So tickt Annton Beate Schmidt!

Begriffe, die Behinderungen benennen, sind ihr zu schwerfüßig. Deswegen hat Annton Beate Schmidt auch eine ganz eigene Bezeichnung für sich gefunden: Cripster. Was genau es damit auf sich hat, wie sie zu behindertenpolitischen Fragen steht und was sie zum Thema Behindertenparkplätze loswerden will, erzählt sie auf REHACARE.de.

22.07.2015

Foto: Annton Beate Schmidt; Copyright: Bernd Wannemacher

Annton Beate Schmidt; © Bernd Wannemacher

Name: Annton Beate Schmidt
Alter: 47
Wohnort: Berlin
Beruf: Künstlerin
Behinderung: Ich bezeichne mich selbst gerne als Cripster (Cripple und Hipster), weil es ironisch ist und alle anderen Begriffe so schwerfüßig daherkommen. Im Grunde bin ich aber einfach Annton, die sich aufgrund einer Wachstumsstörung der unteren Gliedmaßen entweder mit Krücken und im Atelier mit einem Rollstuhl fortbewegt.
Mehr über Annton Beate Schmidt unter: www.anntonbeateschmidt.com
Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Annton Beate Schmidt: Vor einer Stunde. Über meinen Labrador Emma und die absurden Versuche, mich dazu zu bringen, die Wurst auf meinem Brot mit ihr zu teilen.

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Annton Beate Schmidt: Meinen Flugschein. Schon als Kind war ich von fliegenden Frauen fasziniert. Irgendwie reichte bisher aber leider nie das Geld. Und Autofahren entpuppte sich dann auch irgendwie als alltagstauglicher.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Annton Beate Schmidt: Es gibt keinen bestimmten Menschen, der besonders heraus sticht. Aber Menschen, die ihren ganz persönlichen Weg gehen, ohne sich von anderen oder von den eigenen Zweifeln davon abhalten zu lassen, solche Menschen begeistern mich.

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte/r zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Annton Beate Schmidt: Noch einmal unmissverständlich klar machen, dass Gleichstellungsrechte für Behinderte keine Privilegien sind. Sie sind zum einem im Grundgesetz und erweitert in der UN-Behindertenrechtskonvention festgehalten. Das sind bindende Verträge. Also bitte Deutschland, mache deinen Job.
Foto von Annton Beate Schmidt und Zeichnung von ihr; Copyright: Annton Beate Schmidt

Besonders am Herzen liegen Annton Beate Schmidt ihre Kunst und Menschen: "Mit der Ersten versuche ich die Zweiten immer wieder zusammenzubringen und sie zu berühren."; © Annton Beate Schmidt

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Annton Beate Schmidt: Gerne Robert Downey Jr. – es wäre spannend meine Geschichten von einem Mann spielen zu lassen, weil ich glaube als Mann wären einige von ihnen etwas anders verlaufen. Zumindest wären sie anders bewertet worden.

Ich wäre gern einmal …

Annton Beate Schmidt: Im Prinzip bin ich ziemlich happy damit, ich zu sein. Vielleicht wäre es aber ganz praktisch, ab und zu die etwas gelassenere Version meiner selbst zu sein.

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Annton Beate Schmidt: Fragen, mit denen sich Philosophen schon seit Jahrtausenden beschäftigen. Aber vielleicht ist es auch ganz gut, manche Dinge einfach nicht beantworten zu können.

Was ich noch sagen wollte ...

Annton Beate Schmidt: Etwas eigentlich Banales: "Liebe Mitmenschen, Behindertenparkplätze existieren nicht, weil irgendwer zu faul zum laufen ist. Mit Krücken oder einem Rollstuhl in beziehungsweise aus einem Auto auszusteigen ist nicht easy. Und es benötigt vor allem eines, es benötigt Platz. Wenn solche Parkplätze also zugeparkt oder halb blockiert sind, kann es passieren, dass ich schlicht und ergreifend nicht ins Auto komme oder stundenlang im Auto warten muss bis Hilfe oder die Polizei kommt. Das nervt und kostet unendlich viel Zeit. Auch wenn ihr glaubt nur Minuten dort gehalten zu haben. Also bitte denkt nach, bevor ihr kopflos dort parkt. Lasst es einfach sein."