So tickt Karl Matthias Schäfer!

Chancengleichheit im Berufsleben für alle – das wär’s doch! Karl Matthias Schäfer würde sich jedenfalls freuen, wenn es für Arbeitgeber keine Rolle mehr spielen würde, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht. Was der blinde Geschäftsführer von der Entwicklung der Behindertenpolitik hält und wie er über das Tauchen und Schlittenhunde denkt, erzählt er auf REHACARE.de.

02.09.2015

Foto: Karl Matthias Schäfer; © privat

Karl Matthias Schäfer; © privat

Name: Karl Matthias Schäfer
Wohnort: Dieburg
Beruf: Geschäftsführer Dialogmuseum gGmbH
Behinderung: Von Geburt an blind
Mehr über und von Karl Matthias Schäfern unter: www.blindien.wordpress.com
Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Karl Matthias Schäfer: Vor einigen Tagen als ich mir tatsächlich Sonnencreme anstatt Zahnpasta auf die Zahnbürste gestrichen habe. Hat ekelhaft geschmeckt. Ich dachte, so etwas passiert mir nie.

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Karl Matthias Schäfer: Ich wollte schon immer mal tauchen. Ich habe aber ein Problem damit, wenn mir das Wasser über die Nase reicht. Ich werde das aber demnächst mal machen.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Karl Matthias Schäfer: Prof. Dr. Adrian Kniel, mein Professor an der Uni Kassel. Der hat mich beruflich sehr stark in meinem Denken geprägt und mir unter anderem vermittelt, dass man Dinge manchmal einfach angehen muss. Dass man einen Weg einschlagen kann, auch wenn man noch nicht den genauen Verlauf kennt.

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte/r zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Karl Matthias Schäfer: Ich würde eine große Initiative zur beruflichen Inklusion starten, die aber auch beinhaltet, dass die bestehenden Schutzvorschriften für behinderte Arbeitnehmer auf den Prüfstand gestellt werden. Analysieren, welche dieser Regelungen die Situation behinderter Menschen im Beruf verbessern und welche Vorschriften Arbeitgeber daran hindern, behinderte Menschen einzustellen. Ich habe als blinder Geschäftsführer mit über 20 Jahren Erfahrung in der Personalführung ganz spezielle Meinungen dazu. Nicht alles, was uns schützen soll, tut das tatsächlich auch.
Foto: Karl Matthias Schäfer steht neben einem Elefanten; © privat

In seiner Freizeit ist Karl Matthias Schäfer gerne unterwegs und liebt es zu reisen; © privat

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Karl Matthias Schäfer: Zum Bereich Film und Schauspielern habe ich nicht so den Zugang. Ich würde mich am liebsten selbst spielen.

Ich wäre gern einmal …

Karl Matthias Schäfer: mit einem Hundeschlitten-Gespann in Kanada unterwegs. Nachts im Schlafsack zwischen den Hunden schlafen und mit ihnen leben.

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Karl Matthias Schäfer: Ob unsere Gesellschaft irgendwann einmal so weit ist, dass sie Vielfalt akzeptiert und die Angst und Unsicherheit vor dem, was ihr fremd ist, verlieren kann?

Was ich noch sagen wollte ...

Karl Matthias Schäfer: Manchmal hat man als Aktiver in der Behindertenpolitik das Gefühl, es geht nichts voran. Wir treten auf der Stelle. Ich kann aber inzwischen auf 25 Jahre Aktivität zurückblicken. Und wir haben in dieser Zeit sehr viel erreicht. Wenn sich viele von uns engagieren und am Ball bleiben, können wir zusammen noch eine ganze Menge erreichen.
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