Wohnquartiere zukunftsorientiert entwickeln

27.04.2015
Foto: Hand zeichnet Haus mit Bleistift

Neue Bewertungsinstrumente verknüpfen Bedürfnisse von Anbietern und Nachfragern auf dem Wohnungsmarkt; © panthermedia.net/Nadine Kohs

Gesellschaftliche Veränderungen sind meistens auch mit einem Wandel der Wohnbedürfnisse verbunden. Angesichts neuer Arbeits- und Familienmodelle, der Ausdifferenzierung von Lebensstilen und des demografischen Wandels verändern sich Umfang und Struktur der Wohnungsnachfrage. Aus Mangel an geeigneten Planungsinstrumenten reagierten die Wohnungsmärkte bislang oft nicht adäquat auf aktuelle Trends und Anforderungen.

Abhilfe können neue Instrumente schaffen, die das Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) in Leipzig in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit der Universität Bonn, dem ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung sowie Praxispartnern in Leipzig, Dortmund und Düsseldorf entwickelt hat. Mit ihrer Hilfe lassen sich die Bedürfnisse der Wohnungssuchenden und die Handlungsmöglichkeiten der Wohnungsanbieter zukünftig miteinander verknüpfen.

Der Werkzeugkasten "QuartiersAnalyse" enthält drei aufeinander aufbauende Instrumente. Ein modular gestalteter Fragebogen mit dazugehöriger Auswertungsdatei hilft bei der Typisierung von Nachfragegruppen, ihrer Bedürfnisse und Wohnwünsche. Ein weiterer Bogen zur Erhebung und Bewertung von Standortqualitäten führt zu einer klaren Einschätzung eines Quartiers und kann wichtige Erkenntnisse sowohl für Kommunen als auch für private Projektentwickler liefern, etwa über vorhandene Baulandpotenziale.

Berücksichtigt werden dabei sogenannte harte Standortfaktoren wie Erreichbarkeit und Infrastruktur, aber auch "weiche" Faktoren wie etwa das Image eines Quartiers. Anwender können das Instrument individuell an ihre jeweiligen Bedürfnisse anpassen. Sie erhalten zudem detaillierte Hinweise, wo die für sie wichtigen Informationen abrufbar sind.

Im dritten Schritt verbindet die "Szenario-Methode" schließlich die Erkenntnisse aus beiden Instrumenten mit Blick auf mögliche Entwicklungen des Quartiers vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Trends. "Das Verfahren ist so aufgebaut, dass sich die Einflussgrößen und Wirkungszusammenhänge zukünftiger Quartiersentwicklungen jederzeit nachvollziehen lassen und das Modell auf unterschiedlichste Typen von Wohnquartieren angewendet und an verschiedenste Interessen angepasst werden kann", erklärt Giulia Montanari vom Leibniz-Institut für Länderkunde.

Die im Projekt "Gesellschaftlicher Wandel und Quartiersentwicklung:
Entscheidungshilfe für Wohnungsmarktakteure mittels eines nachfrageorientierten Bewertungsinstruments" entwickelte Quartiersanalyse unterstützt Wohnungsbaugenossenschaften ebenso bei ihren Entscheidungen wie Stadtverwaltungen oder private Projektentwickler. Anwender können die Werkzeuge kostenfrei auf www.quartierentwickeln.de herunterladen. Auf der Website finden Interessierte weitere Informationen zu dem Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unter dem Stichwort "Erkenntnistransfer" finanziert wurde.

Das am Leibniz-Institut für Länderkunde bearbeitete Teilprojekt mit einem Fokus auf den Zukunftspotenzialen genossenschaftlicher Wohnformen wurde in Zusammenarbeit mit der Wohnungsgenossenschaft UNITAs eG Leipzig realisiert. Wie die Untersuchungen der IfL-Wissenschaftlerinnen Giulia Montanari und Dr. Karin Wiest ergaben, eignen sich gemeinschaftliche Wohnformen besonders gut, um auf neue Wohnbedürfnisse im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen zu reagieren.

Auf einem Workshop zum Thema "Genossenschaft und Quartiersentwicklung" am 24. März in Leipzig bezeichneten Vertreter der genossenschaftlichen Wohnungswirtschaft die Erkenntnisse aus dem Projekt als "ausgesprochen hilfreich für eine zukunftsorientierte Neuausrichtung des genossenschaftlichen Wohnungsbaus".

REHACARE.de; Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde

Mehr über das Leibniz-Institut für Länderkunde unter: www.ifl-leipzig.de