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Typ 2- Diabetes: „Allein durch die Umstellung der Getränke lässt sich viel erreichen“

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Typ 2- Diabetes: „Allein durch die Umstellung der Getränke lässt sich viel erreichen“

Bis vor 20 Jahren war Typ 2- Diabetes in der Kinderheilkunde unbekannt. Anfang der 1990er Jahre tauchten die ersten Fälle bei Kindern und Jugendlichen auf. Heute sind es in Deutschland etwa 500 – Tendenz steigend. Susann Blüher ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin an der Uniklinik Leipzig. REHACARE.de sprach mit der Medizinerin über fettleibige Kinder, Präventionsmaßnahmen und drüber, wie eine Ampel Diabetes eindämmen könnte.

15.11.2009

 
 
Foto: Kind mit Pommes
Kinder essen heute zu fett; ©
Thommy Weiss/ Pixelio.de

REHACARE.de: Frau Blüher, an der so genannten Altersdiabetes erkrankten Menschen früher in der Regel erst ab 40 Jahren. Wieso sind mittlerweile immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen?

Susann Blüher: Vor allem deshalb, weil sie zunehmend an Übergewicht und Adipositas, also Fettleibigkeit, leiden. Nach dem aktuellen Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts sind 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig und rund sechs Prozent adipös. Zum Teil haben daher bereits sehr junge Kinder mit massiven Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Gelenkbeschwerden oder eben Typ 2 Diabetes zu kämpfen.

REHACARE.de: Warum werden Kinder denn heute immer dicker?

Blüher: Weil sie sich deutlich energie- und fettreicher ernähren als noch vor 20 Jahren, und der körperliche Ausgleich fehlt. Der Fitnesslevel der Kinder ist in den letzten zehn Jahren drastisch gesunken. Viele Grundschulkinder sind nicht mal mehr in der Lage, einen Purzelbaum zu machen. Nur noch etwa zehn Prozent aller Schüler sind regelmäßig in einem Sportverein aktiv. Stattdessen verbringen sie ihre Freizeit zunehmend vor dem Fernseher, dem Computer oder der Playstation.

REHACARE.de: Führen Übergewicht, fettes Essen und mangelnde Bewegung zwangsläufig zu Typ 2- Diabetes?

Blüher: Nein. Man geht derzeit davon aus, dass die Kombination mehrerer Faktoren ein Risiko für den Typ 2 Diabetes darstellen. Umweltfaktoren und der Lebensstil scheinen ursächlich eine ganz wesentliche Rolle zu spielen, aber ob ein übergewichtiges oder fettleibiges Kind an Typ 2-Diabetes erkrankt oder nicht, darüber entscheiden letzten Endes wahrscheinlich bestimmte Risikogene.

 
 
Foto: Susann Blüher
Susann Blüher

REHACARE.de: Sie leiten seit Oktober 2008 TAFF, ein Projekt zur Prävention von Adipositas – und damit auch von neuen Diabeteserkrankungen.

Blüher: Ja, wir haben in Leipzig und Umgebung übergewichtige oder bereits fettleibige Kinder in Schuleingangsuntersuchungen oder mit Hilfe der Kinderärzte ausfindig gemacht. Ihnen und ihren Familien wird eine umfassende, einjährige Beratung angeboten, die auf eine Veränderung der Lebensgewohnheiten zielt. Wir wollen ein Bewusstsein für gesunde Ernährung und mehr körperliche Aktivität innerhalb der Familie schaffen. Zweckmäßig ist zudem die Einführung von mehr Sportunterricht. Einige Bundesländer, wie beispielsweise Sachsen, haben das im Rahmen von Pilotprojekten bereits getan. An ausgewählten Schulen wurde auch probeweise Ernährung als Unterrichtsfach eingeführt.

REHACARE.de: Das Deutsche Institut für Kinderernährung in Dortmund hat in einem Modellprojekt an Schulen süße Getränke verboten und stattdessen Trinkwasserspender aufgestellt. Ist das ebenfalls sinnvoll?

Blüher: Ja, auf jeden Fall, denn viele Limonaden sind echte Dickmacher. In der Adipositas-Sprechstunde erlebe ich immer wieder erstaunte Eltern, die nicht fassen können, dass ein großes Glas Cola bereits ein Drittel des täglichen Kalorienbedarfes eines Grundschulkindes deckt. Allein durch die Umstellung der Getränke lässt sich bei vielen Kindern schon eine Gewichtsstabilisierung erreichen. Sie ist daher eine der wichtigsten Ansatzpunkte, um im Kindesalter Übergewicht und Typ 2- Diabetes vorzubeugen.

REHACARE.de: Viele Eltern sind also nicht ausreichend über den Fett- und Zuckergehalt der Lebensmittel informiert, die sie und ihre Kinder täglich konsumieren. Könnte die derzeit diskutierte Lebensmittel-Kennzeichnung mit einem Ampelsystem Abhilfe schaffen?

Blüher: Ja, das halte ich für eine gute und effektive Maßnahme. In Großbritannien wird das bereits erfolgreich praktiziert. Für den Verbraucher wird da auf den ersten Blick deutlich, wie das Produkt einzuordnen ist: Der Gehalt an Nährstoffen wird jeweils durch die Ampelfarben gekennzeichnet: Rot steht dabei für besonders fett, zuckerhaltig oder salzig und empfiehlt einen gemäßigten Verbrauch, gelb für einen mittleren und grün für einen geringen Anteil und bedenkenlosen Verzehr.

Das Interview führte Sonja Endres.
REHACARE.de

 
 

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