Wer rastet, der rostet – warum Krafttraining im Alter fit hält

16.10.2015

Die meisten Menschen schränken spätestens ab dem 40. Lebensjahr ihre sportlichen Aktivitäten drastisch ein. Dafür gibt es vermeintlich gute Gründe – auch wenn es dann oft nur der innere Schweinehund ist, der einfach übermächtig wird. Um sein selbstbestimmtes Leben möglichst lange zu erhalten und die positiven Effekte zu nutzen, findet man auf der REHACARE 2015 viele Anregungen.

Allein 90 Aussteller bieten Geräte und Hilfsmittel für gezielte Bewegungs- und Muskeltrainings an. Die Halle 3 bietet mit ihren Schwerpunkten in Sport, Spiel, Freizeit und Physiotherapie in dieser Hinsicht jede Menge Möglichkeiten zur Inspiration. Und wem das nicht reicht, der kann sich im Sport-Center in Halle 7a auch gleich mit sportlich betätigen.

 
 
Foto: Älterer Mann beim Krafttraining

Peter Beutel von Beri Sport Med demonstriert eines seiner Trainingsgeräte auf der REHACARE 2015; © beta-web/Schmitz

Den körperlichen Kräfteabbau kann man nicht ganz verhindern, aber man kann ihn sehr wohl verlangsamen. Und das ist das eigentlich Wichtige. Mit zunehmendem Alter nehmen die Kraft und die Leistungsfähigkeit eines Körpers ab. Das Muskelvolumen, aber auch die Anzahl der Muskelfasern nimmt ab. Der Stoffwechsel verändert sich, die neuromuskuläre Funktionsfähigkeit lässt nach. Folgen davon sind Degeneration der Muskulatur, weniger Kraft, Probleme mit dem Haltungs- und Bewegungsapparat, Gleichgewichtsstörungen und in letzter Konsequenz auch der Verlust der Autonomie. Ab der sechsten oder siebten Lebensdekade kann man davon ausgehen, dass pro Jahr etwa 15 Prozent der Kraft abnehmen und dieser Prozess im Vergleich zu den vorhergehenden Jahrzehnten deutlich beschleunigt ist. Ohne Training verschwinden so mit großer Wahrscheinlichkeit bis zum 80. Lebensjahr etwa 50 Prozent der Muskelmasse.

Nun die gute Nachricht: Der Verlust der Kraft ist bis zu einem gewissen Niveau ausgleichbar. Zahlreiche Studien zeigen, dass man mit gesundheitsorientiertem Krafttraining das muskuloskelettale System schützen, die Mobilität bis in hohe Alter verbessern, Gleichgewichtsstörungen und Verschleißerkrankungen vorbeugen kann. Krafttraining kann sogar Einfluss auf die Knochendichte und Knochenmineralisierung haben. Das ist im Hinblick auf die Osteoporosegefährdung gerade bei Frauen ein wichtiger Aspekt. Auch die Auswirkungen des Trainings auf die Herzgesundheit gelten inzwischen als wissenschaftlich belegt. Selbst die Insulinsensitivität von Muskelzellen bei Diabetikern kann durch Krafttraining erhöht werden. Auch aus diesem Grund gibt es in Deutschland vermehrt Fitnessstudios, in denen zertifiziertes Krafttraining mit Diabetikern angeboten wird.

Einfach gesagt, kann man mit dem richtigen Krafttraining auch jenseits der 100 noch einen positiven Effekt erreichen. Erste Ergebnisse des von der Universität Wien initiierten Projektes "Gesund fürs Leben" zeigen, dass regelmäßiges Krafttraining die körperliche Gesunderhaltung klar fördert und damit wesentlich zum Erhalt der Autonomie beitragen kann.

Peter Beutel, Inhaber von Beri Sport Med, entwickelt seit vielen Jahrzehnten Sport-, Trainings- und Therapiegeräte, an denen Menschen an ihre Bedürfnisse angepasst, trainieren können. Er ist der Meinung, wer sich bewegen könne, der könne auch trainieren. Alter und körperliche Beeinträchtigung spielten da eher eine untergeordnete Rolle. Die eingesetzten Trainingsgeräte sollten jedoch für Ältere und Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen möglichst vielseitig, sicher und Ihren Einschränkungen entsprechend geeignet sein. Selbstverständlich sollte vor aller Aktivität immer der ärztliche Check stehen.

 
 
Foto: Mareike Scholze

© B. Frommann











Mareike Scholze
REHACARE.de