreislauf, dem ältere Menschen nur schwer entkommen können. Bewusstsein für ihre Belange zu schaffen – auf so vielen Ebenen wie möglich – ist also die Grundlage für alle weiteren gesellschaftlichen Veränderungen, die darauf auf langer Sicht hoffentlich folgen.

Foto: Nadine Lormis; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann


Nadine Lormis
REHACARE.de