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Raus aus dem Alltag - ab in die Freiheit

Specials

Raus aus dem Alltag - ab in die Freiheit

01.10.2006

"Schaffen wir das?", fragt ein bärtiger Mann in Bergsteigerausrüstung. Wie ein Echo prallt es auf ihn zurück: "Jo, wir schaffen das." Es ist die Antwort einer Horde körperbehinderter Schüler, die an einem sonnigen Tag den Hochseilgarten in Much besucht.

"Kannst du sehen, wie das Wetter morgen wird, Fabian?", ruft ein Junge seinem Klassenkameraden zu. "Sehr schön, kein Gewitter in Sicht". Und Fabian muss es wissen. Er sitzt in acht Metern Höhe auf einem Turm und hat den Überblick. Fabian und neun weitere körperbehinderte Jungen und Mädchen von der Rheinischen Förderschule für Körperliche und Motorische Entwicklung aus Sankt Augustin sind zu Gast im FIT - Freizeit, Integration, Tagung -, einem integrativen Hotel mit speziellen Angeboten für Freizeitgruppen und Schulklassen.

 
 
 
Da müssen alle aufeinander aufpassen
© REHACARE.de

Highlight des Ausflugs ist der Hochseilgarten: Hohe Holzwände, Stangen und Streben sind mit Seilen verbunden. An einer Kletterwand, in einem "Spinnennetz", über eine Seilbrücke kann man dort klettern. Angeseilt und gesichert. Damit sollen Kinder in luftiger Höhe eigene Grenzen austesten, selbstbewusster werden und das Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe gestärkt werden. Schließlich muss man sich gegenseitig helfen. Auch körperbehinderte Kinder können mitmachen. An der Kletterwand, dem Flaschenfzug und der Rollstuhlbrücke.

Begleitet werden die zwölf- bis 14-jährigen Schüler von zwei ausgebildeten Hochseilgarten-Trainern. Helmar Jehnert und Georg Thiel sind ehrenamtliche Mitglieder im Verein "Natur bewegt". Sie wollen den Kindern wertvolle Erfahrungen vermitteln: "Die Kids werden erkennen, dass ohne Sicherung und Hilfe kein anderer klettern kann. Teamgeist steht hier im Mittelpunkt", erklärt Jehnert. Denn ohne Freunde läuft hier gar nichts, wie sich schon am Falschenzug zeigt. Mit dem soll es nacheinander in luftige Höhe gehen, um eine gute Aussicht zu haben. Aber das funktioniert nur, wenn die Schulkameraden mit anpacken und den Flaschenzug dort heraufziehen. "Es ist schön zu sehen, wie die Kinder sich gegenseitig helfen und was sie zusammen auf die Beine stellen", meint die Lehrerin Lisa Wessels.

 
 
 
Angefeuert von den anderen geht's
leichter hinauf © REHACARE.de

Und so geht es auch für Lisa, 13 Jahre, hinauf im Flaschenzug. Sie kann nicht sprechen und nicht laufen - normalerweise sitzt sie im Rollstuhl. Aber diesmal geht es ohne ihn. Denn sie wird in ein Tragetuch gelegt und die Freunde ziehen sie in die Höhe und feuern sie an: "Lisa macht ein Riesenabenteuer." Damit Lisa auf ihrer Reise nach oben nicht gegen die Kletterwand schlägt, zieht eine Betreuerin an einem zweiten Seil, um den Flaschenzug im Gleichgewicht zu halten.

Die Schüler, die nicht im Rollstuhl sitzen, können über die Kletterwand auf den Hochseilturm gelangen. Aber auch hier wird jeder von den anderen mit einem Seil abgesichert. Und so schnappt sich der zwölfjährige Benedict einen roten Sicherheitshelm und klettert los. Halterung um Halterung kämpft er sich nach oben, der Rest der Klasse passt genau auf. Je weiter er kommt, desto mehr Seil wird unten nachgelassen. Auf dem Turm angekommen freut sich Benedict über das, was er vollbracht hat: "Ich bin zwar hoch hinaus, aber Aliens habe ich noch keine gesehen."

 
 
 
Ganz schön hoch - das erfordert viel Mut von den Kindern © Klaus Prasuhn

Danach geht es auf die Rollstuhlbrücke. Diese Konstruktion ist in Deutschland einzigartig. In einem speziellen Rollstuhl werden die Kinder nacheinander auf die acht Meter hohe Plattform des Hochseilturms gezogen. Dann fahren sie von der großen Aussichtsplattform über eine schmale Brücke hinüber zur anderen Seite - Trainer und sicherndes Seil immer mit dabei. "Es ist schön zu sehen, dass die Kinder das Gefühl von Freiheit ganz neu kennen lernen und ich bin stolz, wie sie füreinander da sind", freut sich Wessels.

REHACARE.de

- Mehr zum Hochseilgarten des Hotel Fit unter: www.hotel-fit.de

 
 

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