Trier: Studenten erarbeiten Konzept für ein blindenfreundliches Museum

02/03/2015
Foto: Arbeitsgruppe im Museum

Die Studenten holten sich Rat von blinden Meschen, um ihr Konzept möglichst praxisnah zu planen; © Hochschule Trier

Für sehbehinderte und blinde Menschen ist es besonders schwierig, die Geschichte der Stadt Trier im Stadtmuseum Simeonsstift zu erfassen. In Kooperation mit der Hochschule Trier wurde daher nun ein Konzept entwickelt, dass die wichtigsten Exponate aus der Stadtgeschichte mittels Einsatz verschiedener Medien so erweitert, dass sie auch für blinde Menschen erlebbar werden.

In der Dauerausstellung des Stadtmuseum Simeonsstift wird die Geschichte Triers ausgestellt. Die Exponate, unter anderem Gemälde, Skulpturen und Möbel, vermitteln dem Besucher umfassende Eindrücke aus der Stadtgeschichte. Als älteste Stadt Deutschlands ist Trier besonders geschichtsträchtig, weshalb das Stadtmuseum ein wichtiges Ziel für Touristen aber auch Einheimische darstellt, die sich für Kunst-, Kultur- und Stadtgeschichte interessieren.

Die Anzahl an Menschen mit einer Sehbehinderung nimmt stetig zu. Gerade durch den demografischen Wandel gibt es immer mehr Betroffene der Altersblindheit. Hinzu kommen Menschen, die von Geburt an sehbehindert sind oder durch Unfall oder Krankheit ihr Augenlicht verloren haben. Auch diese Menschen haben ein kulturelles Interesse, weshalb ihnen die Geschichte Triers im Stadtmuseum Simeonsstift nicht vorenthalten werden darf. Tatsache ist jedoch, dass das Stadtmuseum aktuell kaum den Ansprüchen von Menschen mit Sehbehinderung gerecht wird. Es ist ein „hinter-Glas-Problem“: Exponate dürfen nicht angefasst werden oder verschwinden durch Vitrinen vollständig aus dem ertastbaren Bereich.
Für den blinden Museumsbesucher sind sie somit gänzlich unzugänglich.

Ziel ist es, durch crossmediale Erweiterung wichtiger Exponate das „hinter-Glas-Problem“ zu umgehen, um auch blinden und sehbehinderten Museumsbesuchern die Stadtgeschichte Triers auf ansprechende Art und Weise zu vermitteln. Unter anderem sollen Audio, Replikate oder Reliefe genutzt werden, um den Besucher ohne oder mit eingeschränkter Sehfähigkeit ausgewählte Exponate begreifbar zu machen. Mit diesem Schritt erreicht das Stadtmuseum einen großen Zugewinn im Bezug auf die Barrierefreiheit. Dabei ist zu erwähnen, dass nicht alle crossmedialen Erweiterungen der Exponate alleine für den blinden Besucher interessant sind, sondern auch für sehende Besucher einen Mehrwert bieten. Mit Fertigstellung des Konzeptes, auf Grundlage dessen ein Förderantrag gestellt wird, wurde der erste Schritt auf dem Weg zu einem blindenfreundlichen Museum bewältigt. Die Umsetzung hängt nun vor allem von der Bewilligung von Fördergeldern für das Projekt ab.

Das Projekt ist eine Kooperation der Hochschule Trier, Fachbereich Gestaltung, Studiengang Intermedia Design mit dem Stadtmuseum Trier. Die Konzeption erfolgte innerhalb des Seminars Crossmedia unter der Leitung von Christopher Ledwig. Seminarteilnehmer sind Leila Abdalla, Vadim Bauer, Ricarda Dennen, Janine Heinz, Nadja Herrmann, Jacek Kuclo, Lisa Nemesheimer, Alexander Pütz, Simone Rduch, Valery Reck und Isabella Ruf.
Zusätzlich erfolgte auch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachbereichen der Hochschule, darunter die Fachbereiche Technik LDPS und Kunstgeschichte zur Planung eines Tastmodells der Porta Nigra in verschiedenen Bauphasen, sowie der Fachbereich Mode zur Erstellung von tastbaren Kleider-Miniaturen.

Während der gesamten Planungsphase wurden auch zwei blinde Menschen, nämlich Herr Karl Kohlhass und Frau Sabrina Knopp, einbezogen. „Als Sehender ist es unglaublich schwierig, die Bedürfnisse der blinden Zielgruppe zu erfassen. Daher war es besonders wichtig, ständig Betroffene mit einzubeziehen, die uns genau sagen konnten, welche unserer Ideen funktionieren und interessieren und wo wir unsere Ausarbeitungen nochmals überdenken müssen“, so Christopher Ledwig. Zusätzliche Unterstützung boten Frau Orth aus dem Stadtmuseum und die Blindenmuseumsführerin Frau Serwe.

Das crossmediale Konzept richtet sich an blinde und sehbehinderte Individualbesucher, die das Museum mit einer sehenden Begleitperson besuchen. Die Begleitperson soll die Rolle des Museumsführers übernehmen. Pro Ausstellungsraum werden Hilfsmittel zur Veranschaulichung der Exponate bereitgestellt. Es wird möglich sein, das Museum Raum für Raum auch während mehrerer Besuche zu erleben. Die Projektteilnehmer warten nun darauf, dass dem Förderantrag stattgegeben wird und das Projekt in die Realisierungsphase übergehen kann.

REHACARE.de; Quelle: Hochschule Trier

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