So tickt Tina Paulick!

21.12.2016

Mit einer Sehbehinderung im Ausland zu studieren, braucht zwar mehr Vorbereitung, aber es lohnt sich: Tina Paulick ist seit Oktober in Irland und bloggt über ihre Erfahrungen auf der Insel. Sie wünscht sich mehr Barrierefreiheit im Internet und erklärt, dass das Leben nicht durch eine Behinderung bestimmt wird. Warum sie gerne ihr Hund wäre und was ihr sonst wichtig ist, verrät sie auf REHACARE.de.

 

Foto: Tina Paulick; Copyright: Silke Paulick

© Silke Paulick

Name: Tina Paulick
Alter: 24
Wohnort: Galway, Irland
Beruf: Studentin, Bloggerin
Bezug zum Thema Behinderung: Sehbehindert
Mehr über Tina Paulick unter: www.tinafranziskapaulick.wordpress.com

Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht und worüber?

Tina Paulick: Letztes Wochenende, als ich mit einem ebenfalls sehbehinderten Freund am Strand spazieren ging und ein Paar von allen Menschen die dort unterwegs waren ausgerechnet uns gefragt hat, ob wir sie fotografieren. Wir haben es natürlich gemacht, gehofft, dass beide Köpfe auf dem Bild sind und uns anschließend über so viel Zufall amüsiert.

Was wollten Sie schon immer einmal machen und warum haben Sie sich bisher nicht getraut?

Tina Paulick: Alleine ohne großartige Vorausplanung irgendwo hinfahren und sei es nur für ein Wochenende in eine fremde Stadt. Ich studiere zwar im Ausland, aber dafür habe ich vorher viel recherchiert und Kontakte geknüpft. Ich wäre gerne spontaner und abenteuerlustiger.

Welcher Mensch hat Sie bisher am meisten beeinflusst? Und warum?

Tina Paulick: Seitdem ich blogge, bin ich auf viele tolle Webseiten von behinderten Menschen gestoßen, die mich immer wieder beeindrucken und ermutigen. Frauen und Männer in allen Altersgruppen, die nicht nur ehrlich über ihre Behinderungen schreiben, sondern auch andere Interessen haben wie Fotografie, Reisen, Kochen, Kunst, Mode und vieles Mehr. Ich versuche erst gar nicht sie alle aufzuzählen, da ich niemanden vergessen möchte. Ich finde es wichtig der Öffentlichkeit zu zeigen, dass unser Leben nicht nur durch die jeweilige Behinderung bestimmt wird.

Foto: Tina Paulick; Copyright: Cormac McMahon

Seit Oktober 2016 studiert Tina Paulick in Galway, Irland; © Cormac McMahon

Sie haben die Chance Bundesbehindertenbeauftragte zu werden. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Tina Paulick:
Ich würde mich für mehr Barrierefreiheit im Internet einsetzen. Besonders Webseiten von staatlichen Organisationen und Vereinen und Stiftungen, die sich an Menschen mit Behinderungen richten, müssten barrierefrei gestaltet sein. Für Menschen mit Sehbehinderungen bedeutet das zum Beispiel einstellbare Farbkontraste und Schriftgrößen, Textbeschriftungen von Schaltflächen und Bildern und übersichtliche, mit Tastatur navigierbare Strukturen. Im nächsten Schritt wären dann Online-Shopping-Anbieter und die Medien an der Reihe.

Ihr Leben wird verfilmt: Wer würde Sie verkörpern und warum gerade diese Person?

Tina Paulick: Ich gehe gerne ins Kino, besonders seit es mehr Angebote mit Audiodeskription gibt. Allerdings erkenne ich Schauspieler_Innen oft nicht wieder, mich interessieren eher die Filmcharaktere. Generell würde ich gerne mehr Schauspieler_Innen mit Behinderungen in großen Kinoproduktionen sehen, also warum nicht auch jemanden mit einer Sehbehinderung. Das wäre zumindest authentisch. Wobei die Rolle nicht auf die Behinderung reduziert werden sollte.

Ich wäre gern einmal...

Tina Paulick: Mixer, mein Jack Russell Terrier. Seit wir ihn aus dem Tierheim geholt haben, hat er ein sorgenfreies Leben: Jeden Tag Spaziergänge, gutes Futter und Streicheleinheiten. Was will man mehr?

Auf welche Fragen wünschen Sie sich eine Antwort?

Tina Paulick: Ich glaube nicht, dass ich glücklicher wäre, wenn ich Antworten auf die großen Fragen des Lebens hätte. Besonders nicht darauf warum es Unglück und Ungerechtigkeit gibt. Was bringt eine Antwort, wenn man den Umstand nicht ändern kann?! Ich versuche nicht über das große Ganze nachzudenken, sondern Kleinigkeiten, die mich stören, zu ändern und die schönen Dinge zu genießen. Das ist oft einfacher gesagt als getan, aber immerhin ein guter Vorsatz.