Studie beschreibt Schüler mit geistiger Behinderung

Foto: Kinder lernen am runden Tisch 

In der Diskussion um Inklusion geht es verstärkt auch um die Frage, inwieweit Schüler mit geistiger Behinderung an Regelschulen unterrichtet werden können. Aber was sind das eigentlich für Schüler? Dazu liegen nun erstmals repräsentative Daten vor.

Erarbeitet wurden sie von Sonderpädagogen der Universitäten München, Würzburg und Landau. Schulen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sind die jüngste Schulart im deutschen Bildungssystem. Sie haben sich seit den 1970er- Jahren rasch und intensiv entwickelt. Heute werden in ihnen deutschlandweit rund 80.000 Schüler unterrichtet. Zuerst standen in dieser Schulart Aspekte der Alltags- und Lebensbewältigung im Vordergrund. Doch heutzutage hat die Vermittlung komplexer Bildungsinhalte einen genau so großen Stellenwert.

Angesichts der bildungspolitischen Forderung nach einer inklusiven Schule wird diskutiert, wie es um die Eingliederungsfähigkeit geistig behinderter Schüler in Regelschulen bestellt ist. „Dabei ist es wichtig, fundiertes Wissen über die Zielgruppe und ihre Lernausgangslage zu besitzen“, sagt Christoph Ratz vom Institut für Sonderpädagogik der Universität Würzburg. Auf wen muss sich die Pädagogik oder Didaktik einstellen? Was sind das für Schüler, unter welchen Bedingungen wachsen sie auf? Wie lernen sie und wie verhalten sie sich im Unterricht? „Sehr relevante Fragen, die sich aus der bisherigen Literatur aber nur schlaglichtartig beantworten ließen“, so Ratz.

Die Sonderpädagogen haben darum seit 2008 eine Studie durchgeführt. Insgesamt wurden 1.629 Kinder und Jugendliche einbezogen. Die Ergebnisse liegen jetzt als Buch vor. Somit gibt es erstmals aktuelle, repräsentative Daten über Schüler im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Bayern.

Die Studie liefert medizinische, sozio- und bildungsbiografische Hintergründe und enthält weitere unterrichtsrelevante Aspekte. „Für die Planung und Organisation von Förder- und Bildungsprozessen sowohl in Förderschulen als auch inklusiven Klassen sind diese Informationen sehr wichtig“, so die Autoren.

Der Studie zufolge sind an Schulen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung mehr Jungs, mehr Schüler mit Migrationshintergrund und häufiger Kinder aus Familien in schwierigen sozialen Lagen zu finden. Für rund 40 Prozent der Schüler können die Lehrkräfte genaue medizinische Diagnosen über die Art der Behinderung angeben. Down-Syndrom und Autismus werden dabei am häufigsten genannt. Rund 30 Prozent der Kinder haben zusätzlich eine körperliche Behinderung oder eine Sinnesschädigung. Für fast 60 Prozent von ihnen beschreiben die Lehrkräfte einen Pflegebedarf im Lauf eines Schulvormittags.

REHACARE.de; Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

- Mehr über die Julius-Maximilians-Universität Würzburg unter: www.uni-wuerzburg.de