So tickt Mischa Gohlke!

Grenzen sind für ihn relativ! Mit dem Inklusionssong "AndersSein vereint" machte Mischa Gohlke, zusammen mit anderen Künstlern, musikalisch vor, wie ganzheitlich gelebte Teilhabe in der Gesellschaft aussehen kann. Inwiefern wir alle irgendwie behindert sind und wie stark seine Liebe zur Musik und sein Einsatz für Inklusion sind, erzählt er auf REHACARE.de.

09.09.2015

Foto: Mischa Gohlke mit einem Mikrofon in der Hand; © Stephan Olbrich

Mischa Gohlke; © Stephan Olbrich

Name: Mischa Gohlke
Alter: 34
Wohnort: Hamburg
Beruf: Initiator & Projektleiter "Grenzen sind relativ", Musiker, Dozent, Projekt- & Eventmanager, Coach, Aktivist und Mensch
Behinderung: Von Geburt an Taubheit grenzend hörgeschädigt. Darüber hinaus diverse "menschliche" Behinderungen und Schwächen.
Mehr über Mischa Gohlke unter: www.grenzensindrelativ.de
Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Mischa Gohlke: Eben gerade.

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Mischa Gohlke: Es ist generell eine essenzielle Aufgabe, sich mit inneren und äußeren Themen prozess-orientiert auseinander zu setzen. Dabei kommen natürlich auch diverse Ängste, Blockaden und Unsicherheiten zum Ausdruck. Seit langem ist es ein großer Traum von mir, auf der Bühne – neben dem Gitarre spielen – zu singen. Diesbezüglich sind bei mir noch zu viele selbst aufgelegte Ängste und Konstrukte präsent. Aber auch das will noch inkludiert und transformiert werden.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Mischa Gohlke: Viele Menschen haben mich inspiriert und das hört ja auch nie auf. Spontan fällt mir vor allem die Gitarrenlegende Stevie Ray Vaughan ein. Als ich ihn mit 15, 16 Jahren das erste Mal gehört habe, spürte ich sofort eine tiefe Verbindung und Liebe zu seiner Musik. Daraufhin musste ich einfach mit dem Gitarre spielen anfangen.

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte/r zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Mischa Gohlke: Zusammen mit einem dynamischen kompetenzübergreifenden Team würde ich eine umfangreiche Kampagne starten, dass wir ALLE "menschbehindert" sind. Damit verbunden würden wir das Amt des Bundesbehindertenbeauftragten auflösen und eine zeitgemäße Organisation im Sinne einer "Inklusions-Community Deutschland" ins Leben rufen.
Aktuell wird Inklusion zumeist auf die "Integration" von Menschen mit (formal anerkannter) Behinderung runter gebrochen, für einseitige separierende Interessen von Lobbygruppen aus der Behindertenszene, Wirtschaft und Politik genutzt und in der öffentlichen Debatte symptom-orientiert ausgetragen. Dabei kann, will und muss Inklusion wesentlich mehr sein! Wir ALLE sind behindert, egal ob körperlich, geistig, mental, sozial, emotional und finanziell. Dazu ist Inklusion keine Spezialkonvention, sondern die Konkretisierung der universalen Menschenrechte. Im Sinne eines ganzheitlichen Inklusionsverständnisses umfasst Inklusion alle Aspekte, die das Leben in einer komplexen heterogenen Gesellschaft ausmachen: soziale, bildungspolitische, wirtschaftliche, konsumelle, ökologische, kulturelle, spirituelle, dezentrale, globale, persönliche, zwischenmenschliche und kollektive Themenbereiche können nicht mehr getrennt voneinander, sondern müssen – in Beziehung zueinander stehend – als Ganzes wahrgenommen (und angenommen) werden. Auf in ein neues Paradigma!
Foto: Mischa Gohlke spielt auf einer Bühne E-Gitarre; © Stephan Olbrich

Schon als Jugendlicher begann Mischa Gohlke sich für das Gitarre spielen zu begeistern. Diese Leidenschaft hält bis heute an; © Stephan Olbrich

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Mischa Gohlke: Puh, schwierige Frage. An sich müssten es ja mehrere Personen verschiedensten Alters sein. Spontan denke ich an einen guten alten Freund von mir namens Daniel Steffe. Als "Seelenbruder" würde er es rocken.

Ich wäre gern einmal …

Mischa Gohlke: ein Außerirdischer!

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Mischa Gohlke: Fragen sind die essenziellsten Antworten. Warum eigentlich brauchen wir Menschen so oft kausal verknüpfbare Antworten?! Wenn man sich zum Beispiel mit Quantenphysik und Bewusstseinsforschung beschäftigt, dann kann es wesentlich interessanter sein, Fragen zu stellen und so dem Mysterium des Lebens aus dem Hier und Jetzt heraus immer wieder aufs Neue zu begegnen. Wenn wir uns nicht mit bestimmten scheinbaren Realitäten identifizieren, sondern möglichst wertfrei ergebnisoffen und fragend das Sein (er)forschen, dann kann es eine sehr zielführende Freiheit sein.

Was ich noch sagen wollte ...

Mischa Gohlke: Inklusion umfasst alle Facetten des Seins, auch wenn wir Menschen diese nur begrenzt erfassen können. Zu Ende gedachte und gelebte Inklusion kollidiert mit unserem stark neoliberal geprägten Gesellschaftsmodell. Inklusion ist (auch) (R)evolution!