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Lieber Umbauen statt Anbauen







Bericht von Barbara Vieweg

Jena (kobinet) Gestern fand im Jenaer Zentrum für selbstbestimmtes Leben ein Gespräch zwischen dem Landtagsabgeordneten Maik Notnagel (Die Linke) und Vertreterinnen und Vertretern zweier Werkstätten für behinderte Menschen und anderer Interessierter statt. Anlass war die Aufregung, für die eine Schlagzeile von Anfang Februar in den Thüringer Medien sorgte. So soll Maik Nothnagel die Schließung der Werkstätten für behinderte Menschen gefordert haben.

In unzähligen Leserbriefen formulierten Bürgerinnen und Bürger - mehr oder weniger sachlich - ihr Unverständnis und ihre Sorge. Bevor nun weiter darüber spekuliert werden konnte, was Herr Nothnagel tatsächlich gesagt hat und auch weil die Presse seine Darstellung nicht abdruckte, fand man sich auf Einladung der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) zu einem ersten Treffen zusammen.

Maik Nothnagel gab den Inhalt des Pressegespräches mit der dpa wieder. In Thüringen fließen immer noch erhebliche Gelder in Werkstätten und in Heime für behinderte Menschen, während es offene ambulante Angebote ungleich schwerer haben, eine Förderung und damit eine Anerkennung durch die Landesregierung zu bekommen. Es geht nicht um eine Schließung der Werkstätten, sondern um eine Veränderung hin zu ambulanten Hilfen. Auch in Thüringen drängen immer mehr Menschen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keine Tätigkeit finden, in die Werkstätten, verdeutlichte Maik Nothnagel seine Position.

Die Vertreterinnen und Vertreter aus der Werkstätten in Jena und Pößneck berichteten von den umfangreichen Hilfe und Unterstützungsangeboten, die es in der Werkstatt gibt. Leider sind die Arbeitgeber in der Region nicht bereit, solche Hilfen auch in ihren Betrieben anzubieten. So nimmt man gern die gut arbeitenden behinderten Kollegen im Außenarbeitsplatz, jedoch eine Festanstellung wird es nie. Das umfassende Angebot in den Werkstätten nimmt den Druck von den Arbeitgebern, etwas für die berufliche Eingliederung behinderter Menschen zu tun, sie nimmt den Druck von den in Thüringen politisch Verantwortlichen. So wird nicht der Betrieb mit dem Prädikat "behindertenfreundlich" ausgezeichnet, der viele behinderte Kolleginnen und Kollegen hat, sondern eine Firma, die besonders viele Aufträge an die Werkstätten vergibt. Das ist eine alarmierende Fehlentwicklung!

Ehe eine Werkstatt ein zusätzliches Stockwerk baut, weil die Plätze nicht mehr ausreichen, sollten hier Anstrengungen unternommen werden, den Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu ebnen. Das können weder die Werkstätten allein, noch einzelne Eltern oder behinderte Menschen schaffen. Dazu braucht es Rahmenbedingungen und ein Klima, das behinderten Menschen Mut macht für den Weg in eine reguläre Beschäftigung. Alle sind gefordert! Auch die Werkstätten.

 






 
 

( Quelle: kobinet-Nachrichten )

 
 

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