Studenten produzieren Audioeinführung für Spielfilme

08.07.2013
Foto: Studierende mit Kopfhörern am PC

Im Medientextlabor produzieren die Studierenden Audioeinführungen, Untertitel und Übersetzungen;
© Julia Moras

Kamerafahrten, Einstellungsgrößen der Gesichter, Lichtverhältnisse – Studierende ermöglichen blinden und sehgeschädigten Menschen, Filme wahrzunehmen.

„Audiodeskriptionen sind eine komplexe Textsorte“, sagt Nathalie Mälzer, die das Projekt an der Uni Hildesheim leitet und eine weitere Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) plant. „Wir wollen Richtlinien entwickeln und die Textproduktion mit qualitativer Forschung verbinden. So wollen wir die Nutzer fragen, was ihnen an der Audioeinführung gefallen hat und was ihnen fehlt.“

„Sie ist Ende vierzig, hat dunkle Augen und ebenmäßige Züge. Ihr gänzlich ungeschminktes Gesicht hat einen ernsten Ausdruck. Das kastanienbraune Haar ist sehr kurz geschnitten. Bekleidet ist sie mit einer schwarzen Stoffhose […]. Ihre Hand hat kurze schmutzige Fingernägel“, verrät die Audioeinführung zum Film „Die Wand“ von Julian Roman Pölsler. Und weiter heißt es: „Die erste Rückblende zeigt die Protagonistin bei frühlingshaftem Wetter auf der Rückbank des roten Mercedes Cabrios ihrer beiden Freunde. Die Frau hat ihr langes, leicht gewelltes Haar am Hinterkopf zusammengesteckt. Sie trägt ein feines weißes Strickkleid, ihre Fingernägel sind rötlich lackiert.“

Diese Einführung für Blinde und Sehgeschädigte haben Studierende des Masterstudiengangs „Medientext und Medienübersetzung“ der Universität Hildesheim verfasst. Sie ist ab sofort in zwei Versionen (gesprochen acht Minuten; als Text zum Nachlesen) online verfügbar. Die Audioeinführung wurde von den britischen Forschern Pablo Romero-Fresco und Louise Fryer auch in englischer Sprache produziert und wurde mit dem Start der DVD „Die Wand“ veröffentlicht.

Für die zwölf beteiligten Studierenden ist die Arbeit besonders spannend, da kaum Normen für die Textform Audioeinführung vorhanden sind und sie viel Verantwortung übernehmen können, sagt Mälzer. „Wir schauen den Film mehrfach gemeinsam an und verteilen dann Aufgaben. Einige sind für die Beschreibung von Filmschnitten, andere für Farb- und Lichtverhältnisse und die Handlung zuständig. Am Ende entsteht ein Text, der gesprochen maximal zehn Minuten lang sein sollte und veröffentlicht wird.“

So beschreiben die Studierenden anschaulich die Drehorte: „Die wichtigsten Schauplätze sind eine einspurige Schotterstraße, die entlang einer schroffen Felswand und eines Sees durch ein schmales Tal führt, eine rustikal eingerichtete Jagdhütte am Waldrand und eine Berghütte auf einer höher gelegenen Alm.“

Ferner finden die Medienübersetzer Worte, um den „langsamen Rhythmus der Bilder“ und die ungewöhnliche Betrachterperspektive zu erklären, die zwischen der Augenhöhe einer Frau und der eines Tieres wechselt. „Bei den Aufnahmen in der Natur wird häufig ein fixer Kamerastandpunkt gewählt, von dem aus der Blick unverwandt auf die Protagonistin fällt oder langsam über das Landschaftspanorama schweift. Die Frau ist dann oft nur als kleine Figur zu sehen, vor dem Hintergrund des Waldes, der Wiesen oder der Berge, bis sie in Nahaufnahme direkt vor dem Betrachter steht.“

Die Textproduktionen und Übersetzungen erfolgen unter anderem im Medientextlabor der Universität Hildesheim. An 40 Computerarbeitsplätzen untertiteln die Masterstudierenden zum Beispiel Filme und entwickeln mediengestützte Unternehmenskommunikation. In Exkursionen besuchen sie Synchronstudios und Fernsehanstalten wie die ARD, um Einblicke zu erhalten, wie Live-Untertitel für Hörgeschädigte hergestellt werden. In Kooperation mit der ARD Text/Das Erste sind für das kommende Semester qualitative Studien von Live-Untertiteln geplant.

REHACARE.de; Quelle: Universität Hildesheim

Mehr über die Universität Hildesheim unter: www.uni-hildesheim.de