Welt-Autismus-Tag: Autismus und Arbeit – Gemeinsam gestalten

02/04/2014
Foto: Mann vor Computerschnittstelle

Menschen mit Autismus können sowohl im IT-Bereich als auch in anderen Arbeitsumfeldern arbeiten, wenn man versucht sie zu verstehen; © Piotr Atacha/panthermedia.net

Der Bundesverband autismus Deutschland e.V. setzt beim diesjährigen Welt-Autismus-Tag gemeinsam mit dem europäischen Dachverband Autismus-Europa das Hauptaugenmerk auf das Thema „Arbeit“ und jene Unternehmen, die die wechselseitigen Vorteile der Beschäftigung von Menschen mit Autismus entdecken.

Studien haben gezeigt, dass 76 Prozent beziehungsweise 90 Prozent der Erwachsenen mit Autismus arbeitslos sind. Dies ist einer von vielen Gründen, aus denen der Welt-Autismus-Tag von der UNO zu einem jährlichen Aktionstag erklärt wurde, an dem weltweit die Aufmerksamkeit auf die dringenden Bedürfnisse von Menschen mit Autismus gelenkt wird.

Heute werden 1 von 100 beziehungsweise 1 von 150 Kindern mit Autismus diagnostiziert, insgesamt etwa 3,3 Millionen Menschen in der Europäischen Union. In den meisten Regionen Europas wachsen diese Kinder heran und sehen sich als Erwachsene weitestgehend Arbeitslosigkeit mit wenig oder gar keiner Unterstützung ausgesetzt.

Autismus hat sicherlich Auswirkungen auf die Fähigkeit der Menschen zur Interaktion am Arbeitsplatz, die größte Hürde auf dem Weg in die Beschäftigung ist jedoch der Mangel an Unterstützung, einen Job zu finden und zu behalten sowie die soziale Stigmatisierung aufgrund des Autismus.

In Europa und weltweit beginnen innovative Unternehmen jetzt damit, die Stärken der Menschen mit Autismus einzusetzen, um ihnen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen. Die dänische IT-Firma Specialisterne arbeitet beispielsweise gerade an ihrem Ziel, weltweit eine Million Arbeitsplätze für Menschen mit Autismus zu schaffen. 2004 von dem Vater eines jungen Mannes mit Autismus gegründet, beschäftigt das Unternehmen in der Mehrzahl Menschen mit Autismus, zu deren Aufgaben das Testen von Software, Programmierung und Dateneingabe für Firmenkunden gehören.

Specialisterne sieht die einzigartigen Merkmale von Menschen mit Autismus wie beispielsweise Detailgenauigkeit, das Genießen von sich wiederholenden Tätigkeiten, mangelnde Fehlertoleranz, Ausdauer und Loyalität als Fähigkeiten, die genutzt werden können, um eine hohe Arbeitsqualität zu erzielen und damit einen rechenbaren Vorteil für ihre Arbeitgeber darstellen. Inzwischen operiert das Unternehmen in zehn Ländern weltweit und hat bereits mehreren hundert Menschen mit Autismus geholfen, einen Arbeitsplatz zu finden. Außerdem arbeitet Specialisterne mit multinationalen Konzernen wie Nokia, Deloitte, Cisco, Microsoft und Oracle zusammen, um noch mehr Jobs für Menschen mit Autismus zu schaffen.

In Italien hat der Kosmetikkonzern L´Oréal ein Langzeitprojekt begonnen, um die Beschäftigung von Menschen mit Autismus in seinem Unternehmen zu erleichtern, mit dem Ziel insbesondere junge Erwachsene in ihre Belegschaft zu integrieren in Arbeitsgebieten wie Arbeiten mit Datenbanken und Archivierung ebenso wie Verpackung von Kosmetik, Qualitätscheck und Sicherheit. Das Unternehmen hat ein Training für Angestellte mit Autismus, andere Angestellte und Vorgesetzte entwickelt und bestimmte Mitarbeiter als Coaches für Mitarbeiter mit Autismus ernannt. Indem den Menschen mit Autismus die richtige Unterstützung angeboten wird, befähigt man sie und die Unternehmen, erfolgreich zu sein. In der Tat haben Untersuchungen gezeigt, dass Unternehmen, die Menschen mit Behinderungen beschäftigen, eine höhere Mitarbeiterbindung haben und die hohen Kosten von Mitarbeiterfluktuation senken.

Die Vorsitzende von Autismus-Europa, Zsuzsanna Szilvàsy, ermutigt andere Organisationen, in die Fußstapfen von Specialisterne und L´Oréal zu treten: „Wir freuen uns so sehr, zu sehen, dass mehr und mehr Organisationen, öffentliche wie private, Initiativen starten, um Menschen mit Autismus in Beschäftigung zu bringen.“

„Es ist nicht nur so, dass Menschen mit Autismus das Recht auf Beschäftigung haben – wie es in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen geschrieben ist – es ist auch eine Investition, von der öffentliche wie private Organisationen profitieren können“, fährt Szilvàsy fort.

Beschäftigung ist mehr als ein Job für Menschen mit Autismus – sie befähigt sie, ein ausgefülltes und unabhängiges Leben zu führen. Unternehmen auf der ganzen Welt erkennen, dass die Beschäftigung von Menschen mit Autismus mehr ist, als Menschenliebe und soziale Unternehmerverantwortung; ihre Fähigkeiten zu nutzen und eine vielfältige Belegschaft zu schaffen, kann Unternehmen helfen, erfolgreich zu sein, zum Vorteil aller Beteiligten.

In diesem Jahr werden die Europäer zusammen mit anderen weltweit im April mit einer Reihe von Events und Aktivitäten zu mehr Aufmerksamkeit für Autismus aufrufen. Als Teil der Initiative „Light It Up Blue“ werden in der Nacht des 2. Aprils in Städten quer durch Europa bekannte Gebäude blau erleuchtet sein.

REHACARE.de; Quelle: Bundesverband autismus Deutschland e.V.

Mehr über den Bundesverband autismus Deutschland e.V. unter: www.autismus.de