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Auch Pflegeheime kommen in die Jahre: Die vier Generationen des Pflegeheimbaus

Schwerpunkt: Wohnen

Auch Pflegeheime kommen in die Jahre: Die vier Generationen des Pflegeheimbaus

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe hat mittlerweile vier Generationen von Pflegeheimen begleitet – lesen Sie hier die Rückschau dem Sonderheft der KDA-Zeitschrift Pro Alter zum 40jährigen Jubiläum der Organisation.01.05.2004

 
Ein typisches Beispiel für ein
Zimmer der ersten Generation.
© KDA

Sie glichen mehr "Verwahranstalten" als Pflegeheimen. Gemeint sind die Pflegeheime der ersten Generation, die nach dem Zweiten Weltkrieg als einfachste Versorgungsformen gebaut wurden – so dass viele ältere Menschen in einer sehr unbefriedigenden Wohnsituation lebten.

Denn der Bautyp bestimmte auch das Pflegeverständnis, damals wie auch häufig noch heute. Nach 1945 gab es weder Wohn- noch Pflegekonzepte. Die pflegebedürftigen Menschen wurden in anstaltsähnlichen Bauten verwahrt und als "Insassen" bezeichnet. Diesen Zustand zu ändern war schließlich auch ein Grund, warum das KDA aus der Taufe gehoben wurde.

"Typisch waren Mehrbettzimmer mit einer hohen Belegungsdichte, lange Flure, das Fehlen von Gemeinschaftsräumen sowie minimale Ausstattung", beschreibt Hans-Peter Winter, Leiter der KDA-Abteilung Architektur, die Wohnsituation in den Häusern der 1940er bis Anfang der 1960er Jahre. In erster Linie sei es damals darum gegangen, die alten Menschen "unterzubringen" und mit Speisen zu versorgen.

 
 
 
An Krankenhäuser erinnern die
Heime der zweiten Generation.
© Elisabeth Schneider-Grauvogel

Von Verwahranstalten zur Krankenhausatmosphäre

Abgelöst wurden diese Pflegeheime in den 60er bis 70er Jahren von der zweiten Generation des Pflegeheimbaus. Diese Häuser sollten Mängel des ersten Typs vermeiden, orientierten sich über überwiegend an der Pflege, d.h. an den Defiziten von bettlägerigen Menschen. Auch mit den damals aufkommenden Erkenntnissen der Geriatrie wurde somit das Krankenhaus zum Leitbild für die stationäre Altenhilfe.

"Die Bewohner wurden zu multimorbiden Patienten, die behandelt werden mussten", so KDA Chefarchitekt Winter, der aber auch selbstkritisch resümiert, dass man damals auch selber zu Projekten der zweiten Generation nach bestem Wissen und Gewissen beraten habe: "Wir haben im Rahmen der geltenden Gesetze und unter Beachtung der Förderrichtlinien der Länder zu einer funktionellen Planung angeleitet und uns folglich sehr stark konzentriert auf rationelle Arbeitsabläufe in solchen – aus unserer heutigen Sicht – schlimmen ‚Pflegemonstern‘, die zum Teil dreibündig waren. Das heißt in der Mitte befanden sich die fensterlosen Funktionsräume, rechts und links davon Flure, an denen wieder in stereotyper Anordnung die Pflegezimmer lagen."

Unverständlich erscheint aus heutiger Sicht auch die Herangehensweise, Arbeitsabläufe zu organisieren und zu rationalisieren: So habe man beispielsweise mit einem Frequenzortsystem die Wege und Zeiten des Pflegepersonals vom Bewohner bis zur Entleerung von Bettpfannen in den so genannten Schmutz- oder Fäkalräumen gemessen oder aber die Türaufschläge gezählt. Die Rationalisierung der Arbeitsabläufe hatte im allgemeinen Vorrang vor den Wohnbedürfnissen von pflegebedürftigen alten Menschen.

- Erfahren Sie mehr über die Altenheime der 80er und 90er Jahre - hier geht es zum zweiten Teil des Artikels!

 
 

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