So tickt Kim Elena do Calvário Moquenco!

15.03.2017

Ob Schlittschuhlaufen, Modeln oder einen Blog betreiben – Neues ausprobieren und sich selbst verwirklichen ist für Kim Elena do Calvário Moquenco besonders wichtig. Auch für ihren Posten als Bundesbehindertenbeauftragte hat sie bereits viele Ideen. Wer ihre Helden sind und was sie an Filmen über Menschen mit Behinderung ärgert, verrät sie auf REHACARE.de.

Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Kim Elena do Calvário Moquenco: Das war erst gestern, als ich ein eCasting-Video für einen neuen Modeljob gedreht habe. Ich habe an einer Stelle totalen Unsinn erzählt und musste über mich selber lachen. 

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Kim Elena do Calvário Moquenco: Ich bin generell ein Mensch, der gerne immer wieder Neues ausprobiert und sich selbst auch verwirklichen möchte. Das fängt an bei scheinbar kleineren Dingen wie klettern oder Schlittschuhlaufen. Mit einer Körperbehinderung ist das natürlich nicht das Selbstverständlichste. Doch ich habe es letztendlich auf meine Art und Weise gemacht. Beides bekommt man auch auf meinem YouTube-Kanal zu sehen. Was mich zu meiner Selbstverwirklichung bringt: Ich habe schon lange mit dem Gedanken gespielt, meinen Gedanken und Erlebnisse in einem Blog festzuhalten und somit auch andere Menschen, besonders Menschen mit Behinderungen, anzusprechen. So ist mein Blog und YouTube-Kanal unter dem Namen Kim Moquenco entstanden.

Ich glaube, dass ich gerade aufgrund meiner Behinderung mir schon einige Dinge selbst nicht zugetraut habe und somit auch nicht gewagt habe. Das möchte ich ändern. Auch mit Behinderung und vielleicht gerade deswegen kann ich so einiges.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Kim Elena do Calvário Moquenco: Am meisten haben mich bisher meine Eltern beeinflusst und ich würde sie auch beide als meine persönlichen Vorbilder und Helden bezeichnen. Sie haben mir gezeigt, was es bedeutet jemanden bedingungslos zu lieben und zu unterstützen. In all den Jahren, in denen sie an meiner Seite waren, haben sie versucht mich zu einer selbstbewussten und selbstständigen Person zu erziehen. Ohne sie hätte ich viele Chancen und Erfolge in meinem Leben so nicht erleben können.

Foto: Kim Elena do Calvário Moquenco mit einem Sonnenuntergang im Hintergrund; Copyright: privat

Ihre Gefühle, Gedanken und Erlebnisse hält Kim Elena do Calvário Moquenco in einem Blog fest, zum Beispiel das Reisen in andere Länder; © privat

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Kim Elena do Calvário Moquenco: Das ist eine schwierige Aufgabe, denn da gibt es so vieles, was dringend notwendig wäre! Ich würde Pflegepersonal in den entsprechenden Pflegeeinrichtungen besser psychologisch schulen wollen. Außerdem würde ich das Gesetz rund um die Einkommens- und Vermögensgrenzen, welche Menschen betrifft, die auf Assistenz angewiesen sind, abschaffen. Ich finde es ist eine Schande, dass diese Menschen nicht mehr als 2.600 Euro ansparen können und dürfen. Ich würde gerne einmal mit Herrn Schäuble und all den anderen hochrangingen Politikern in unserem Land reden und fragen wollen, warum die UN-Behindertenrechtskonvention nur so zögerlich umgesetzt wird und ob sie denn überhaupt Interesse haben, diese umzusetzen.

Außerdem würde ich gleichzeitig eine Medienkampagne starten wollen, die unsere Gesellschaft auf die Belange von Menschen mit Behinderung aufmerksam macht, aber auch gleichzeitig Barrieren und Hemmschwellen in den Köpfen unserer Gesellschaft abbaut. In dieser Kampagne würde ich Menschen mit Behinderung sprechen lassen und ihnen eine Stimme geben. 

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Kim Elena do Calvário Moquenco: Diese Frage kann ich so nicht beantworten, da es keine Person gibt, die mich verkörpern könnte. Klar, gibt es Menschen in meinem Umfeld, die miterleben, mit welchen Herausforderungen ich tagtäglich konfrontiert werde. Aber niemand kann meine Gefühle gegenüber bestimmten Situationen und Themen so wiedergeben und darstellen wie ich selbst. 

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich ist es besonders schlimm zu sehen, dass ein Mensch mit Behinderung in einem Film von einem gesunden Schauspieler dargestellt wird. Ich frage mich, warum das so ist. Dieser Schauspieler wird mir niemals die Geschichte mit all seinen Höhen und Tiefen vermitteln können wie der Mensch selbst, der sie durchlebt hat oder mit etwas Ähnlichem konfrontiert ist.

Ich wäre gern einmal...

Kim Elena do Calvário Moquenco:
Eigentlich möchte ich niemand anderes sein. Mein Leben war bisher sicherlich kein einfaches, aber ich habe alle Höhen und Tiefen bewusst durchlebt und fühle mich stark. Ich hätte mir nur in einigen Situationen nicht so viele Hürden gewünscht. Doch jeder hat so sein Päckchen mit sich zu tragen. Der eine ein schwereres und der andere ein leichteres. Das Wichtige ist, war wir daraus machen.

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Kim Elena do Calvário Moquenco: 
Wer da oben ist und sich all diese Lebensgeschichten ausdenkt und warum.

Was ich noch sagen wollte …

Kim Elena do Calvário Moquenco:
…ist, dass wir alle zusammenstehen müssen, um die Rechte von Menschen mit Behinderung voranzutreiben und zu verbessern. Steht zu euch selbst und lasst euch nicht unterkriegen. Verfolgt eure Träume und kommt vielleicht auch mal aus eurer Komfortzone heraus und wagt Neues. Dann können wir so einiges schaffen.