Welt-Braille-Tag: Mehr Texte in Brailleschrift gefordert

04.01.2017

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) fordert zum Welt-Braille-Tag am 4. Januar, mehr Texte auch in Brailleschrift zugänglich zu machen. Wie die sechs in Papier gedruckten Punkte Menschen neue Perspektiven eröffnen können, zeigt ein Beispiel aus Indien.

Foto: Kind liest ein Buch in Braille-Schrift, Nahaufnahme der Hände; Copyright: CBM

Die Brailleschrift ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen Zugang zu Informationen und damit bessere Chancen für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben; © CBM

Lesen, lernen und sich mit anderen austauschen können - das war das Ziel des blinden Louis Braille, als er 1825 mit gerade mal 16 Jahren eine tastbare Punkteschrift entwickelte. Seither ermöglicht die nach ihm benannte Brailleschrift blinden und sehbehinderten Menschen Zugang zu Informationen und damit bessere Chancen für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben.

Zwar gibt es weltweit immer mehr Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen, die Brailleschrift zu lernen. Was aber gerade in vielen Schwellen-und Entwicklungsländern noch fehlt, sind Bücher oder Magazine in Brailleschrift, die blinden Menschen aktuelle Informationen zugänglich machen. Um dies zu ändern, unterstützt die CBM ein innovatives Projekt der Blindenorganisation All India Confederation of the Blind (AICB): Sie druckt fünf der bekanntesten indischen Frauenmagazine in Brailleschrift und macht sie zusätzlich zu den Abonnements über Bibliotheken und Institute einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Dadurch können etwa 3.000 sehbehinderte und blinde Frauen die Tipps rund um Mode, Ernährung, Erziehung und Gesundheit über die Fingerkuppen ertasten. Und die begeisterte Resonanz der Leserinnen hat selbst Sushila Nagpal, die Herausgeberin der Zeitschrift "Mahila Manch", erstaunt: "Viele Leserinnen melden sich bei mir und sind begeistert über unsere Themen, weil sie ihnen im Alltag helfen."

Eine Leserin aus dem Ort Chennai schreibt zum Beispiel, dass die Tipps zur Kindererziehung in der Zeitschrift ihr enorm geholfen hätten. Sie habe dadurch gelernt, was für ihre kleine Tochter richtig und wichtig sei. Jetzt fühle sie sich sicherer und auch ihre Position in der Familie habe sich dadurch verbessert. Eine andere Frau ist überglücklich, weil die Braille-Magazine sie inspiriert haben, selbst Artikel zu schreiben. Im Oktober wurde ihr erster Beitrag in einem renommierten Frauenmagazin veröffentlicht.

Und eine junge Leserin schreibt, dass sie nicht mehr versuche, unscheinbar zu wirken, weil die Pflege- und Modetipps sie mutiger gemacht hätten. Sie könne jetzt bei vielen Themen mitreden und der Umgang mit Nachbarn und Bekannten sei unkomplizierter und auf Augenhöhe. Mittlerweile gibt es in Indien nicht nur fünf Frauenmagazine in Brailleschrift, sondern auch drei Kinderzeitschriften.

REHACARE.de; Quelle: Christoffel Blindenmission e.V.
Mehr über die Christoffel Blindenmission e.V. unter: www.cbm.de