So tickt Heike Führ!

Genau hinsehen und nicht vorschnell urteilen – das wünscht sich Heike Führ von ihrer Umwelt. Denn nicht jede Behinderung ist offensichtlich und für jeden sofort zu erkennen. Deswegen engagiert sie sich für die Aufklärung rund um Multiple Sklerose und deren unsichtbare Symptome. Inwiefern diese sich nämlich auch auf ihr Leben auswirken, erzählt sie auf REHACARE.de.

11.11.2015

Foto: Heike Führ; Copyright: Ingrid Fey

Heike Führ; © Ingrid Fey

Name: Heike Führ
Alter: 53
Wohnort: Mainz
Beruf: Bloggerin, Autorin, Pädagogin
Behinderung: Ich bin seit 1994 an Multipler Sklerose (MS) erkrankt mit dem Hauptsymptom Fatigue (extreme / abnorme Erschöpfung und Erschöpfbarkeit).
Mehr über und von Heike Führ unter: www.multiple-arts.com
Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Heike Führ: Ich lache täglich viel – zuletzt über eine Kapriole meines Hundes und auch über mich selbst.

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Heike Führ: Eine Weltreise – aber das schaffe ich weder finanziell noch mit meiner Fatigue…
 
Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Heike Führ: Außer meinen Eltern haben mich meine Kinder am meisten geprägt – ich habe viel mit ihnen und von ihnen gelernt.

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte/r zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Heike Führ: Ich würde dafür sorgen, dass es möglichst viele Begegnungen zwischen behinderten und nicht-behinderten Menschen gäbe, um die Scheu vor Behinderungen zu nehmen.

Inklusion wäre ebenfalls ein großes Thema. Und in meinem Fall würde ich auch versuchen, die MS bekannter zu machen, um mehr Lobby zu erhalten. Vor allem deren UNSICHTBAREN Symptome, worüber ich ja auch hauptsächlich in meinen Büchern schreibe.

Ich möchte Betroffenen immer das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind und Außenstehenden die Problematiken solcher sichtbaren und nicht sichtbaren Symptome und Beeinträchtigungen nahelegen und aufzeigen.

Und ich würde sicherlich die finanzielle Unterstützung für Behindertenverbände anheben. ;-)
Foto: Heike Führ mit ihrem Hund; Copyright: Ingrid Fey

Als Bloggerin und Autorin verbringt Heike Führ zwar viel Zeit am Laptop (siehe auch Foto oben), aber dabei ist sie immer in Begleitung ihres Seelenhundes Smiley; © Ingrid Fey

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Heike Führ: Abgesehen davon, dass ich mein Leben nicht so gerne verfilmt sehen würde… Aber um die Frage zu beantworten: wenn, dann: Ich liebe Meg Ryan als Schauspielerin, da sie (zumindest in früheren Filmen, die ich von ihr kenne) meine Lebendigkeit wiederspiegelte. Meryl Streep wäre ebenfalls eine Wunschkandidatin, da ich glaube, dass beide Frauen gut den Wechsel der Emotionen und die verschiedenen Stationen, die ich MS-bedingt durchlaufen musste, authentisch wiedergeben könnten, ohne theatralisch zu wirken. Mutige und starke Frauen – so würde ich sie mir vorstellen, die die Herausforderung einer solchen chronischen Erkrankung annehmen und bewältigen würden, ihr die Stirn bieten und trotzdem auch leiden dürfen.

Ich wäre gern einmal …

Heike Führ: wieder ganz gesund ... und so agil wie vor meiner Diagnose.

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Heike Führ: Wann gibt es endlich Frieden??? (Aber die Antwort gibt sich die Welt ja leider momentan selbst.) :(

Was ich noch sagen wollte ...

Heike Führ: Mir ist es – auch mit meinem Blog – wichtig, Gleichbetroffenen helfen zu können und Angehörige ebenfalls sowohl zu unterstützen als ihnen auch die Krankheit MS näher zu bringen – und gleichzeitig die Angst zu nehmen. Denn alles ist möglich und es lohnt sich immer, optimistisch nach vorne zu schauen.

Im Falle von MS ist es mir wichtig, auf die unsichtbaren Symptome und deren harte Existenz hinzuweisen und deutlich zu machen, dass wir nicht simulieren – auch wenn wir (teilweise) äußerlich unversehrt aussehen.

Behinderte Menschen sind GLEICHWERTIG und haben das gleiche Anrecht auf Leben und Teilhabe am Leben, auch am Arbeitsleben!

Und sollte – wie in meinem Fall aufgrund der abnormen Fatigue – ein normaler Arbeitstag nicht mehr möglich sein, wünsche ich mir Gutachter, die das erkennen.

Ich wünsche mir barrierefreies Denken und Handeln, Inklusion und Aufklärung in der Behindertenarbeit.

Mein Motto: MS ist nicht das Ende, nur ein neuer Anfang!