So tickt Oliver Straub!

Vom Bodensee nach Berlin – das ist sein Ziel. Um auf das Bundesteilhabegesetz aufmerksam zu machen, wird Oliver Straub im Sommer genau diese Strecke mit seinem Elektrorollstuhl zurücklegen. Warum ihm diese Tour und seine Unabhängigkeit so wichtig sind und welche Rolle unter anderem seine persönlichen Assistenten dabei spielen, erzählt er auf REHACARE.de.

27.05.2015

Foto: Oliver Straub; Copyright: privat

Oliver Straub; © privat

Name: Oliver Straub
Alter: 32
Wohnort: Friedrichshafen
Beruf: Künstler und Freigeist mit ehrenamtlichem Engagement
Behinderung: Bei einem Köpfer vor zwölf Jahren ins flache Wasser habe ich mir eine Querschnittslähmung im Halswirbelbereich zugezogen. Durch den Bruch des fünften und sechsten Halswirbels sind auch meine Arme von der Lähmung beeinträchtigt, die ich nur sehr eingeschränkt bewegen kann, weshalb ich auch auf einen Elektrorollstuhl angewiesen bin. Um selbstständig leben zu können, habe ich rund um die Uhr Assistenten bei mir Zuhause. Sie helfen mir bei der Pflege, übernehmen die Hausarbeiten, sind meine Hände und Füße beim Kochen und künstlerischen Arbeiten, begleiten mich vor die Tür und auf Reisen und ermöglichen mir somit ein selbstbestimmtes, lebenswertes Leben.

Mehr über Oliver Straub und seine geplante Tour unter: www.ichnehmteil.de
Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Oliver Straub: Ich mache oft Blödsinn und Witze mit meinen Assistenten. Da auch welche aus anderen Ländern bei mir arbeiten, kommt es beim kulturellen Austausch in Englisch oft zu witzigen Sprüchen und Situationen, wo ich mich manchmal vor Lachen kugeln könnte.

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Oliver Straub: Eine Weltreise wäre mein absoluter Traum, doch es fehlt mir dafür nicht an Mut, sondern das nötige Kleingeld. Aber vielleicht wird es ja noch was mit einer Tour around the world – mit dem Elektrorollstuhl 500 Kilometer auf fünf Kontinenten. Mal sehen, was die Zukunft bringt, man soll immer groß denken, um etwas zu bewegen.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Oliver Straub: Ich würde sagen mein Vater: Obwohl nicht alles gut war, hat er mir doch viel beigebracht und ich hatte als Kind sehr viele Freiheiten, um mich zu entfalten. Nach meinem Unfall hat mich ein Freund im Krankenhaus sehr beeinflusst. Damals wohnte ich noch bei meinen Eltern, die sich um mich gekümmert haben. Ohne Assistenz, bestand vier Jahre lang mein ganzer Tagesablauf darin, mich vor dem Computer zu beschäftigen. Als ich 2008 im Krankenhaus den Ufuk kennen gelernt habe, der dort Assistenz hatte und nicht der Willkür und der Zeitnot von den Pflegern ausgesetzt war, wusste ich, dass ich auch Assistenz brauche, um meine Freiheit zurück zu bekommen. 2008 war auch das Jahr, wo das Persönliche Budget eingeführt wurde und Ufuk hat mir erklärt, wo ich es beantragen kann und wo ich Hilfe und Informationen dazu finde. Seit dem 01.01.2009 lebe ich wieder in einer eigenen Wohnung, gehe raus, mache Urlaub, besuche Schulen für Heilerziehungspflege und spreche vor den Schülern über das Persönliche Budget, berate andere in meiner Situation, und durfte bis jetzt schon viel Schönes erleben.

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte/r zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Oliver Straub: Leider hat man als  Bundesbehindertenbeauftragte/r nicht die Macht Gesetze zu beschließen, doch ich würde mich für eine sofortige Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes stark machen, so wie es die Behindertenverbände und Organisationen fordern. Aber man muss kein Bundesbehindertenbeauftragter sein, um sich dafür stark zu machen. Deshalb starte ich im August meine Tour mit dem Elektrorollstuhl vom Bodensee nach Berlin, um für eine gerechte Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes zu werben. Ein wichtiges Anliegen ist mir dabei ein einkommens - und vermögensunabhängiges Teilhabegesetz, um Menschen wie mich, die wegen ihrer Behinderung auf Assistenz angewiesen sind, aus der Sozialhilfe zu holen.
Foto: Oliver Straub beim Fallschirmspringen; Copyright: privat

Ob in der Luft oder auf dem Boden - seine Freiheit ist Oliver Straub wichtig; © privat

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Oliver Straub: Der beste Protagonist ist man wohl selbst, doch da mir die schauspielerischen Fähigkeiten fehlen, würde ich mich gerne von Robert Gwisdek, bekannt auch als Käpt'n Peng, verkörpern lassen. In dem Film "Renn wenn du kannst" hat er so überzeugend ein Tetraplegiker wie mich gespielt,  dass ich bis zum Schluss dachte, er wäre wirklich ein Rollifahrer. Diesen Film kann ich nur sehr empfehlen.

Ich wäre gern einmal …

Oliver Straub: ... ein Condor, der auf der Thermik durch die Anden über Machu Picchu segelt.

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Oliver Straub: Gibt es Leben auf anderen Planeten? Was steckt hinter den vielen unerklärlichen UFO-Sichtungen? Was war vor dem Urknall? Auf viele solche Fragen hätte ich gerne eine Antwort.

Was ich noch sagen wollte ...

Oliver Straub: Am 20. August starte ich meine Tour durch zehn Städte für ein gerechtes Bundesteilhabegesetz mit dem Elektrorollstuhl vom Bodensee nach Berlin. Solltet ihr in einer dieser Städte oder Umgebung wohnen, und ihr habt Interesse daran mich bei kleinen Aktionen zu unterstützen, oder ihr wollt mich für ein Stück auf meiner Tour begleiten, dann klickt euch auf meine Seite rein, informiert euch und schreibt mir. Für meine Tour suche ich auch noch Sponsoren.