So tickt Petra Wontorra!

03.08.2016

Für Petra Wontorra ist eines besonders wichtig: Deutschland braucht dringend ein gutes Bundesteilhabegesetz und muss Barrieren, die oft in den Köpfen sind, abbauen. Jeder Mensch soll in allen Lebensbereichen gleichberechtigt mitmischen dürfen. Welche Frage sie gerne beantwortet hätte und welche Rolle dabei ein Joghurt spielt, verrät sie uns auf REHACARE.de.
Bild: Petra Wontorra sitzt am Schreibtisch und lächelt in die Kamera; Copyright: Tom Figiel

© Tom Figiel

Name: Petra Wontorra
Alter: 57
Wohnort: Norddeutschland
Beruf: Werbekauffrau, Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen
Behinderung: Behindertenpolitisches Engagement, die Bestellung 2015 zur Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen und die eigene Betroffenheit als krafteingeschränkte Rollstuhlnutzerin
Mehr über Petra Wontorra unter: www.behindertenbeauftragter-niedersachsen.de

Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Petra Wontorra: Als ich übermütig getanzt habe und richtig Spaß dabei hatte, wie ich mit dem Rolli auf der Tanzfläche herumwirbelte. Und ich kann jede Woche erneut wieder dabei herzhaft lachen und Spaß haben.

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Petra Wontorra: Eine Ballonfahrt möchte ich schon lange gerne machen. Oder einen Fallschirmsprung. Ich weiß aber nicht, ob ich wirklich abspringen würde.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Petra Wontorra: Es sind immer wieder verschiedene Personen, die mich inspirieren. Mein verstorbener Mann auf jeden Fall, der mit mir durch dick und dünn gegangen ist. Der mich gestärkt hat und meinen Anspruch auf eigene Selbstständigkeit mit meinen spät erworbenen Beeinträchtigungen immer als selbstverständlich gesehen hat. Auch meine beiden Kinder, auf die ich sehr stolz bin, haben einen positiven Einfluss auf mein Leben. Genauso wie langjährige Freundschaften mit intensiven Gesprächen, manchmal bestärkend, motivierend oder auch mal auffangend.

Und dann sind es immer wieder andere, die mich ein Stück des Weges begleiten, die neue Wege und Horizonte aufzeigen. Mal sind es echte Begegnungen, mal sind es Künstler, wie Frieda Kahlo, dann ist es ein Buch oder ein Film, woraus neue Ideen entstehen oder die für mich wegweisend werden.

Sie haben die Chance, Bundesbehindertenbeauftragte zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Petra Wontorra: 
Ich würde Herrn Schäuble und alle Bundestagsabgeordneten ebenso auffordern, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, damit das Bundesteilhabegesetz doch noch zu einem echten Teilhabegesetz für Menschen mit Behinderungen wird. Der Schritt von der Fürsorge zur wirksamen Teilhabe muss jetzt gemacht werden. Aber auch, dass sie sich dazu bekennen sollten, dass es auf keinen Fall irgendwann "Leistungen nach Postleitzahl" geben wird. - Also bitte Deutschland, mache deinen Job!

Bild: Petra Wontorra tanzt mit einem Mann; Copyright: privat

Petra Wontorra findet: "Alle haben die gleichen Rechte. Das gilt auch für Menschen mit Behinderungen. Die UN-Behindertenrechtskonvention hat die Rechte behinderter Menschen gestärkt: Für jeden soll die volle gleichberechtigte Partizipation in allen Lebensbereichen möglich sein"; © privat

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Petra Wontorra: Caroline Peters, auch wenn wir uns überhaupt nicht ähnlich sehen. In ihrer Serienrolle geht sie mit humoristischen Elementen den Dingen auf die Spur. Sie könnte das bestimmt wunderbar unverkrampft machen.

Ich wäre gern einmal...

Petra Wontorra: In meinem Träumen kann ich fast alles sein und ich bewahre mir das Träumen. Irgendwer sagte einmal zu mir, es sei das Glück der Kinder, dass sie sich noch alles vorstellen können, ob sie Astronautin, Lehrerin, Model, Ärztin, Entdeckerin, Tänzerin oder etwas Anderes werden, wenn sie älter werden. Die Möglichkeiten würden im zunehmenden Alter geringer werden. Das nehme ich nicht hin und insofern fühle ich mich zumindest in meinen Träumen als Mensch mit allen Möglichkeiten.

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Petra Wontorra: Mag ein blinder Mensch nicht vielleicht genauso gerne Joghurt – zumindest in der Werbung – essen wie andere Menschen auch? Und warum beschriftet man Orte, dass sie barrierefrei sind? Wäre es nicht klüger zu schreiben, dass es Barrieren gibt und beschreibt, welche Barrieren es gibt?

Warum müssen Menschen mit Behinderungen oft sehr intim, in der meist durch Therapien etc. verbleibenden geringeren Tageszeit, so viel zusätzliche Zeit mit „nachweisen und vortanzen“ verbringen? Und warum geht so viel Geld in die Prüfung und Ablehnung von Anträgen, statt dass Notwendiges bei den Menschen mit Beeinträchtigungen ankommt?

Was ich noch sagen wollte ...

Petra Wontorra: Ich wünsche mir, dass Menschen mit Behinderungen in der Öffentlichkeit nicht immer nur als Helden oder als Opfer dargestellt werden. Sie sind genauso vielfältig wie alle anderen Menschen auch.