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WG für Demenzkranke

Schwerpunkt: Alzheimer/Demenz

WG für Demenzkranke

01.11.2006

Wohngruppen für Menschen mit Demenz sind eine moderne Alternative zum Leben im Heim oder im Betreuten Wohnen. Auf dem Pflegekongress der REHACARE 2006 wurde aufgezeigt, wo es noch Probleme mit der neuen Wohnform gibt und wie man diese lösen könnte.

 
 
 
"Mensch ärgere Dich nicht"-Spielen hält den Geist lebendig © Angelika Hoffmann

Wo einst vor allem Studenten lebten, wohnen jetzt auch ältere Menschen mit Demenz: in Wohngemeinschaften. Prof. Dr. Christian Zippel von der MEDIAN-Klinik für Geriatrie Berlin-Mitte untersuchte Wohngruppen in Berlin und berichtete auf dem Pflegekongress der REHACARE über seine Ergebnisse. "Seit vier Jahren werden WGs für ältere Menschen mit Demenz immer beliebter. Doch bisher gibt es keine einheitlichen Bestimmungen, die festlegen, wie die Wohnungen aussehen müssen oder wie die Demenzkranken dort versorgt werden sollten", erklärt Zippel.

"In Berlin gibt es um die 200 dieser WGs. In der Regel leben dort sechs bis acht Menschen. Die Gruppen bieten eine Alternative zur ambulanten Betreuung und zum Heim." Meist sind die Betreiber oder Träger der Einrichtungen ambulante Pflegedienste, manchmal auch Vereine. Die Kosten pro Bewohner liegen um die 3.000 Euro im Monat. Der Eigenanteil ist unterschiedlich und liegt bei etwa 500 Euro. Finanziert wird das über Leistungen der Pflege- und Krankenversicherung und Leistungen des Sozialhilfeträgers.

Durch das gemeinsame Wohnen können alte Menschen länger selbstbestimmt leben. "WGs sind insgesamt ein gutes Konzept mit guter Absicht und eine gute alternative Wohnform", meint Zippel. "Aber es bestehen noch keine verbindlichen Vorschriften über die Personalstruktur, die Wohnungs- und Zimmergröße oder die inhaltliche Gestaltung wie den Tagesablauf." Und ohne diese gäbe es auch keine Kontrolle über das, was in den Einrichtungen getan oder wie viel Geld tatsächlich gebraucht wird.

 
 
 
Wie früher: ein Schreibtsich für die Arbeit
© Angelika Hoffmann

Eine Lösung könnte Zippels Meinung nach sein, dass sich die Einrichtungen freiwillig kontrollieren lassen - beim Verein "Selbstbestimmtes Wohnen im Alter". Dort erhalten Leiter und Betreiber nützliche Richtlinien und Beratungen. Bisher haben sich dort aber nur 30 der 200 Einrichtungen aus Berlin freiwillig eingetragen. "Würden die Gruppen außerdem unter eine Heimaufsicht gestellt, könnten diese auch in die Unterkünfte gehen und sie überprüfen", meint Zippel. So könnte feststellt werden, ob Bewohner ordentlich versorgt werden und die Wohnungen in Ordnung sind.

Unter einer Heimaufsicht steht zum Beispiel die WG für 21 Demenzkranke in Grömitz an der Ostsee. Eigentlich ist die Residenz Grömitzer Höhe eine Pflegeeinrichtung mit betreutem Wohnen. Doch dann kam eine WG dazu. Angelika Hoffmann, Qualitätsmanagerin der Einrichtung, erklärte: "Wir wollten etwas Besonderes für Demenzkranke tun. Wir nahmen also unsere kleinste Pflegestation und haben mit den Leuten dort die Wohngruppe gebildet."

Die WG-Station besteht aus Einzel- und Doppelzimmern. Die Wände wurden neu gestrichen in warmen Farben wie Lachs oder Terrakotta und die Zimmer wurden möbliert, "wie die alten Leute es von zu Hause kennen". Außerdem haben die Demenzkranken mehr Freiräume. "Sie können schlafen, solange sie wollen. Beim Frühstück stehen Brot und Aufschnitt auf dem Tisch, damit sie sich ihre Brote selber schmieren können", erklärt die Managerin. "Und die alten Menschen essen zusammen, damit die Atmosphäre einer Großfamilie entstehen kann."

 
 
 
Der "Marktplatz" der Wohngruppe
© Angelika Hoffmann

Betreut werden die Demenzkranken rund um die Uhr von zwei Pflegern und jemandem, der die Bewohner begleitet und beschäftigt. Da werden Aufgaben wie das Spülen verteilt oder Gesellschaftsspiele gemacht. "Demenzkranke wissen, dass sie etwas nicht können. Wenn sie aber normale Dinge verrichten, merken sie: Ich kann ja doch was", weiß Hoffmann.

Auch entstehen in den WGs wieder mehr Platz für das normale Leben und auch Gefühle. So hat sich an der Ostsee sogar ein Pärchen gefunden, das jetzt zusammen in einem Zimmer wohnt. Als Quintessenz des Pflegekongresses stellte Prof. Ingo Füsgen, einer der Moderatoren, fest: "Wohngruppen sind nicht billiger als Pflegeheime - aber menschlicher."

REHACARE.de

- Mehr über die Residenz Grömitzer Höhe unter: www.senioren-residenz-groemitz.de
- Mehr zum Verein "Selbstbestimmtes Wohnen im Alter": www.swa-berlin.de

 
 

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