So tickt Anne Leichtfuß!

23.11.2016

Seit knapp einem Monat hat die Ausstellung "Touchdown 21" von Menschen mit und ohne Down-Syndrom in der Bundeskunsthalle in Bonn geöffnet. Viel Herzblut hat auch Anne Leichtfuß in die Vorarbeit dazu gesteckt. Was sie neben ihrer Arbeit als Übersetzerin für Leichte Sprache noch bewegt und warum sie niemals Bundesbehindertenbeauftragte werden möchte, erklärt sie auf REHACARE.de.

Bild: Anne Leichtfuß; Copyright: Martin Langhorst

© Martin Langhorst

Name: Anne Leichtfuß
Alter: 38
Wohnort: Bonn
Beruf: Übersetzerin für Leichte Sprache, schriftlich und simultan, Mitarbeiterin beim partizipativen Forschungs-Projekt TOUCHDOWN 21
Bezug zum Thema: Ich habe viele Kolleginnen und Kollegen mit Down-Syndrom. Wir arbeiten zusammen im Team.

Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Anne Leichtfuß: Bei der letzten Redaktions-Sitzung mit meinen Kollegen mit Down-Syndrom. Es ging um die Liebe und darum, dass manche Dinge, die damit zusammenhängen, ganz schön peinlich sind.

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Anne Leichtfuß: Schon seit ich klein bin, wollte ich eine Ballon-Fahrt machen zusammen mit meiner Mutter. Seit sie vor einigen Jahren verstorben ist, wollte ich es noch nicht alleine machen. Aber irgendwann mache ich das noch.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Anne Leichtfuß: 
Viele Menschen haben mich schon beeindruckt in meinem Leben. Ich habe viel von ihnen gelernt und von ihrer Haltung profitiert. An erster Stelle würde ich hier aber auf jeden Fall meine Eltern nennen. Sie haben mich mit viel Liebe erzogen und zu jedem Zeitpunkt so, dass ich wusste, sie lassen mich meine Entscheidungen selbst treffen und tragen sie mit, auch schon als ich sehr jung war. Und ich hatte zu jedem Zeitpunkt die Sicherheit, dass sie mich nicht weniger lieben, wenn ich Fehler mache. Das war eine gute und wertvolle Basis für mein restliches Leben, die mich bis heute trägt. 

Bild: Anne Leichtfuß trägt ein Headset und schaut nach vorne; Copyright: Michael Bause

Anne Leichtfuß arbeitet als Übersetzerin für Leichte Sprache; © Michael Bause

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Anne Leichtfuß: 
Ich möchte nicht Bundesbehindertenbeauftragte werden. Ich finde, lange genug saßen Menschen ohne Behinderung auf diesem Posten. Ich bin absolut dafür, dass nur noch Menschen mit Behinderung dieses Amt bekleiden. Mutig und gut fände ich, wenn es in Zukunft eine Person mit Lernschwierigkeiten wäre. Wenn dieser Person wirklich zugehört wird und ihre Impulse ernst genommen würden, würde das viel verändern.

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Anne Leichtfuß: Ich glaube, wenn es verfilmt würde, fände ich eine Serie besser als einen Blockbuster. Die passende Besetzung finde ich schwer zu entscheiden. Ich finde Fritzi Haberlandt toll. Vielleicht könnte ich sie dafür gewinnen. 

Ich wäre gern einmal...

Anne Leichtfuß: ... in der Lage zu fliegen.

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Anne Leichtfuß: 
Ich würde gerne genauer verstehen wollen, warum viele Menschen in Deutschland solche Angst vor den geflüchteten Menschen haben, die in unserem Land Sicherheit und Zuflucht suchen und warum das Populisten solchen Zulauf bringt.

Was ich noch sagen wollte ...

Anne Leichtfuß: 
Ich denke, für den Moment ist alles gesagt.