Wohnprojekt: Gleichgeschlechtlich und selbstbestimmt leben im Alter

09.03.2015
Foto: Zwei ältere Männer beim gemeinsamen Frühstück

Das Wohnprojekt für homosexuelle ältere Menschen ermöglicht ein diskriminierungsfreies Wohnumfeld, das ein selbstbestimmtes Leben im Alter fördert; © panthermedia.net/ ejwhite

Selbstbestimmt im Alter zu leben und im Falle von Pflegebedürftigkeit gut betreut zu werden – das war das Anliegen von schwulen Senioren und lesbischen Seniorinnen in dem Wohn- und Pflegeprojekt "Lebensort Vielfalt" in Berlin-Charlottenburg. Doch wie sieht die Realität aus? Das Forschungsprojekt "Gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Selbstbestimmung im Alter", kurz: GLESA, untersuchte in den vergangenen zwei Jahren das Wohn- und Pflegeprojekt und welchen Beitrag das Wohn- und Pflegeprojekt für die kommunale Altenhilfe leisten kann. Das Projekt wird vom Institut für Angewandte Forschung Berlin (IFAF) gefördert.

Die Ergebnisse zeigen, dass der "Lebensort Vielfalt" ein diskriminierungsfreies Wohnumfeld ermöglichen konnte, welches ein selbstbestimmtes Leben und soziale Teilhabe im Alter fördert. Die Thematisierung von Sexualität im Alter ist im "Lebensort Vielfalt" mit schwulen, lesbischen und heterosexuellen Bewohnerinnen und Bewohnern im Alter von 21 bis 86 allgegenwärtig und weniger von Tabus geprägt. Der ambulante Pflegedienst CuraDomo – GLESA-Kooperationspartner – hat darin gar eine Marktlücke entdeckt. Die Engagementstrategien der Generation älterer schwuler Männer und die Sorge vor Einsamkeit und Isolation im Alter waren für die Umsetzung des Wohnprojekts von Bedeutung und lassen Potenziale auch für andere Milieus und die Mehrheitsgesellschaft erkennen.

So werden die Verknüpfung von Wohnprojekt mit Pflegeetage einerseits und das Angebot von Kultur, Beratung und Ehrenamt anderseits als Pionierleistung empfunden und für Wohnprojekte für das Alter generell weiterempfohlen.

Auf der Fachtagung am 30. und 31. Januar 2015, das mit einem Grußwort des Staatssekretärs im Bundesfamilienministeriums, Dr. Ralf Kleindieck, eröffnet wurde, wurden die Ergebnisse lebhaft diskutiert. Sowohl die Wissenschaftler als auch das Publikum beklagten die teilweise noch bestehenden homo- und transphoben Einstellungen des Pflegepersonals in den herkömmlichen Pflegeeinrichtungen und die mangelnde Förderung von neuen Wohnformen, die – wie der Lebensort Vielfalt in Berlin-Charlottenburg – besser geeignet sind, die soziale Integration älterer Menschen zu gewährleisten.

Das Forschungsteam um die Projektverantwortlichen Prof. Dr. Maria do Mar Castro Varela von der Alice Salomon Hochschule Berlin und Prof. Dr. Claudia Gather von der kooperierenden Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) wird bis zum Sommer 2015 einen Forschungsbericht vorlegen.

Das Projekt wird in Kooperation mit der Schwulenberatung Berlin, dem Pflegedienst CuraDomo sowie dem Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS) der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen umgesetzt.

REHACARE.de; Quelle: Alice Salomon Hochschule Berlin

Mehr über die Alice Salomon Hochschule Berlin unter: www.ash-berlin.eu