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Nutzung der Bahn ist Glücksspiel







Bericht von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul



Kassel (kobinet) Uwe Frevert, dessen Rückfahrt mit der Deutschen Bahn von Jena nach Kassel gestern noch in den Sternen stand, hat es entgegen aller Vorankündigungen der Bahn gestern doch zurück nach Kassel geschafft. Die Ungereimtheiten, die der Elektrorollstuhlfahrer bei dieser Reise jedoch erlebt hat, führen ihn allerdings zu dem Schluss, dass die Nutzung der Deutschen Bahn nach wie vor ein Glücksspiel bleibt.



Ausgangspunkt der Geschicht war, dass Uwe Frevert, um an der Vorstandssitzung der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) teilzunehmen, gestern von Kassel nach Jena und abends wieder zurück mit der Deutschen Bahn fahren wollte. Der Elektrorollstuhlbenutzer hat sich trotz vorher beschriebener Probleme beim Ein- und Aussteigen in Jena und beim Umsteigen auf der Rückfahrt in Weimar auf den Weg gemacht, da ihm nicht einleuchtete, seine Mobilität von der Deutschen Bahn derart einschränken zu lassen. Bereits bei der Fahrt nach Jena musste er in Weimar erleben, dass er den ersten Anschlusszug nicht nutzen konnte, weil in Jena keine Einstiegshilfe am Bahnhof zur Verfügung steht. Er konnte erst mit einem späteren Zug mit fahrzeuggebundener Einstiegshilfe fahren und kam dadurch erheblich später zur Vorstandssitzung. Für die Rückfahrt wurde ihm vorausgesagt, dass dies am frühen Abend nicht ginge, weil dann in Weimar kein Personal mehr für die Bedienung der dortigen Einstiegshilfe zur Verfügung stand. Der langjähriger Streiter der ISL wollte es aber wissen und machte sich trotzdem auf den Weg. (siehe kobinet-nachrichten vom 20.4.2006)



Zur völligen Überraschung gab es für Uwe Frevert auf der Rückfahrt nach Kassel beim Umsteigen in Weimar jedoch überhaupt keine Probleme. Und dies, obwohl ihm bei der zentralen Mobilitätsservicestelle telefonisch versichert wurde, um 19:15 Uhr sei kein Schlüssel für die Hebebühne vorhanden und auch keine Bahnbediensteten würden um diese Zeit ihre Leistung erbringen. "Vorhanden waren dagegen sowohl eine Hebebühne, eine Bahnbedienstete, die über den erforderlichen Schlüssel verfügte, und zwei nette Polizeibeamte, die tatkräftig mitwirkten", beschreibt Uwe Frevert seine Erfahrungen gegenüber den kobinet-nachrichten. Ein kleine Kröte musste der Fahrgast der Deutschen Bahn jedoch in Jena schlucken. Dort hatte der Regionalexpress keine Rampen, so wie es morgens in Weimar zugesichert wurde. "Zum Glück gab es nur einen größeren Spalt, welcher mit dem schweren Elektrorollstuhl zu überwinden war. Mit etwas Hilfe eines sehr starken Mannes wurde dies bewerkstelligt", so Uwe Frevert.



"Nun fragen sich sicherlich viele: Warum wurde die Anmeldung für den Hebedienst nicht ordentlich angenommen? Warum wurde mir in Weimar versichert, dass ich keine Hilfe bekomme und die Hebebühne nicht eingesetzt werden kann, wenn ich nicht zwei Stunden früher fahren würde? Ich frage mich das auch", so Uwe Frevert vom Vorstand der ISL. Die Kolleginnen und Kollegen des Kasseler Zentrums für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen freuten sich auf jeden Fall, dass Uwe Frevert gestern die Rückfahrt geschafft hat, denn hier hat der Behindertenrechtler heute wichtige Termine.
 






 
 

( Quelle: kobinet-Nachrichten )

 
 
 
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