So tickt Katrin Langensiepen!

Als Politikerin will Katrin Langensiepen zeigen, dass auch Menschen mit Behinderung Politik können. Deswegen strebt sie eine gute Mischung aus politischem Engagement und den "klassischen Inklusionsthemen" an. Warum sie sich endlich mal selbst in den Hintern treten muss und was sie rund um das Thema Inklusion sonst noch auf dem Herzen hat, erzählt sie auf REHACARE.de.

30.09.2015

Foto: Katrin Langensiepen; Copyright: Andi Weiland

Katrin Langensiepen; © Andi Weiland

Name: Katrin Langensiepen
Alter: 35
Wohnort: Hannover
Beruf: Politikerin, Übersetzerin, Sängerin
Behinderung: Leicht verkürzte Arme
Mehr über Katrin Langensiepen auf ihrer Facebook-Seite
Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Katrin Langensiepen: Ich lache täglich! Warum auch nicht? Behinderung heißt nicht zu leiden und humorbefreit zu sein. Mein Humor ist sehr schwarz.

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Katrin Langensiepen: Ich habe mir schon immer einmal vorgenommen, zu einem Film-Casting zu gehen. Warum ich es bisher noch nicht gemacht habe? Das lag wohl daran, dass ich immer unterwegs war, zahlreiche andere Baustellen hatte und ich mir nun wirklich mal in den Hintern treten muss.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Katrin Langensiepen: Als junger Mensch war Anne Frank der Mensch, der mich am meisten beeinflusste. Sie hatte klare Ziele, war immer optimistisch und verzweifelte selten an ihrer Lage.

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte/r zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Katrin Langensiepen: Ok, das geht jetzt an der Frage vorbei: Ich bin keine große Freundin von "Beauftragten für...". Wenn Menschen mit Behinderung für sich selbst sprechen wollen und dafür kämpfen, dass mit ihnen und nicht über sie gesprochen wird, müssen sie auch nach außen gehen und dies tun. Jeder hat Interessen und Talente. Bei mir war es die Politik, bei anderen ist es Kunst, Netz oder der ganz normale Alltag. Niemand muss über seine Kräfte hinausgehen, seine eigene Grenzen und Interessen muss jede/jeder für sich herausfinden.Christine Rupp: Alle Bordsteine absenken; genügend Behinderten-Parkplätze einrichten; ausreichend finanzielle Unterstützung für alle, die durch ihre Behinderung einen Nachteil haben; ausreichende Assistenz für alle, die sie benötigen; dafür Sorge tragen, dass mehr Menschen mit Behinderung eine Arbeit bekommen. Da gibt es so Einiges...
Foto: Katrin Langensiepen; Copyright: Andi Weiland

Als Umwelt-Ausschuss-Vorsitzende und sozialpolitische Sprecherin beschäftigt Katrin Langensiepen sich auch mit ganz anderen Themen und Personengruppen. "Auch das ist Inklusion", sagt sie; © Andi Weiland

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Katrin Langensiepen: Oh, da gibt es einige Schauspielerinnen: Katja Riemann, Iris Berben, Julia Jentsch, Barbara Sukova. Starke Charaktere, unterschiedliche Generationen, die mich verkörpern könnten, auch ohne dass sie meine Behinderung hätten.

Ich wäre gern einmal …

Katrin Langensiepen: Nö! Fangen wir gar nicht erst an. Alles gut so.

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Katrin Langensiepen: Ich stell mir selten bis kaum Fragen. Die Warum-Frage kam vielleicht nur einmal im Leben vor, die Beantwortung ist zu anstrengend und meine Erfahrung sagt: Hat irgendwie alles seinen Sinn, warum man Menschen kennenlernt, verliert, Schicksale erlebt. Vielleicht weil man es kann? Auch hier habe ich keine Antwort.

Was ich noch sagen wollte ...

Katrin Langensiepen: Ich wünsche mir beim Thema Inklusion/Behinderung einen stärkeren Austausch zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen. Häufig merke ich Ängste/Unsicherheiten im Umgang miteinander. Aber auch eine eher angstbesetzte Kommunikation. Wir müssen lernen, uns gegenseitig Fragen zu stellen, zu zuhören. Die Barrieren im Kopf der nichtbehinderten Menschen sind wohl da, die Barrieren im Kopf von Menschen mit Behinderung aber auch. Um sich gegenseitig besser kennenzulernen, müssen externe Institutionen wie Werkstätten/Einrichtungen geöffnet werden, durchlässiger werden bis hin zur Abschaffung. Wir dürfen es nicht zulassen, dass es Einrichtungen gibt zum scheinbaren Wohl der behinderten Menschen. Es aber eigentlich Einrichtungen sind, die der Arterhaltung der Betreiber dienen.