Subjektive Vergesslichkeit als Anzeichen für Alzheimer

Foto: Ergebnisse der fMRT 

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Universitätsklinikums Bonn und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn konnten erstmals nachweisen, dass schon bei nur subjektiv empfundenen Gedächtnisverschlechterungen Veränderungen in einer bestimmten Gehirnstruktur sichtbar sein können.

Die Studie stützt das Modell, dass die subjektive Gedächtnisstörung die erste Manifestation einer Alzheimer-Erkrankung sein kann. Zwar entwickelt nicht jede Person mit subjektiven Gedächtnisstörungen eine Alzheimer-Erkrankung, aber fast jeder Patient mit Alzheimer entwickelt zunächst subjektive Gedächtnisstörungen, die sich bis jetzt nicht objektivieren ließen.

Die Alzheimer-Erkrankung ist die häufigste Ursache der Demenz. Der Schlüssel zur Demenz-Prävention liegt in einer möglichst frühen Diagnose. Seit einigen Jahren ist gesichert, dass bei Personen, die bereits eine leichte objektive Gedächtnisstörung aufweisen, eine beginnende Alzheimer-Erkrankung mittels bildgebender Verfahren und Liquoruntersuchungen feststellbar ist. Noch besser wäre es jedoch, Hinweise auf eine solche Erkrankung in einem noch früheren Stadium festzustellen.

Forscher haben nun einen wichtigen Schritt auf diesem Weg getan: Sie fanden Hinweise auf Hirnfunktionsstörungen schon bei Personen, die lediglich eine subjektive Verschlechterung des Gedächtnisses spüren, ohne dass Minderleistungen in objektiven Verhaltensuntersuchungen schon nachweisbar wären.

Die Forschergruppe konnte mittels funktioneller Kernspintomografie zeigen, dass ältere Personen mit subjektiven Gedächtnisstörungen bereits eine funktionelle Störung im Bereich des Hippokampus aufweisen. Der Hippokampus ist eine Hirnstruktur, die unter anderem für die Gedächtnisbildung zuständig und die bei der Alzheimer-Erkrankung zuerst betroffen ist. Personen mit subjektiven Gedächtnisstörungen zeigten im Experiment eine verminderte Aktivierung des Hippokampus während einer Gedächtnisaufgabe. Gleichzeitig kam es zu einer vermehrten Aktivierung des rechten Frontalhirns.

„Diese frontale Mehraktivierung hat vermutlichen kompensatorischen Charakter“ so Henrik Walter von der Charité Universitätsmedizin. „Sie gleicht das hippokampale Defizit aus, was erklären kann, warum in den Gedächtnistests dieser Gruppe die Leistung nicht schlechter war als in einer altersgleichen Kontrollgruppe ohne subjektive Gedächtnisstörungen“. Frank Jessen von der Universitätsklinik Bonn, sieht für die Zukunft auch eine mögliche klinische Relevanz: „Zumindest sind wir damit unserem Ziel nähergekommen, in Zukunft die bis jetzt rein klinische Frühdiagnostik subjektiver Gedächtnisstörungen bei Verdacht auf Alzheimer-Demenz durch nichtinvasive objektive Hirnuntersuchungen zu unterstützen“.

REHACARE.de; Quelle: Charité Universitätsmedizin Berlin

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