Selbsthilfe-Meeting zu Patientenautonomie und Selbstmanagement

26.09.2016

Bundesweites Selbsthilfe-Meeting rückt Patientenrechte und Aktives Selbstmanagement in den Mittelpunkt. Patienten mit chronischen Krankheiten, Angehörige sowie Mitglieder von Selbsthilfegruppen trafen sich am 17. September 2016 auf Einladung des Bundesverbandes AUGE e.V. in Stuttgart zu einer Informationsveranstaltung mit Vorträgen und anschließender Podiumsdiskussion.
Foto: Podiumsgespräch; Copyright: Bundesverband AUGE

Podiumsgespräch (v.r.): Werner Schatz (Glaukom SHG Stuttgart), Hilde Rutsch (KISS Stuttgart), Rechtsanwältin Dr. Gesine Walz, Dieter Staubitzer (Vorsitzender Bundesverband AUGE), PD Dr. med. Ekkehard Jecht.; © Bundesverband AUGE

Die Themen-Agenda umfasste Patientenrechte, aktives Selbstmanagement, Patientenautonomie und Fragen rund um Gründung, Aufbau und Unterstützung von Selbsthilfegruppen.

Nach Klärung, was ein ärztlicher Behandlungsfehler ist, nämlich ein "Verstoß gegen den medizinischen Standard des jeweiligen Fachgebietes des behandelnden Arztes", stellte die Anwältin verschiedene Arten von Behandlungsfehlern vor, zum Beispiel Diagnose- und Therapiefehler, Aufklärungsfehler oder unterlassene Befunderhebung.

Im Anschluss skizzierte Dr. Walz die grundsätzlichen Voraussetzungen, wann Patienten gegebenenfalls welche Ansprüche gegen den Arzt geltend machen können. Wichtig hierbei: Es muss der Nachweis erbracht werden, dass ein gesundheitlicher Schaden durch einen bestimmten Behandlungsfehler verursacht wurde (Kausalität).

Welche Möglichkeiten es gibt, bestehende Ansprüche in einem außergerichtlichen Vergleich zu regeln, und wo man benötigte Sachverständigen-Gutachten einholen kann, erläuterte die Juristin zum Ende ihres Vortrags – nicht ohne den Hinweis, dass auch bei einem Scheitern einer außergerichtlichen Einigung immer noch die Klage zum Zivilgericht möglich ist.

Zum Thema Patientenautonomie und Selbstmanagement referierte der Facharzt Privatdozent Dr. Dr. med. Ekkehard Jecht, Selbsthilfebeauftragter der "Ober Scharrer Gruppe (OSG)" in Fürth. Der Hautarzt und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin erläuterte eindrucksvoll, was "chronisch krank" aus medizinischer und psychologischer Sicht bedeutet.

Er wies darauf hin, "dass fast alle chronischen Krankheiten Autoimmunkrankheiten sind." Und weil hier innerpsychische Konflikte eine große Rolle spielen, ist die Erkenntnis des einzelnen Patienten umso wichtiger, dass es eine Vielzahl an Möglichkeiten gibt, selbst das aktuelle Geschehen zu beeinflussen bzw. positiv zu verändern.

Dem Begriff Pflege in seiner ursprünglichen Bedeutung - für etwas einstehen, sich für etwas einsetzen - kommt nach Ansicht von Dr. Jecht in diesem Kontext eine besondere Bedeutung zu: "Pflegen bedeutet eben auch: Verantwortung für sich übernehmen. Und das ist das Wichtigste, was wir tun können. Wir übernehmen Verantwortung für uns selbst!".

Ein anderer Vortragsabschnitt befasste sich mit dem "Arzt-Patienten-Verhältnis". Statt dieser paternalistisch geprägten Vokabel plädierte Dr. Jecht dafür, den Begriff Arzt-Patienten-Beziehung zu verwenden. "Noch lieber aber", betonte er, "rede ich von der Patienten-Arzt-Beziehung – weil der Patient an erster Stelle stehen sollte."

Damit Patienten ihre Verantwortung für eine selbstbestimmte Gesundheit wahrnehmen können, ist es nach Auffassung von Dr. Jecht "unverzichtbar, dass Patienten Spezialisten in ihrem Krankheitsbild werden."

Einen interessanten Einblick in Struktur, Aufgabengebiete und tägliche Praxis der Selbsthilfekontaktstelle KISS Stuttgart gewährte als weitere Referentin die geschäftsführende Vorständin Hilde Rutsch. Inzwischen gibt es rund 560 Selbsthilfegruppen in Stuttgart – zu den verschiedensten Themen aus allen Bereichen des Lebens.

KISS Stuttgart, so Vorständin Rutsch, dient vor allem als Informationsplattform für die vielfältigen Angebote der Selbsthilfegruppen. Die Kontaktstelle berät über Möglichkeiten von Selbsthilfegruppen, ermöglicht Kontakte, unterstützt bestehende Gruppen und hilft bei der Gründung von Gruppen.

Längst ist anerkannt, dass Selbsthilfegruppen die persönliche ebenso wie die gesellschaftliche Lebensqualität verbessern helfen. Die Referentin ging auch auf die unterschiedlichen Motive ein, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen und beleuchtete einige psychosoziale Aspekte der "Gruppenarbeit".

Die Expertin verwies insbesondere darauf, dass es wichtig und sinnvoll ist, Selbsthilfegruppen - z.B. wenn sie erst neu gegründet wurden oder es an der einen oder anderen Stelle "hakt" - zeitweise durch ausgebildete, erfahrene Leiter zu unterstützen bzw. zu begleiten. Damit soll eine nachhaltige Basis für eine positive gemeinschaftliche Erfahrung geschaffen werden.

REHACARE.de; Quelle: Bundesverband AUGE

Mehr über den Bundesverband Auge e.V unter: www.bundesverband-auge.de