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Buchtipp: Alzheimer - Der lange Weg des Abschiednehmens
Schwerpunkt: Alzheimer/Demenz
Buchtipp: Alzheimer - Der lange Weg des Abschiednehmens
© Verlag Herder
03.07.2006
Inhaltsangabe von Uta van Deuns Buch: "Alzheimer - Der lange Weg des Abschiednehmens"; Tagebuch einer großen Liebe. Verlag Herder Freiburg 2006.Eine große Liebesgeschichte. 30 Jahre dauerte sie und sie ist auch mit der Alzheimer-Erkrankung von Peter, dem Mann, nicht zu Ende. Peter war zeit seines Lebens ein erfolgreicher und erfolgsverwöhnter Werbefachmann. Langsam und fast unbemerkt schleicht sich die Krankheit ins leben.
Uta van Deun erzählt genau und liebevoll, wie sich hinter der Erkrankung immer wieder und immer noch die alte Persönlichkeit auffinden lässt, wie es sich lohnt zu kämpfen - auch um eine optimale Pflege.
"Du sollst so bleiben wie du bist", sagt ihr Mann zu Uta van Deun. "Außer dir redet keiner mehr normal mit mir". Zehn Jahre lang begleitet sie ihn.
Eine berührende Geschichte, die der Treue und dem Leiden die Würde zurückgibt. Es ist ein herzergreifendes Buch darüber, dass die Krankheit nicht das letzte Wort hat. Und das allen Mut macht, solche schwierige Zeiten zu durchstehen.
Uta van Deun, geboren 1943, stammt aus Nordböhmen und lebt mittlerweile als Psychologin und Schriftstellerin in Baden-Baden.
Radtke's Rezension
Neuerscheinungen im Behindertenbereich werden von Verlagen oft mit dem anscheinend verkaufsfördernden Attribut "Ein Buch, das Mut macht" angekündigt. Nur selten wird dieser Anspruch auch eingelöst. Entweder der Autor verharmlost die Situation, so dass der Betroffene, der sich konkret in ihr befindet, glaubt, nicht ernst genommen zu werden, oder die eigentlichen Probleme kommen überhaupt nicht zur Sprache. Ein Buch, das Mut macht, und trotzdem nicht in solche Schönmalerei verfällt, ist Uta van Deuns Bericht "Alzheimer - Der lange Weg des Abschiednehmens", erschienen im Herder-Taschenbuchverlag, Edition spectrum.
Die Autorin ist Psychologin, was sie aber nicht davor bewahrt hat, die bitteren Erfahrungen einer typischen Alzheimer-Angehörigen zu machen. Da ist zu Beginn der Krankheit der Ärger, der sich bis zur Verzweiflung steigert, weil der Partner einfachste Dinge zu vergessen scheint oder stur auf einer irrigen Ansicht beharrt. Da kommt die Vereinsamung, weil alte Freunde sich zurück ziehen. Da sind schließlich die Selbstzweifel, ob es richtig ist, den immer dementer Werdenden in ein Pflegeheim zu geben.
Ute van Deun hat das Glück, in der Schweiz eine Einrichtung zu finden, in der sie ihren Mann gut aufgehoben weiß. Warum das Buch Mut macht, beruht auf der Tatsache, dass trotz aller Widrigkeiten die menschliche Liebe bis zuletzt obsiegen kann. Dazu braucht es zwar einen starken Charakter, aber den hat Ute van Deun.
All dies hört sich etwas pathetisch an, doch das Buch ist alles andere als sentimental. Persönlich empfinde ich die eingeschobenen, selbst verfassten Gedichte aus literarischer Sicht zwar unbefriedigend, doch auch dies gehört zur erfolgreichen Bewältigung der Lebenskrise durch die Autorin. Ute van Deun: "Alzheimer - der lange Weg des Abschiednehmens" - ein Buch, das wirklich Mut macht.
Leseprobe
Es hat uns sehr gefreut
"Wohin fahren wir?" fragt mein Mann, als wir Anfang April 2001 in aller Herrgotsfrühe in den ICE nach Zürich steigen.
"Wir fahren in die Schweiz, in den Urlaub", sage ich.
Er stellt keine weitern Fragen mehr.
Meine Freundin schultert das Gepäck für fünf Wochen, die mein Mann dort im Spezialheim für Alzheimerkranke verbringen wird, damit ich mich von jahrelanger Pflege erholen kann. Ich halte meinen Mann an der hand. Wir suchen unseren Platz, frühstücken. Alles geht gut. Er stellt auch keine Fragen, als wir ins Auto steigen, mit dem uns der Heimleiter vom Bahnhof abholt.
In der
Mein Mann entfernt sich von uns. Er schaut in ein
Am späten Nachmittag wollen meine Freundin und ich die
"Komm", sagt meine Freundin. "Wir gehen." und: "Dreh dich nicht um."
Alleingelassen
Erst jetzt kann ich dich seh'n,
so wie du früher warst.
Sehr lieb und gut.
Mir allzeit zugewandt.
Mußtest ganz fern mir sein,
damit die Näh' ich spüren konnt',
die du mir gabst.
Und Sicherheit -
mit deiner schützend' Hand.
Nun bist du alt und krank
und kennst auch oft dich selbst nicht mehr.
Gehst dahin, wo ich dir nicht folgen kann.
Läßt mich im Schmerz allein.
Das Leben scheint mir sinnlos,
traurig und meist leer.
Und so bedrückend,
ohne dich zu sein.












