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Alter und Glück gesellen sich gern
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Alter und Glück gesellen sich gern
Alt und weise, aber krank und frustriert. Soweit das gängige Klischee, wenn es um ältere Menschen geht. Dabei ist die Generation 60plus heutzutage weder schwächlich noch unzufrieden. Forscher fanden heraus, dass der unglücklichste Lebensabschnitt das mittlere Alter ist – im Ruhestand geht es dann wieder bergauf.
01.04.2010
„Im Laufe des Lebens macht das Glücksempfinden eine U-Kurve“, weiß Hilke Brockmann. Die Soziologin hat herausgefunden, dass Menschen zwischen 30 und 60 Jahren am unglücklichsten sind. Der Grund: In den mittleren Jahren sind wir an viele Verpflichtungen gebunden. Da ist zum einen der Beruf, der einen fordert. Zum anderen kümmert man sich um die Partnerschaft und die Kinder, eventuell müssen auch noch die Eltern gepflegt werden. „Diese Verbindlichkeiten können einengen und lassen nur wenig Spielraum zur persönlichen Entfaltung“, so Brockmann, die in der „Happiness Research Group“ an der Jacobs University in Bremen forscht.
Senioren haben den Schlüssel zum
Glück bereits gefunden; © Johanna
Kaltenegger/Pixelio.de
Bei ihren Ergebnissen handelt es sich offenbar um ein regelrechtes Muster der Empfindungen im Lebenslauf. Denn dass es ab 30 mit dem Glücksempfinden bergab geht, bestätigt auch eine Studie über die Zufriedenheit im Alter des Instituts für Demoskopie Allensbach. Mit Mitte Vierzig ist der Erhebung zufolge bei knapp der Hälfte aller Befragten der absolute Tiefpunkt erreicht. Diese Unzufriedenheit hält sich bis etwa Ende Fünfzig. Erst bei den über 60-Jährigen ist wieder ein deutlicher Anstieg des Glücksgefühls bemerkbar. Im Rentenalter geht es also gar nicht, wie gemeinhin angenommen, bergab. Die sogenannten Best Ager machen ihrem Namen alle Ehre und sind glücklicher als manch anderer in jungen Jahren.
Die einfachen Dinge zählen
Auch wenn Glück ein sehr subjektiver und individueller Faktor ist, eins macht offenbar alle Senioren glücklich: Gesundheit. Die Allensbacher Studie ergab, dass 95 Prozent der über 50-Jährigen Glück empfinden, wenn sie gesund sind.
Auch der Umkehrschluss funktioniert: Krankheiten machen unglücklich. „Lautet die Diagnose Krebs, ist das anfangs ein großer Schock“, so Brockmann. Man verliert die Kontrolle über sich und sein künftiges Leben. Da ist an Glück nicht zu denken. Doch dann lebt man Tag für Tag mit dieser Krankheit und findet sich irgendwann damit ab. „Aber nicht nur das“, ergänzt die Soziologin. „Man kann eine Krankheit wie Krebs mit der Zeit tatsächlich vergessen.“ Und dann pendelt man sich wieder auf das Glücksniveau vor der Diagnose ein.
Wenn das körperliche Wohlbefinden es also zulässt, steht weiteren Glücksmomenten nichts mehr im Weg. Die Allensbacher Studie zeigt, dass 68 Prozent der über 50-Jährigen glücklich sind, wenn sie ihr Leben aktiv gestalten können. Sei es eine Rucksacktour durch Spanien, der regelmäßige Kegelabend mit alten Freundinnen oder ein Senioren-Tanzkurs mit dem Partner.
Dabei kommt es gar nicht unbedingt auf die Intensität der Erlebnisse an, sondern vielmehr auf deren Häufigkeit. Einmalige große Ereignisse wie beispielsweise ein Lottogewinn machen natürlich auch glücklich – aber nur für kurze Zeit. Nach und nach gewöhnt man sich an den Besitz des Geldes. Irgendwann ist das Glücksempfinden wieder auf dem gleichen Stand wie vor dem großen Siegesjubel.
Im Alter geben sich die Menschen schon mit wenig zufrieden. Für sie zählen vor allem Gesundheit, Familie und Zeit für sich selbst; © SXC
Unglück auf dem Abstellgleis
Brockmann fand heraus, dass der Reiz von Geld besonders im mittleren Alter zwar recht ausgeprägt sei, sich mit der Zeit jedoch abnutze. Und die Best Ager wissen schon längst, dass Geld allein nicht glücklich macht. Deswegen geht es ihnen wahrscheinlich auch gar nicht darum, ab 60plus tatsächlich noch zu arbeiten und Geld zu verdienen. Der Schweizer Soziologe Peter Gross, Verfasser des Buches "Glücksfall Alter", fragt sich trotzdem, warum ihnen nicht zumindest die Wahl gelassen wird. „Denn unabhängig davon wie ich mich entscheide, es ist doch gerade die Freiheit, selbst zu wählen, die die Menschen glücklich macht“, so Gross.
Fakt ist: Die wenigsten der junggebliebenen Senioren machen ihr Glück im Alter von einem zufriedenstellenden Job oder beruflichen Erfolgen abhängig. All die Termine und Verpflichtungen schlucken oft wertvolle Freizeit. Und die meisten Senioren sind gerade dann glücklich, wenn sie Zeit für sich haben. Das kann Gross ebenfalls bestätigen: „Das Glück im Alter besteht in der Befreiung von Zwängen und der Möglichkeit, seinen Tag frei nach den persönlichen Vorlieben zu gestalten.“
Brockmann geht sogar noch ein Stück weiter, indem sie feststellt, dass uns der Beruf mit seinem Erfolgsdruck und eventuellem Pendeln regelrecht unglücklich macht. „Senioren steigen aus dem Hamsterrad des Wettbewerbs aus“, so die Soziologin. Dadurch fallen auch gewisse Unsicherheiten wie drohende Arbeitslosigkeit weg. In diesem Sinne bringt der Ruhestand also einen erheblichen Gewinn mit sich, und nicht nur Verluste wie landläufig angenommen. Dieses Plus an Zeit sollten die Senioren für sich nutzen und neu gestalten, fordert Gross. „Das ist wie mit einem CD-Rohling, der dazu bestimmt ist, mit Musik bespielt zu werden.“
Nadine Lormis
REHACARE.de
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