27/11/2013

opta data Gruppe

Vierter opta data Zukunftstag: Bühne frei für Zukunftsvisionen


Wo sich sonst die „Schöne“ und das „Biest“ verlieben, gaben sich am 13. November 2013 Meinungsführer aus der Gesundheitswirtschaft die Klinke in die Hand. Rund 150 Leistungserbringer aus der Hilfs- und Heilmittelbranche und der Häuslichen Pflege blickten im Colosseum Theater Essen gemeinsam in die Zukunft und erhielten Einblicke in Erfolgsbeispiele aus der Praxis.


Für ein gelungenes Theaterstück zählt das reibungslose Zusammenspiel aller Akteure vor und hinter den Kulissen. Und was auf der Bühne gilt, das gilt auch im Gesundheitswesen. Das betonten die opta data Geschäftsführer Mark Steinbach und Andreas Fischer in ihrer Ansprache und formulierten damit das Kernziel des Zukunftstages: den verschiedenen Akteuren am Markt eine Plattform zu geben, um miteinander ins Gespräch zu kommen, interdisziplinär über die Entwicklungen im Gesundheitswesen zu diskutieren und das Verständnis füreinander zu fördern. Denn eine effektive Zusammenarbeit von Ärzten, Versorgern und Kostenträgern erzielt für den Patienten das beste Ergebnis.


Den Patienten stärker zum Akteur machen
Damit dies gelingt, müsse „der Patient stärker zum Akteur gemacht werden“ und die Möglichkeit haben, sich für oder gegen bestimmte Leistungen zu entscheiden, forderte Gernot Kiefer, Vorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, in seinem Vortrag. Ein weiterer Aspekt seines Vortrags: Ärzte sollten „von vergangenen Schemata wegkommen“ und dazu bereit sein, Leistungserbringer als Partner anzuerkennen und verstärkt mit einzubeziehen, so dass sie mehr Verantwortung für die Versorgung übernehmen. Dabei appellierte er an die Teilnehmer, aktiv an der Umsetzung mitzuwirken. Schließlich sei es kein Naturgesetz, dass bei allen Fragen immer der Arzt vorgeschaltet sein muss, zum Beispiel bei Folge-Verordnungen. Bei allen Vorhaben sei es wichtig, einen langen Atem zu beweisen und Geduld mitzubringen, denn: „Es wird nur in kleinen Schritten gehen.“


„In Deutschland läuft einiges schief“
Am Beispiel nichtspezifischer Kreuzschmerz – dem häufigsten Grund für die Verordnung physiotherapeutischer Maßnahmen – zeigte Andrea Rädlein, stellvertetende Bundesvorsitzende physio Deutschland, auf: Therapien, deren Nutzen nachgewiesen ist, werden zu wenig oder an falscher Stelle eingesetzt. „Zweifelhafte Maßnahmen“ würden dagegen zu häufig verordnet, obwohl eine andere Versorgung nicht teurer sein müsse. Rädlein forderte die Überarbeitung der Heilmittelrichtlinien und des Heilmittelkatalogs entsprechend wissenschaftlicher Evidenz, denn „in Deutschland läuft einiges schief“. Außerdem solle eine Standardisierung in der Befunderhebung, Dokumentation und Evaluation als wesentlicher Bestandteil des therapeutischen Vorgangs eingeführt werden.


Pflege wird mit Zeitvergütung teurer
Kathrin Krawinkel, Referentin für NRW des bad e. V., berichtete über die Erfahrungen mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) in der Häuslichen Pflege. Das Problem: Es gibt ein Gesetz und 16 unterschiedliche Herangehensweisen in den Bundesländern. Eines haben alle gemeinsam: Sie müssen neue Stundensätze verhandeln. Als „Problemzonen“ sieht Krawinkel dabei den Ansatz der Kostenträger. „Einfach die Personalkosten durch die Anzahl der Mitarbeiter zu teilen und so den Stundensatz zu errechnen ist unrealistisch. Schließlich müssen auch weitere Kosten berücksichtigt werden.“ Abschließend fasste Krawinkel zusammen: Pflege wird mit der Zeitvergütung teurer. Und die Umsetzung geht zu Lasten des Pflegebedürftigen oder Pflegedienstes. Augenzwinkernd fügte sie hinzu: „Vielleicht schafft die neue Bundesregierung das PNG zu Gunsten einer neuen Pflegereform ja auch wieder ab.“


Sich dem wachsenden Bedarf gemeinsam stellen
Dass Leistungserbringer dafür sorgen müssten, dass der Patient im Mittelpunkt steht und nicht das Gesundheitssystem, stellte Klaus Lotz, Präsident des BIV-OT, in seinem Vortrag heraus. Außerdem müsse man sich dem wachsenden Bedarf an Patienten gemeinsam stellen und Lösungen finden. Schließlich sei es wichtig, nicht „das Letzte aus Gesetzestexten herauszukitzeln, sondern sich mehr mit der Realität zu beschäftigen“. Lotz forderte, die Bezahlbarkeit der Versorgung in einen anderen Fokus zu rücken: „Das Sachleistungsprinzip hochhalten, aber bei steigender Frequenz nichts mehr dafür zahlen wollen, ist eine märchenhafte Wunschvorstellung.“


Inspirieren lassen konnten sich die Besucher in der zweiten Hälfte der Veranstaltung von den Best-Practice-Beispielen. Die Beispiele für erfolgreiche Netzwerke lieferten den Teilnehmern Anreize dazu, gemeinsame Interessen in organisierten Gemeinschaften zu verfolgen.


Transparenz durch webbasierte Versorgungsmanagement-Lösung
Wie eine gelungene Kooperation unter Sanitätshäusern, Wundtherapeuten, Physiotherapeuten, Podologen und Fachärzten aussehen kann, das erläuterte Sandra Völler, Orthopädietechnik-Meisterin und Inhaberin von „Orthopädie-Technik Völler“ in Osnabrück. Gemeinsam mit ihren Kollegen erarbeitet sie im Wund- und Lymphzentrum Osnabrück ein Behandlungskonzept für die Patienten. Als webbasiertes Kommunikationsmedium nutzen sie die Versorgungsmanagement-Lösung iDokument, die die Dokumentation und Analyse in mehreren Versorgungsfeldern gleichzeitig ermöglicht. So können sich alle Prozessbeteiligten ohne Informationsverlust zeitnah untereinander austauschen, interdisziplinär eng zusammen arbeiten und haben kurze Dienstwege. Völler: „Der Patient steht im Fokus und entscheidet, wer die Dokumentation einsehen kann. Außerdem sieht er den Behandlungsfortschritt, was ihn motiviert.“


Den Patienten ins Boot holen
Professor Dr. Thomas Meyer, Geschäftsführer der AmbulanzPartner SozioTechnologie GmbH, berichtete über AmbulanzPartner, das sich zum Ziel gesetzt hat, die ambulante Versorgung von Patienten zu verbessern und zu optimieren, indem Patienten, Ärzte, Pflegende, Therapeuten und Hilfsmittel-Versorger über das gleichnamige Webportal miteinander vernetzt sind. Über eine elektronische Versorgungsakte werden die Versorgungsdaten aller Akteure erfasst und stehen autorisierten Versorgungspartnern zur Verfügung. Meyer: „So können wir Patienten mehr ins Boot holen und Ressourcen besser nutzen. Außerdem sind die Kommunikationswege kürzer.“ In den anderthalb Jahren, in denen es das Portal gibt, wurden bisher über 3.000 Patienten darüber versorgt. Zwar brauche das Portal länger, bis es sich durchsetze als ursprünglich angenommen, so Meyer, aber: „Es ist wie beim Zug. Dadurch, dass die Anzeige einem sagt, dass man noch 15 Minuten warten muss, kommt der Zug zwar nicht schneller, aber man weiß, dass er kommt.“


Win-Win-Situation unter Wettbewerbern
Dass sich Leistungserbringer derselben Berufsgruppe nicht als Konkurrenten sehen müssen, sondern vielmehr in einer Win-Win-Situation, zeigten Ulf Hensling, Prokurist der ORTHOVITAL GmbH und Vorstandsmitglied im Pflegenetzwerk Leipzig e. V., und Andreas Märten, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender des Pflegenetzwerks Leipzig e. V. Das Pflegenetzwerk besteht aus eigenständig geführten ambulanten Pflegediensten. Gegründet wurde es, um über Pflege aufzuklären und als zentrale Beratungs- und Vermittlungsstelle zu fungieren, aber auch zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch der Mitglieder. „Auch gemeinsam organisierte Weiterbildungen, die sich der einzelne nicht leisten kann, sind ein großer Vorteil. So können wir uns auf unser Kerngeschäft, die Pflege, konzentrieren“, stellte Hensling heraus. „Außerdem gewährleisten wir eine flächendeckende Versorgung für den Betroffenen. Und das ist für uns alle interessant, denn wir entscheiden heute, wie wir morgen gepflegt werden.“


Die Kraft des Schwarms
Wie wichtig es ist, sich als Marke zu etablieren und Netzwerke zu bilden, darüber referierte Karsten Wegener von der Elithera Gruppe in seinem Vortrag „Die Kraft des Schwarms“. Unterstützung, sich als Marke zu etablieren, bietet Elithera seinen Mitgliedern zum Beispiel durch professionelle Marketingdienstleistungen wie einem Corporate-Identity-Buch mit Vorlagen, Flyern, Postern oder einem eigenen Bilderpool. Außerdem stellte Wegener das Sieben-Phasen-Modell von Elithera vor, eine Kombination aus Einzel- und Gruppenbehandlung sowie Kassen- und Selbstzahlerleistungen.


Das sagen die Teilnehmer
Wolfgang Schuchmann, RVS GmbH aus Köln, war zum vierten Mal beim Zukunftstag dabei. Besondere Zustimmung fanden bei ihm die Vorträge von Kiefer und Lotz. „Auch die anderen Vorträge waren interessant, auch wenn sie die Sanitätshausbranche nicht direkt betreffen“, fasst Schuchmann seine Eindrücke zusammen. „Aber es ist immer spannend zu hören, was in anderen Branchen los ist, wenn es um Probleme mit der Politik oder mit Krankenkassen geht.“ Waltraud Honschopp und Wolfgang Hensen, VPT Weser-Ems aus Bremen, fanden die Veranstaltung „fantastisch“: „Uns haben alle Vorträge gefallen. Besonders gut war Herr Lotz. Seine Rhetorik ist super – und das, was er sagt, hat Hand und Fuß.“ Sylvia Dornieden, Pflegedienst Dornieden GbR aus Rommerskirchen, ergänzt: „Die gesamte Veranstaltung war produktiv und informativ. Neue Menschen kennenzulernen und Kontakte aufzubauen war mir besonders wichtig. So gewinnt man einen Einblick in andere Branchen und ein besseres Verständnis füreinander.“ Bei Peter Kremmers und Benedikt Preisler, Pro Walk GmbH aus Egelsbach, ist der Mix der Referenten sehr gut angekommen: „In den Vorträgen wurde die Herausforderung in der Versorgung praxisnah dargestellt. Was uns außerdem sehr gut gefallen hat, ist, dass wirklich kontrovers und offen diskutiert wurde. Es war also kein Schaulaufen, wie es häufig bei solchen Veranstaltungen der Fall ist.“


Pressekontakt:
opta data Gruppe
Mona Schamp
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