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„Alles eine Frage der Organisation“ – Die querschnittgelähmte Studentin Katharina Marks über das Mutterglück im Rollstuhl
15.07.2007
Mütter im Rollstuhl sieht man selten. Katharina Marks traute sich. Sie ist 25 Jahre alt, querschnittgelähmt und alleinerziehende Mutter einer dreijährigen Tochter. In ihrem Internetforum lewu.de – LebensWunder informiert sie behinderte Frauen über Themen rund ums Kinderkriegen. REHACARE.de sprach mit der jungen Mutter über ihre Erfahrungen.
Yonna ist Katharina Marks' Wunschkind
© Marks
REHACARE.de: Frau Marks, warum haben eigentlich so wenige Frauen mit Querschnittlähmung Kinder?
Marks: Viele Frauen haben Angst vor möglichen Reaktionen von Außenstehenden auf eine Schwangerschaft und dass sie zusätzlich Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Oft möchten Frauen mit Behinderung zeigen, dass sie allein zurecht kommen. Außerdem fürchten sie nicht so sehr die Schwangerschaft selbst, sondern die Zeit, in der das Kind laufen lernt.
REHACARE.de: Sind diese Sorgen berechtigt?
Marks: Das ist alles eine Frage der Organisation. Ich selbst habe nicht viel Hilfe gebraucht. Wenn ich heute wegen des Rollstuhlsmit mit meiner Tochter etwas nicht machen kann, wie beispielsweise auf einem Sandspielplatz toben, bitte ich jemand anderen, mit ihr dorthin zu gehen. Man muss sich nur trauen, mal jemanden zu fragen. Und ich kenne genug Studentinnen, die alleinerziehende Mütter sind. Die haben auch nicht weniger Stress als ich.
REHACARE.de: Wie hat Ihre Familie auf Ihre Schwangerschaft reagiert?
Marks: Meine Eltern hatten zwar Angst um meine Gesundheit, denn ich habe manchmal auch Rheumaschübe, aber sie wollten mich nie davon abhalten. Bei 80 Prozent aller Frauen, die ich kenne, reagieren die Familien oft ganz anders. Dort fallen wirklich Sätze wie „Muss das sein. Jetzt haben wir dich gerade groß“ oder „Wer soll sich denn darum kümmern?“
Im Forum geht es auch um
barrierefreie Arztpraxen, Kindermöbel
und vieles mehr © lewu
REHACARE.de: Welche Probleme kann es bei einer Schwangerschaft für Querschnittgelähmte geben?
Marks: Das Platzen der Fruchtblase kann beispielsweise schon mal mit Inkontinenz verwechselt werden, die Frauen mit Querschnitt ohnehin meist plagt. Damit es zu keinen Verwechslungen kommt, werden bei hoch gelähmten Frauen die Wehen 24 Tage vor dem errechneten Geburtstermin eingeleitet.
REHACARE.de: Merkt man mit Querschnittlähmung überhaupt die Wehen?
Marks: Ich habe alles gemerkt, weil ich inkomplett sensibel gelähmt bin. Bei gelähmten Frauen ohne Sensibilität ist das sicherlich anders. Diese werden gegen Ende der Schwangerschaft von erhöhten ärztlichen Kontrollen begleitet.
REHACARE.de: Was waren die aufregendsten Momente während Ihrer Schwangerschaft?
Marks: Als meine Tochter sich in meinem Bauch das erste Mal bewegt hat. Ich musste laut kichern, weil das so kitzelte. Und als ich in der 21. Schwangerschaftswoche erfuhr, dass mein Kind gesund ist. Weil meine Behinderung durch eine Borreliose hervorgerufen wurde, befürchteten die Ärzte nämlich, dass das Kind schwerstbehindert auf die Welt kommen könnte.
REHACARE.de: Um anderen gelähmten Frauen mit Kinderwunsch zu helfen, haben Sie ein Internet-Forum gegründet.
Marks: Als ich schwanger war, fand ich einfach keine Informationen für Frauen im Rollstuhl. Ich musste mir alles selbst zusammen suchen, auch bei Ärzten im Ausland. Dabei tut es unheimlich gut, wenn man sich mit anderen austauschen kann. Also baute ich das Forum auf. Mittlerweile treffen sich dort Frauen mit allen möglichen Behinderungen und geben sich Tipps zu alltäglichen Problemen während und nach der Schwangerschaft.
REHACARE.de: Sie selbst schreiben sehr viel im Forum.
Marks: Ich beschäftige mich täglich mindestens eine Stunde mit dem Forum und spreche mit Ratsuchenden. Allerdings muss ich dabei auch schon einmal betonen, dass ich keine Medizinerin bin und mein Wissen durch eigene Erfahrungen sowie Gespräche beispielsweise mit Ärzten und anderen Frauen gesammelt habe.
REHACARE.de: Was bewegt die Frauen in Ihrem Forum am meisten?
Marks: Oft fragen sie danach, wie das Kind auf die Welt kommen sollte. Ärzte raten häufig zum Kaiserschnitt. Das ist meiner Erfahrung nach oft unnötig - sie kennen sich vielleicht nicht mit betroffenen Frauen aus, weil es nur sehr wenige gibt. Aber meine Tochter kam wie die meisten ganz normal auf die Welt. Ab und zu werden während der Presswehen Saugglocke oder Zange zur Hilfe geholt.
REHACARE.de: Und sonst?
Marks: Eine weitere Frage ist, wie man das Kind nach der Geburt am besten tragen kann. Dazu habe ich eine Technik entwickelt, mit der man sein Kind auf dem Schoß mit einem Tuch besonders gut im Rolli tragen kann.
REHACARE.de: Was raten Sie querschnittgelähmten Frauen mit Kinderwunsch?
Marks: Ich rate den Frauen, sich in Reha-Zentren für Querschnittlähmung an einen Urologen zu wenden – ruhig erst mal telefonisch. Der kennt sich damit aus. Am wichtigsten ist es, mit anderen behinderten Frauen zu sprechen. Dann fühlt man sich nicht so allein.
REHACARE.de
- Hier finden Sie das Forum lewu - LebensWunder: www.lewu.de












