Technikeinsatz in der Altenpflege auf dem Vormarsch

03.09.2014
Foto: Pflegerin mit älterem Mann

Der persönliche Kontakt zwischen Pflegekraft und zu pflegender Person kann allerdings auch nicht durch technische Helfer ersetzt werden; © Mandy Godbehear/panthermedia.net

Der voranschreitende Technikeinsatz in der Pflege ist ein aus dem Krankenhaussektor bereits länger bekanntes Phänomen. Eine nun veröffentlichte internationale Literaturrecherche des iso-Instituts in Saarbrücken hat gezeigt, dass die Technologisierung der Pflegearbeit auch im Bereich der Altenpflege voranschreitet.

Die wichtigsten Praxisfelder des Technikeinsatzes betreffen die EDV-gestützte Dokumentation und Pflegeplanung, die Betreuung von Pflegebedürftigen über Distanzen hinweg (Telecare) sowie perspektivisch der Einsatz von Robotern.

Die Literaturrecherche wurde im Rahmen eines von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschungsprojekts durchgeführt, welches die Auswirkungen des Technikeinsatzes auf die Arbeit der Pflegekräfte untersucht. Dabei wurde die internationale Fachliteratur daraufhin ausgewertet, welche Trends und Erfahrungen für den Technikeinsatz in der Alten- und Langzeitpflege vorliegen. Drei Bereiche konnten identifiziert werden, in denen der forcierte Einsatz moderner Technologien für die Pflegearbeit in Europa, Nordamerika und Australien eine besondere Rolle spielt: Für die Pflegekräfte wandeln sich die Arbeitsanforderungen vor allem durch die Umstellung von papierne auf IT-gestützte Dokumentation und Pflegeplanung. Nach den vorliegenden Erfahrungen verbessern sich dadurch die Vollständigkeit und die Qualität der Pflegedokumentation.

Uneinheitlich wird jedoch die Frage beantwortet, ob sich durch den Computereinsatz nennenswert Zeit in der Pflege einsparen lässt. Zudem verlangt die Umstellung auf EDV in der Dokumentation von den Beschäftigten Kompetenzen in der Beherrschung von Computern und mobilen Endgeräten – dies stellt eine Herausforderung für die Aus- und Weiterbildung in der Pflege dar.

Daneben wird es durch die Entwicklung der Kommunikationstechnik möglich, Patienten und Pflegebedürftige per Videotechnologie auch über Distanzen hinweg zu betreuen. So können biomedizinische Daten "vom Bett aus" an entfernte Stellen übertragen und dort ausgewertet werden; Pflegebedürftige und Angehörige können mittels Telefon- und Videoübertragung durch Fachkräfte angeleitet und beraten werden.

Solche "Telecare"-Projekte gewinnen vor allem in dünn besiedelten Regionen an Bedeutung, in denen Pflegeanbieter und Ärzte nicht überall vor Ort sein können. Sie ermöglichen unter Umständen einen längeren Verbleib in der Häuslichkeit und können Heim- oder Krankenhauseinweisungen vermeiden. Für die hier eingesetzten Pflegekräfte wandelt sich jedoch die Arbeit: Die unmittelbare pflegerische Interaktion mit dem Menschen verliert an Bedeutung und es stellt sich die Frage, in welchem Maße der direkte persönliche Kontakt in der Pflege durch Telekommunikation tatsächlich ersetzbar ist.

Schließlich wird der internationale Diskurs wesentlich durch die Debatten um den Robotereinsatz in der Pflege bestimmt. Technisch ist es möglich, Service- und Pflegeroboter einzusetzen, die – vor allem in der stationären Pflege – alltagsunterstützende oder auch direkte pflegerische Leistungen erbringen. Angesichts der nicht nur in Deutschland, sondern auch international bestehenden Fachkräfteknappheit in der Pflege wird für den Einsatz von Robotern einerseits ein großer Wachstumsmarkt vermutet.

Andererseits muss der Robotereinsatz sowohl von den Pflegebedürftigen wie auch von den Pflegenden akzeptiert werden. Bei den Pflegebedürftigen ist dies vor allem ein kulturell geprägter Faktor: Während in manchen Ländern eine Präferenz besteht, im persönlichen Kontakt durch eine Pflegeperson gepflegt zu werden, befördern in anderen Ländern das Streben nach Autonomie oder auch Schamgefühle die Akzeptanz von Robotertechnik. Professionelle Pflegekräfte hingegen scheinen einen Robotereinsatz dann zu begrüßen, wenn er die Pflegearbeit erleichtert – ein Ersatz der Pflege durch Roboter wird jedoch abgelehnt.

Obwohl hier große Erwartungen bestehen, scheint der Robotereinsatz in der Pflege noch am ehesten Zukunftsmusik. Der IT-Einsatz in der Dokumentation und Planung sowie die Nutzung von Telekommunikation für eine pflegerische Betreuung über Distanzen hinweg finden hingegen mittlerweile eine große Verbreitung. Die verstärkte Anwendung moderner Technologie dürfte also die Pflegearbeit von morgen prägen. Wie die Praxis des Technikeinsatzes in der ambulanten und stationären Pflege in Deutschland aussieht, wird im Rahmen der Studie gegenwärtig in weiteren empirischen Erhebungen erforscht.

REHACARE.de; Quelle: Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)

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