So tickt Marcella Becker!

06.07.2016

Marcella Becker ist stolze Mutter eines autistischen Kindes. Sie wünscht sich, dass Menschen auch über den Tellerrand schauen. Sie möchte in einer Welt leben, in der es normal ist, ver-schieden zu sein. Eine Welt, in der andere ihrem Sohn ganz selbstverständlich eine Leiter reichen, damit er wie die Anderen einen Apfel pflücken kann. Was sie sich sonst noch wünscht, erzählt sie auf REHACARE.de.

Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Marcella Becker: Auf meinem letzten und ersten Wanderritt auf meinem Pferd Veliciano, mitten im Jagdgalopp. Worüber? Einfach vor Glück.

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Marcella Becker: Mit meinem Sohn zusammen eine kleine Europareise in einem Bulli zu machen und mit ihm kleine und große Abenteuer zu erleben. Bis jetzt habe ich mir das Abenteuer noch nicht zugetraut, aber es steht ganz weit oben auf meiner "Must-Do-Liste".

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Marcella Becker: Mein Sohn. Durch ihn habe ich gelernt im Regen zu tanzen, statt ständig auf die Sonne zu warten.

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragter zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Marcella Becker: 
Ich würde eine Kaffee- und Restaurantkette für autistische und schwer mehrfach behinderte Kinder eröffnen.

Foto: Marcella Beckers Sohn Evan trägt einen Hut und schaut in die Kamera

"Ich wünsche mir Menschen, die über den Tellerrand schauen und sein Anderssein nicht ungehorsam, sondern als etwas Besonderes wahrnehmen und sich freuen, so einen wundervollen und bezaubernden Menschen kennenzulernen", betont Marcella Becker; © Maren Schmidt, Bambinophoto/Tapfere Knirpse

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Marcella Becker: Definitiv Heinz Erhardt! Das passt optisch vielleicht nicht ganz, aber ich liebe und bewundere die Art, mit welcher Leichtigkeit er schwierige Filmrollen spielt und wie er damals schon Klischees gebrochen und seinen eigenen Weg gegangen ist. Wäre ich ein älterer Mann, ich wäre Heinz Ehrhardt.

Ich wäre gern einmal …

Marcella Becker: Pippi Langstrumpf.

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Marcella Becker: Autismus kann man nicht – noch nicht – durch eine pränatale Diagnostik feststellen. Wenn dies in den ersten Wochen einer Schwangerschaft möglich wäre, wie hoch wären die Abtreibungszahlen? Eine Frage, die ich mir in letzter Zeit immer mal wieder stelle.

Was ich noch sagen wollte ...

Marcella Becker: Auf ein Leben ohne Schubladen!