Sportliche Wettkämpfe für alle Menschen mit Behinderung

01.06.2016

Sportveranstaltungen wie die Paralympics, Deaflympics oder Special Olympics wurden namentlich an die Olympischen Spiele angelehnt. Doch stehen sie alle am Ende trotzdem in ihrem Schatten. Grund genug, diesen sportlichen Wettkämpfen für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen einmal etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Foto: Sportler beim Gewichtheben bei den Special Olympics; Copyright: SOD/Andreas Bister

Die Special Olympics Deutschland fanden 2014 in Düsseldorf statt. Hier ist gerade Konstantin Rau zu sehen. 2016 wird Hannover Gastgeber für die Spiele sein; © SOD/Andreas Bister

Alles begann mit kriegsversehrten britischen Soldaten im Jahre 1948, die bei den ersten "Stoke Mandeville Games" in sportlichen Wettkämpfen gegeneinander antraten. Zwölf Jahre später fanden dann die ersten offiziellen Paralympics in Rom, Italien, statt. Hier nahmen insgesamt 400 Athleten aus 21 Nationen teil. In Schweden wurden 1976 die ersten Paralympischen Winterspiele ausgerichtet. Inzwischen wechseln sich die Sommer- und Winterspiele alle zwei Jahre ab. 2014 wurden die Winter-Paralympics in Russland ausgetragen, die Sommerspiele finden in diesem Jahr in Rio de Janeiro/Südamerika statt. Wurde anfangs noch von "Weltspielen der Gelähmten", "Olympiade für Behinderte" oder "Weltspielen der Behinderten" gesprochen, so wurde seit 1988 in Seoul, Korea offiziell der Name "Paralympics" verwendet.

Während die Athletinnen und Athleten bei den "Stoke Mandeville Games" lediglich im Bogenschießen gegeneinander antraten, messen sich die Sportlerinnen und Sportler in diesem Jahr bereits in 22 Disziplinen, zwei mehr noch als in London 2012. Rollstuhltennis feiert in diesem Jahr sogar 40-jähriges Jubiläum als paralympische Sportart. Segeln hingegen wird bei den kommenden Spielen 2020 in Tokio keine mehr sein.

Mehr als Paralympics

Doch auch wenn die Paralympics die bekanntesten sportlichen Wettkämpfe für Menschen mit körperlichen Behinderungen sind, gibt es auch noch andere Veranstaltungen, die oft in Vergessenheit geraten.

1968 rief Eunice Kennedy-Shriver, Schwester von US-Präsident John F. Kennedy, die Special Olympics für Menschen mit sogenannten Lernschwierigkeiten (auch "geistige Behinderung" genannt) ins Leben. Es ist die einzige Organisation, die "Olympics" in ihrem Namen tragen darf – offiziell anerkannt vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Sportarten wie Fußball, Radfahren und Rollerskaten gehören zu den insgesamt 27 offiziellen Disziplinen. Neben den internationalen Spielen, den Special Olympic World Games, finden regelmäßig auch die Special Olympic National Games in Deutschland statt. In diesem Jahr treten etwa 4.800 Athletinnen und Athleten vom 6. bis 10. Juni in Hannover in 18 Sportarten gegeneinander an. Neben den Wettkämpfen, in denen es um Medaillen geht, gibt es außerdem ein wettbewerbsfreies Angebot. Zusätzlich wurde das Konzept des Unified Sports entwickelt, bei dem Menschen mit und ohne Lernschwierigkeiten im Team gemeinsam trainieren und an gesonderten Wettbewerben teilnehmen.

Die allgemeine mediale Berichterstattung zu den Paralympics ist trotz ihrer Bekanntheit noch lange nicht gleichwertig mit der Aufmerksamkeit für die Olympischen Spiele. Die Special Olympics finden sogar noch weniger Beachtung. Und dann gibt es noch eine Sportveranstaltung, die in den Medien fast gar nicht auftaucht: die Deaflympics. Dabei fanden in Paris, Frankreich, bereits 1924, also über 20 Jahre vor den allerersten Ansätzen zu den Paralympics, die ersten Deaflympics statt – damals noch unter dem Namen "Gehörlosen-Weltspiele". Bei den ersten Spielen nahmen noch 148 Sportlerinnen und Sportler aus neun Nationen teil. Bei den Deaflympics in Taiwan waren es 2009 schon etwa 4.000 Athletinnen und Athleten. Seit 1949 finden die Spiele alle vier Jahre statt. Die Winter- und Sommerspiele wechseln sich alle zwei Jahre ab. Allerdings finden die Deaflympics immer ein Jahr nach den olympischen und paralympischen Wettbewerben statt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat 2001 die Spiele der Gehörlosen anerkannt. Seitdem dürfen sie offiziell den Namen "Deaflympics" tragen.

Foto: Mann im Sportrollstuhl mit Tennisschläger in der Hand; Copyright: panthermedia.net/Nicholas Rjabow

Die Sportart Rollstuhl-Tennis ist in diesem Jahr seit 40 Jahren paralympische Disziplin; © panthermedia.net/Nicholas Rjabow

Nachwuchs fördern

Damit sowohl die Paralympics als auch Special Olympics und Deaflympics weiterhin Bestand haben und künftig noch mehr mediale Aufmerksamkeit und gesellschaftliches Interesse am Leistungssport für Menschen mit Behinderung erzielen können, braucht es stetig talentierten Nachwuchs. Dieser muss gefunden und gefördert werden. Eine Variante dafür ist der Bundeswettbewerb "Jugend trainiert für Paralympics". An diesem Schulmannschaftswettbewerb können sich alle 16 Länder der Bundesrepublik Deutschland beteiligen. Teilnehmen dürfen Mannschaften aus Förderschulen oder aus Integrationsschulen und solchen, die im Rahmen des Inklusionsgedankens arbeiten. Der Wettbewerb wird in verschiedenen Sportarten je nach Förderschwerpunkt ausgetragen: Leichtathletik und Schwimmen sind offen für alle Förderschwerpunkte. Im Tischtennis und Rollstuhlbasketball messen sich alle mit dem Förderschwerpunkt "Körperliche und motorische Entwicklung". Für den Förderschwerpunkt "Sehen" werden Skilanglauf und Goalball angeboten und für den Förderschwerpunkt "Geistige Entwicklung" gibt es die Möglichkeit, im Fußball und Skilanglauf gegeneinander anzutreten.

Nachdem für 2016 das Winterfinale im Skilanglauf und das Frühjahrsfinale im Goalball, Rollstuhlbasketball und Tischtennis bereits stattfanden, steht nun noch das Herbstfinale aus. Vom 18. bis 22. September können sich Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten im Fußball messen. Außerdem finden Wettkämpfe in Leichtathletik und Schwimmen statt. Meldeschluss ist der 29. Juli 2016.

Foto: Nadine Lormis; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann


Nadine Lormis
REHACARE.de

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