Teilhabe von Menschen mit Lernschwierigkeiten im Alter gestalten

16/11/2015
Foto: Senioren mit Lernschwierigkeiten beim Essen

Die Wohn- und Lebensformen von Senioren mit Lernschwierigkeiten müssen vielfältiger gestaltet werden; © KatHO NRW/Andre Zelck

Menschen mit Lernschwierigkeiten möchten auch im hohen Lebensalter möglichst lange und selbstbestimmt in ihrer eigenen Wohnung leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Mit dem Projekt MUTIG will die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO NRW) innovative Konzepte entwickeln, wie Senioren dabei unterstützt werden können.

Denn: Die Zahl älterer Menschen mit Lernschwierigkeiten nimmt zu. Das heißt, Lösungen für einzelne Personen werden nicht mehr ausreichend sein; die Unterstützung in verschiedenen Wohnformen muss "demografiefest" gestaltet werden. Hinzu kommt, dass die Wohn- und Lebensformen von Menschen mit Behinderung vielfältiger geworden sind und sich nicht mehr mit den (leistungsrechtlichen) Etiketten "ambulantes, stationäres oder familiäres Wohnen" beschreiben lassen. Nicht zuletzt spielen auch sozial- und leistungsrechtliche Veränderungen eine Rolle: zum Beispiel werden Wohn- und Teilhabegesetze überarbeitet und die soziale Pflegeversicherung wird weiterentwickelt.

Das Forscherteam um Prof. Dr. Friedrich Dieckmann und Prof. Dr. Sabine Schäper will in einem ersten Schritt untersuchen, wo, mit wem und wie Menschen mit Lernschwierigkeiten im Alter heute wohnen und aus welchen Gründen es zu Umzügen kommt. Gleichzeitig wollen sie herausarbeiten, welche sozialrechtlichen und strukturellen Spielräume und Barrieren es für die Anpassung der Unterstützung in verschiedenen Wohnformen gibt. Darüber hinaus wollen sich die Wissenschaftler ausgewählte innovative Projekte für verschiedene Wohnsituationen im In- und Ausland anschauen und diese evaluieren.

Anhand der Ergebnisse wollen sie schließlich Modelle erarbeiten, wie Menschen mit Lernschwierigkeiten im Alter in verschiedenen Wohn- und Lebensformen unterstützt werden können. Diese Unterstützungsmodelle sollen dann anhand von drei Kriterien bewertet werden: Ermöglicht das Modell tatsächlich die Teilhabe, wie sie im Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung beschrieben wird? Können Einrichtungen und Dienste die Modelle auch organisieren? Und: Sind die Modelle von den Leistungsträgern finanzierbar?

Dafür arbeitet das Projektteam mit allen Interessensgruppen zusammen: allen voran mit den Betroffenen selbst, aber auch mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Behindertenhilfe sowie mit Mitarbeitern der Leistungsträger. Damit folgt die Hochschule auch dem Anspruch, Teilhabe und Mitbestimmung in der Forschung zu ermöglichen. Praxis- und Kooperationspartner im Projekt MUTIG sind die Lebenshilfe NRW e.V. und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Projekt des Forschungsschwerpunktes Teilhabeforschung der KatHO NRW in der Förderlinie "Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter" (SILQUA-FH) mit rund 396.000 Euro.

REHACARE.de; Quelle: Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen

Mehr über die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen unter: www.katho-nrw.de