So tickt Carolin Fischer!

Carolin Fischer kann über sich selbst lachen und lebt für das Modeln. Ihr liegt dabei vor allem am Herzen zu zeigen, dass Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich schön sind. Ohne Wenn und Aber. Welchen Beitrag ihre Familie zu ihrem heutigen Selbstbewusstsein geleistet hat und warum sie gerne wieder einmal ein Kind wäre, erzählt sie auf REHACARE.de.

23.09.2015

Foto: Carolin Fischer;  © Kerstin Runau

Carolin Fischer; © Kerstin Runau

Name: Carolin Fischer
Alter: 26
Wohnort: Mühlhausen
Beruf: Bürokauffrau, Rollstuhlmodel
Behinderung: Querschnittlähmung C5-C6
Mehr über Carolin Fischer unter: www.carolin-fischer.de
Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Carolin Fischer: Das letzte Mal herzhaft gelacht habe ich mit meiner Mutter. Es gibt Angewohnheiten, die man selber nicht mehr merkt, und wenn man sie unter die Nase gerieben bekommt beziehungsweise es wird noch nachgemacht, dann kann man nur noch Tränen lachen.

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Carolin Fischer: Ich würde gerne eine Weltreise machen. Mein größter Wunsch ist es, dabei einmal Wale zu beobachten. Ich würde gerne verschiedene Kulturen kennenlernen. Bisher habe ich noch niemanden gefunden, der mit mir die Welt entdecken will. Durch den Rollstuhl muss alles gut organisiert sein, aber ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren sagen kann: "Ja, ich habe die Welt gesehen!".

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Carolin Fischer: Meine Familie. Ohne ihre Unterstützung und Zuversicht, auch im Hinblick auf ein Leben mit und im Rollstuhl, hätte ich das alles sicherlich nicht geschafft. Ich bin heute ein sehr lebensfroher und glücklicher Mensch und weiß das Leben ganz genau zu schätzen.

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte/r zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Carolin Fischer: Gleichberechtigung. Beziehungsweise sind wir auch nur Menschen, die genauso träumen, lachen, weinen und leben. In vielerlei Hinsicht müsste einiges leichter gemacht werden im Alltag, damit wir nicht dreimal überlegen müssen, ob wir da überhaupt hinkommen. Das Problem mit den Krankenkassen würde ich auch auf meine Liste setzen, um einiges zu verbessern!
Foto: Mehrere Bilder von Carolin Fischer in einer Collage; © Kerstin Runau

Carolin Fischer genießt es, sich vor der Kamera zu präsentieren; © Kerstin Runau

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Carolin Fischer: Ich würde mich selbst spielen, da ich finde, dass Menschen mit einem Schicksalsschlag ganz anders leben und denken. Ich würde eine starke, selbstbewusste Frau verkörpern, zu der viele hoch schauen.

Ich wäre gern einmal …

Carolin Fischer: …wieder Kind – damit ich kurz sorglos sein kann, meine verstorbenen Großeltern in den Arm nehmen kann und ich die Welt auf Kinderniveau neu entdecke.

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Carolin Fischer: Warum muss die Welt manchmal so grausam sein? Warum töten wir Menschen uns gegenseitig? Warum müssen Kinder Hunger leiden? Warum können wir uns nicht alle GLEICH stellen?

Was ich noch sagen wollte ...

Carolin Fischer: Nimm manches im Leben nicht all zu ernst. Genieße viele kleine Augenblicke, die für dich unbezahlbar erscheinen. Und verhalte dich Menschen gegenüber so, wie du auch behandelt werden möchtest.

"Atme tief und lebe den Moment" ist mein Lebensmotto.