So tickt Anja Hebel!

07.09.2016

Anja Hebel ist eine Kämpfernatur und lässt sich durch nichts unterkriegen. Luftakrobatin zu sein, wäre für die junge Frau genau das Richtige. Vor allem aber wünscht sie sich, dass nicht direkt sichtbare Behinderungen mehr Aufmerksamkeit erhalten. Welche Fragen sie sich stellt und warum Elizabeth Taylor die perfekte Besetzung für die Verfilmung ihres Lebens wäre, verrät sie auf REHACARE.de.

Foto: Anja Hebel zeigt auf das Logo "Living Brave" ihres Shirts; Copyright: privat

© privat

Name: Anja Hebel
Alter: 37
Wohnort: Amsterdam, Niederlande
Beruf: Hyperaktive Rentnerin
Behinderung: MS (RRMS Diagnose Juni 2012, aber schon seit mindestens 10 Jahren MS)
Hier geht es zu ihrer Internetseite: stumblingprincess.com
Foto: Anja Hebel; Copyright: privat

Anja Hebel ist sportlich unterwegs; © privat

Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Anja Hebel: Gestern Abend! Ich habe den Film "Brautalarm" sicher zum fünften Mal gesehen, aber die Szene in der die Brautjungfern nach einem nicht mehr ganz so frischen Mahl ihre Kleider für die Hochzeit anprobieren, lässt mich noch immer Tränen lachen!

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Anja Hebel: Nichts, denn ich tue grundsätzlich alles, was ich will. Ich habe mich allerdings nach meiner MS Diagnose mit meiner großen Leidenschaft, dem Reisen, erst einmal zurückgehalten. Diesen Herbst fliege ich allein nach Mexiko um einen richtigen Abenteuerurlaub zu machen, da ich das schon immer machen wollte.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Anja Hebel: Meine Mutter, die selbst eine geborene Kämpferin ist und trotz vieler Schicksalsschläge positiv im Leben steht. Sie hat mir schon immer gezeigt, dass Aufgeben keine Option ist. Und selbst wenn man es manchmal nicht glauben mag, wird alles irgendwann besser.


Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte/r zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Anja Hebel:
Weil ich mit meiner MS eine für Mitmenschen noch “unsichtbare” Krankheit habe, würde ich gerne in meiner ersten Amtshandlung auf diese Probleme aufmerksam machen. Zum Beispiel habe ich Phasen, in denen ich kaum in der Straßenbahn fahren kann, da es sich unglaublich schnell anfühlt. Ich muss dann oft nach nur einem Stop aussteigen, weil mir sehr schwindelig und schlecht wird. Ich wohne in Amsterdam und zum Glück findet hier einmal pro Monat eine spezielle Schulung der Straßenbahnmitarbeiter durch unsere MS Vereinigung statt, die auf “unsichtbare” Behinderungen und genau diese Probleme hinweist. Nur weil man gesund aussieht, heißt das nicht, dass man gesund ist und eventuell Hilfe braucht oder in der vollen Straßenbahn sitzen muss.

Foto: Anja Hebel in der Wüste in Dubai; Copyright: privat

Anja Hebel liegt es sehr am Herzen, anderen Menschen Mut zu machen und nicht aufzugeben, egal welches Hindernis sich in den Weg stellt; © privat

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Anja Hebel:
Leider ist sie bereits verstorben, aber ich würde mich für Elizabeth Taylor entscheiden, da sie für mich die ultimative Kämpferin darstellt. Kein Hindernis oder Schicksalsschlag war für sie zu viel, sie gab nie auf.

Ich wäre gern einmal...

Anja Hebel: Luftakrobatin bei Cirque du Soleil!

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Anja Hebel: Das ist eine sehr schwierige Frage… Persönlich frage ich mich natürlich: Wann werden wir eine Heilung für MS finden? Und warum bekommt man MS? Im weiteren Sinn frage ich mich, wann wir Menschen endlich all unsere Unterschiede akzeptieren? Denn die machen das Zusammenleben ja erst spannend.

Was ich noch sagen wollte ...

Anja Hebel:
Nie aufgeben! Wir sind alle WUNDERvoll – genau so, wie wir sind!