So tickt Tabea Hosche!

14.12.2016

Tabea Hosche ist Journalistin und Filmemacherin. Doch ihr Fokus liegt keinesfalls auf Hollywood, sondern auf Menschen mit Behinderung. Sie möchte über Menschen berichten, so wie sie sind – nicht mitleidig, nicht heroisierend, nicht nur mit Blick auf die Behinderung und deren Folgen. Warum sie für eine Woche gerne mal in den Körper ihrer Tochter schlüpfen würde, verrät sie auf REHACARE.de.

Foto: Tabea Hosche; Copyright: Britt Schilling

© Britt Schilling

Name: Tabea Hosche
Alter: 38
Wohnort: Berlin
Beruf: Journalistin und Filmemacherin
Bezug zum Thema Behinderung: Meine ältere Tochter Uma ist mit einem seltenen genetischen Defekt zur Welt gekommen und dadurch schwerbehindert.
Mehr von und über Tabea Hosche unter: www.tabea-hosche.de

Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Tabea Hosche: Richtig herzhaft gelacht habe ich, als unsere jüngere gesunde Tochter Gästen erzählte, dass ich in einem anderen Land zur Welt gekommen bin – sie meint damit die DDR – und am Ende noch mit ernsthaftem Entsetzen anfügte: "Da konnte Mama keine Kokosnüsse essen!" Wenn dies das einzige Problem in diesem Land gewesen wäre...

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Tabea Hosche: Eine Weltreise mit den beiden Kindern und meinem Mann machen. Für längere Zeit einfach mal aussteigen aus dem Alltagsleben und was ganz Neues ausprobieren, das reizt mich sehr. Wir besprechen es immer mal, aber bisher ist es ein Traum geblieben, weil das so viel Organisation bedeuten würde und ich als Freiberuflerin auch beruflich am Ball bleiben will. Aber wer weiß, vielleicht ist die Zeit irgendwann reif.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Tabea Hosche: Uff, schwere Frage: meine Eltern. Ich bin in einem Pastorenhaus groß geworden, ihre christliche Erziehung hat mich sehr geprägt.

Mein alter Deutschlehrer Gerd Franken – ohne ihn wäre ich wahrscheinlich nicht Filmemacherin geworden. Er hat mich Kleinstadtmädel zum ersten Mal in ein Kölner Programm-Kino geschickt.

Natürlich mein Mann und meine beiden Kinder, die mein Leben umgekrempelt haben und heute die wichtigsten Menschen für mich sind.

Foto: Tabea Hosche und eine Kamerafrau; Copyright: Lutz Brée

Ein Foto aus dem Arbeitsalltag als Filmemacherin und Fernsehjournalistin; © Lutz Brée

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Tabea Hosche: 
Ich würde dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderung viel, viel weniger Anträge ausfüllen und Behördengänge erledigen müssen. Es ist teilweise schon richtig absurd, wie oft unsere Tochter untersucht werden muss, nur damit jeder Amtsarzt einzeln feststellen kann, dass sie tatsächlich behindert ist. Da wünschte ich mir eine bessere Vernetzung der einzelnen Behörden, denn es ist ja nicht nur für uns als Eltern viel Zeit, die für solche Termine draufgeht, sondern für Uma auch demütigend, wie ich finde, wenn sie immer wieder "getestet" und untersucht wird.

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Tabea Hosche: Ich mag Sophie Rois sehr gerne, weil sie so eine Stärke und Frechheit ausstrahlt. Die wünschte ich mir oft auch.

Foto: Tabea Hosche und ihre Tochter Uma im Krankenbett; Copyright: Kirsten Kofahl

Uma hat unter anderem Epilepsie und muss deshalb regelmäßig im Krankenhaus untersucht werden; © Kirsten Kofahl

Ich wäre gern einmal...

Tabea Hosche: … für eine Woche meine Tochter Uma und würde die Welt gerne einmal aus ihren Augen sehen. Was denkt sie, wenn wir sie mal wieder nicht verstehen? Wie empfindet sie die Therapien? Wie schaut sie auf ihre kleine Schwester? Wie hört sie durch die Hörgeräte und wie ist es für sie, wenn sie einen epileptischen Anfall hat? Das wäre für mich wahnsinnig spannend und sicher enorm erkenntnisreich. 

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Tabea Hosche: Ich würde sehr gerne erfahren, wann ganz genau und wenn möglich auch warum der genetische Defekt meiner Tochter entstanden ist. Dieser Defekt ist so abstrakt für mich und ich würde gerne mehr darüber erfahren.

Was ich noch sagen wollte ...

Tabea Hosche: Ich wollte gerne noch sagen, dass ich einen Film über unser Familienleben mit Umas Behinderung gedreht habe. "Uma und ich – Glück, Schmerz und Behinderung" lief in diesem Sommer im WDR in der Sendereihe "Menschen hautnah" und ist noch bis Sommer 2017 in der Mediathek der ARD und des WDR zu sehen. Hier der Link: ardmediathek.de