So tickt Petra Ulbrich!

Petra Ulbrich möchte, dass alle Menschen gut miteinander umgehen. Und wenn das im Großen nicht klappt, dann wünscht sie sich das wenigstens in ihrem kleinen familiären Umfeld – zum Beispiel im Umgang mit ihren Kindern. Was sie durch die beiden gelernt hat und welche gemeinsamen Situationen sie zum Lachen bringen, erzählt sie auf REHACARE.de.

23.03.2016

Foto: Petra Ulbrich; Copyright: privat

Petra Ulbrich; © privat

Name: Petra Ulbrich
Alter: 60
Wohnort: Flein bei Heilbronn. Ich nenne es, den wilden Süden – abgeleitet von dem Radiosender SWR3.
Beruf: Hausfrau, Mutter, Dichterin, Grafikerin, Erzieherin und Pflegekraft und Freundin der Junioren und anderer Menschen
Behinderung: Meine beiden Junioren sitzen auf dem Rollstuhl, sind kleinwüchsig mit Glasknochen und – wie man landläufig so nett sagt – kognitiv eingeschränkt. Ich bin selber Asperger-Autistin und ecke oft mit meiner schonungslosen direkten Art an.
Mehr über und von Petra Ulbrich unter: www.voller-worte.de/blog
Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Petra Ulbrich:
Gestern beim "Mensch-ärgere-dich-nicht"-spielen. Es macht einen unbändigen Spaß mit Carsten und Wiebke 'rausschmeißen' zu spielen. Da kann es schon vorkommen, dass wir Tränen lachen. Besonders, wenn der Kerle anfängt: "Na warte, gleich bist du dran!" zu sagen. Die Situationskomik ist schlecht in Worte zu fassen, man muss es erleben mit welcher Freude wir zusammen spielen.
 
Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Petra Ulbrich: Tango tanzen! Allerdings habe ich kein gutes Körpergefühl und man sagt mir nach, ich wäre nicht sehr einfühlsam – das möchte ich aber vehement bestreiten.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Petra Ulbrich: Nicht ein Mensch, sondern zwei! Meine Kinder, weil sie mir aufgezeigt haben, dass man mit einer Behinderung ein zufriedenes Leben leben kann.


Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte/r zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Petra Ulbrich:
Huch, ist das eine schwere Frage! Was kann ich denn erreichen als Bundesbehindertenbeauftragte? Nicht viel! Ich kann appellieren, dass alle Belange der behinderten Menschen ernst genommen werden und nicht gleich von vornherein als "unmachbar" weggewischt werden.
Foto: Zwei Jugendliche im Rollstuhl; Copyright: privat

"Junioren" - so nennt Petra Ulbrich liebevoll ihre beiden Kinder; © privat

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Petra Ulbrich:
Ich habe keine bestimmte Person im Auge – am liebsten würde ich es selber machen, weil ich alles er- und durchlebt habe. Es wird so authentischer.

Ich wäre gern einmal …

Petra Ulbrich: alt und zufrieden – in späteren Jahren.

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Petra Ulbrich:
Warum wird mit behinderten Menschen auf dem Rollstuhl – explizit, meinen Junioren – nicht direkt gesprochen?

Was ich noch sagen wollte ...

Petra Ulbrich:
Nehmt andere Menschen – und seien sie noch so seltsam – als Menschen wahr und nicht als Dinge! Redet mit ihnen, lasst uns miteinander reden. Sei es mit Händen und Füßen, mit den Augen oder mit dem Mund. Nur wenn wir uns austauschen, können wir einander verstehen lernen und erkennen, dass nicht jeder so sein muss wie ich es bin.