Sportabzeichen-Tour in Kiel stand im Zeichen der Inklusion

07.07.2014
Foto: Markus Rehm beim Sprint mit Kindern

Auch Markus Rehm machte sich bei der Sportabzeichen-Tour in Kiel vor Ort für Inklusion im Sport stark; © Meike Engels/Wirkhaus

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat das Ziel, den Inklusionsgedanken auch bei den Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen stärker in den Mittelpunkt zu rücken. In enger Zusammenarbeit mit dem Kieler Sportwissenschaftler und Experten im Bereich der Inklusions- und Behindertenarbeit, Manfred Wegner, ist deshalb für die Sportabzeichen-Tour in Kiel ein eigenes Konzept entwickelt worden, das bei der Veranstaltung überprüft wurde und später interessierten Vereinen und Verbänden im organisierten Sport zur Verfügung gestellt werden soll.

"Der DOSB hat in enger Kooperation mit den Verbändegruppen und den Behindertensportverbänden ein Positionspapier zur Inklusion entwickelt und im Dezember 2013 verabschiedet. Damit soll eine systematische und qualitätsorientierte Weiterentwicklung der Angebote und Strukturen in den Sportverbänden angeregt werden. Teilhabe für alle gilt es auch beim Sportabzeichen umzusetzen. Kiel war dafür ein hervorragender Auftakt", sagte DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melchers in Kiel.

Der Präsident des Landessportverbandes Schleswig-Holstein, Hans-Jakob Tiessen erklärte: "Zur großen Sportfamilie gehören auch Menschen, die oftmals am Rande des sportlichen Geschehens stehen: Kinder, Erwachsene und Ältere mit körperlichen und geistigen Handicaps. Wir konnten hier in Kiel erleben, wie rund 1.800 Sportbegeisterte aus ganz Schleswig-Holstein gemeinsam fröhlich Sport getrieben haben und wie einfach es manchmal sein kann, Berührungsängste und gedankliche Barrieren abzubauen."

Bei dem inklusiven Ansatz steht das Miteinander und nicht das Nebeneinander im Fokus: "Wir haben bei der Veranstaltung hier in Kiel getestet, wie es möglich ist, dass Sportler mit und ohne Handicap die Prüfung am gleichen Ort, zur selben Zeit und unter den geforderten Abnahmebedingungen machen können", erklärte Manfred Wegner.

Der DOSB wird diesen Ansatz in enger Kooperation mit den Behindertensportverbänden (Deutscher Behindertensportverband - DBS, Special Olympics Deutschland - SOD, Deutscher Gehörlosen Sportverband - DGS) für die Sportabzeichen-Tour in einem auf drei Jahre angelegten Projekt überprüfen, das von der Aktion Mensch e.V. finanziell gefördert wird. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Voraussetzungen bei Veranstaltungen im Rahmen der Tour geschaffen werden müssen, um Menschen mit und ohne Behinderung das gemeinsame Trainieren und Ablegen der Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen zu ermöglichen.

Auch DBS und SOD hoffen, dass inklusive Sportangebote durch die Sportabzeichen-Tour in Kiel neue Impulse erhalten. "Unser Ziel ist es, dass die Teilnahme von Menschen mit Behinderung an der DOSB-Sportabzeichen-Tour eine Selbstverständlichkeit wird. Wir als Fachverband für das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung im DOSB können dabei als kompetenter Partner zur Verfügung stehen und zum Beispiel qualifizierte Prüfer mit Prüflizenz für die Abnahme des Deutschen Sportabzeichens für Menschen mit Behinderung bereitstellen", betonte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher.

Der Präsident von Special Olympics Deutschland, Gernot Mittler, appellierte bereits im Vorfeld der Veranstaltung an die Sportvereine: "Wichtig sind hier der regelmäßige Austausch untereinander und der Blick auf die Basis, also die Orte, an denen Menschen Sport treiben. Hier gilt es insbesondere, Fortbildungsangebote für die Vereine zu schaffen, und dort Barrieren, auch Ängste im Umfang mit behinderten, insbesondere mit geistig behinderten Menschen, abzubauen. Denn eines ist klar: Ohne die Sportvereine, ohne ihre Bereitschaft, sportliche Angebote für Menschen mit Behinderung zu schaffen, wird Inklusion nicht gelingen."

Während das Deutsche Sportabzeichen im vergangenen Jahr seinen 100. Geburtstag feiern konnte, gibt es das Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung seit 1990. Im Jahr 2000 wurde das Angebot um spezifische Anforderungen für Menschen mit geistiger Behinderung erweitert.

Die Sportabzeichen-Tour ist nach der erfolgreichen Premiere am 16. Juni in Mühlhausen (Thüringen) noch bis zum großen Finale in Duisburg am 13. September quer durch Deutschland unterwegs. Neben den klassischen Tourstopps in Stadien und auf Sportplätzen stehen auch dieses Jahr wieder einige Sonderevents auf dem Programm, um auch außerhalb der traditionellen Sportstätten bei Groß und Klein Interesse für das Deutsche Sportabzeichen zu wecken.

Die weiteren Tourstopps 2014 im Überblick:
11. Juli, Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt)
15. Juli, Freital (Sachsen)
25. Juli, Regensburg (Bayern)
04. August, Langeoog und Norderney (Niedersachsen)
05. September, Falkensee (Brandenburg)
13. September, Duisburg (Nordrhein-Westfalen)

REHACARE.de; Quelle: Deutscher Olympischer SportBund (DOSB)

Mehr über den Deutschen Olympischen SportBund (DOSB) unter: www.dosb.de