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„Nicht ständig um Hilfe bitten müssen“ - Wolfgang Wessels über Leichte Sprache für barrierefreies Wohnen

Schwerpunkt: Wohnen

„Nicht ständig um Hilfe bitten müssen“ - Wolfgang Wessels über Leichte Sprache für barrierefreies Wohnen

„Barrierefrei wohnen für Menschen mit Lernschwierigkeiten“ lautet der Titel eines Vortrags beim Wohn(t)raum-Kongress auf der REHACARE 2009. Welche Hindernisse es für Menschen mit Lernbehinderungen in ihrem Wohnumfeld gibt und wie ihnen Leichte Sprache darüber hinweg helfen kann, erklärt der Referent Wolfgang Wessels vom Forschungsinstitut Technologie-Behindertenhilfe der Evangelischen Stiftung Volmarstein im Interview mit REHACARE.de.

01.10.2009

 
 

REHACARE.de: Herr Wessels, inwiefern betrifft das Thema barrierefreies Wohnen Menschen mit einer Lernbehinderung?
Wolfgang Wessels: Immer mehr Menschen mit Lernbehinderung leben in selbständigen Wohnformen. Dort stoßen sie in ihrem Alltag auf viele sprachliche Hürden – überall gibt es schriftliche Anweisungen, die für sie zu schwer formuliert sind. Wie sollen sie eine komplizierte Hausordnung, den umständlichen Putzplan oder eine ellenlange Bedienungsanleitung verstehen? Auch außerhalb der Wohnung sind Verkehrsinfos, Anträge bei Ämtern und vieles mehr zu komplex für sie. Wenn sie sich nicht zurecht finden, können sie nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

REHACARE.de: Und Leichte Sprache kann da helfen?
Wessels: Ja. Sie hilft dabei, Texte so einfach wie möglich zu schreiben und sie somit verständlicher zu machen. So können sich die betroffenen Personen selbst orientieren und müssen nicht ständig um Hilfe bitten.

REHACARE.de: Trotzdem ist Leichte Sprache als Teil von Barrierefreiheit kaum bekannt.
Wessels: Wenn man beim Thema Wohnen von Barrierefreiheit spricht, denken die meisten zuerst an Rollstuhlfahrer oder sehbehinderte Menschen und nicht an Menschen mit einer Lernbehinderung. Leichte Sprache vermehrt einzusetzen, fängt gerade erst an. Und es ist auch nicht ganz einfach, Texte so zu verfassen, dass sie für Menschen ohne Lernbehinderung auch noch gut zu lesen sind. Denn wenn die Formulierungen zu einfach werden, ist das für den herkömmlichen Leser gewöhnungsbedürftig. Da müssen wir einen Zwischenweg finden.

REHACARE.de: Gibt es Hilfestellungen, wie man Leichte Sprache verwendet?
Wessels: Es gibt eine EU-Richtlinie, die im Internet erhältlich ist und die zeigt, wie man verständlich schreiben kann. Die ist zwar aus dem Jahr 1998 aber doch recht hilfreich. Außerdem gibt es vereinzelt Übersetzungsbüros für Leichte Sprache, beispielsweise in Bremen – Behörden nutzen diese gerne für längere Schriften.

REHACARE.de: An wen richtet sich Ihr Vortrag beim REHACARE-Wohn(t)raum-Kongress?
Wessels: An Personen, die das Wohnen für Menschen mit Lernbehinderungen organisieren, wie beispielsweise Mitarbeiter für betreutes Wohnen. Bei ihnen möchte ich das Verständnis für dieses Thema erhöhen und darüber aufklären, wo die Probleme im Alltag liegen. Dann können auch sie sich darum bemühen, Texte und Anweisungen in ihrem Haus von Vornherein so anzulegen, dass auch lernbehinderte Menschen sie ohne fremde Hilfe verstehen.

Natascha Mörs
REHACARE.de

- Hier geht's zur „Europäischen Richtlinie für leichte Lesbarkeit“

 
 

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