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Erfolgsstory: Hotel für Handicaps

Schwerpunkt: Down-Syndrom

Erfolgsstory: Hotel für Handicaps

15.08.2006

Das Haus sollte einigen behinderten Kindern für die Zukunft ein Dach über dem Kopf geben. Damit sie dort zusammen leben und arbeiten können. Mittlerweile ist daraus ein kleines barrierefreies Dreisterne-Hotel entstanden, in dem die meisten Mitarbeiter ein Handicap haben.

Claudia Petersen hat Down-Syndrom. Sie arbeitet am Frühstücksbuffet und das macht ihr Spaß. Überschwänglich fragt sie Morgen für Morgen die Hotelgäste: "Möchtet ihr noch einen Kaffe haben?" Clemens Parschen ist leicht geistig behindert. Er räumt die Zimmer auf und das gefällt ihm. Vor allen Dingen, weil er Menschen spannend findet. Deshalb schleppt er oft ein Lexikon mit sich herum und befragt die Leute, woher sie kommen und was ihm sonst noch so einfällt.

 
 
 
Clemens sorgt für Gemütlichkeit © Reto Klar

Die Gäste stört das nicht. Im Gegenteil. Viele sind begeistert, wie freundlich die Mitarbeiter sind, wie familiär das Hotel ist. Aber bis dahin war es ein langer Weg für die Eltern, die vor 20 Jahren eine außergewöhnliche Idee hatten. Ihre acht Kinder waren behindert und befreundet. Nach Schulende hätten sich die meisten wohl nicht wieder gesehen. Um das zu verhindern, entwarfen die Eltern zusammen mit einigen Pädagogen ein Konzept, damit die Kinder auch als Erwachsene zusammenbleiben konnten: Ein kleines Hotel mit sieben Zimmern und hauseigener Wäscherei, in dem die Kinder später mal arbeiten und wohnen können.

Um ihr Vorhaben besser durchsetzen zu können, gründeten die Eltern 1987 einen Verein. Acht Jahre später wurde dann das integrative Hotel eröffnet. Vorher wurden die mittlerweile erwachsen gewordenen Kinder zwei Jahre lang in einer extra für sie eingerichteten Berufsschulklasse auf die Arbeiten im Hotelbetrieb vorbereitet: Sie lernten praktische Dinge, wie man Gäste empfängt und bedient, die Zimmer sauber hält oder Botengänge macht. Und dann ging es los. Aber wirtschaftliche Probleme ließen nicht lange auf sich warten. Daher schloss man sich dem Verband jugend hilft jugend (jhj) an, der seitdem das Projekt leitet. Mit dessen Hilfe wurde professioneller gewirtschaftet und die Zimmerzahl verdoppelt.

 
 
 
Mit vollem Elan bei der Arbeit © Reto Klar

Heute leben die Arbeitskräfte Clemens, Jens, Dirk, Kerstin mit leichten geistigen Behinderungen sowie Britta und Annalena in einer Wohnung im obersten Geschoss des Hotels. Claudia Petersen und ihr Mann Sönke, leben zusammen in einer nahe gelegenen Wohnung. Britta uns Annalena sind so schwer behindert, dass sie nicht mitarbeiten können. Aber langweilig wird dort niemandem, denn Erzieher, Pädagogen und die Eltern betreuen sie: Neben dem Arbeitsalltag werden Ausflüge an die Elbe oder in den Zoo gemacht. Oder es geht runter ins Café Max B - ein weiteres Projekt des jhj, das mit dem Hotel eng zusammen arbeitet. Auch dort arbeiten Menschen mit Behinderungen, unter anderem Suchtkranke oder Depressive.

Ab und zu gab es schon Probleme damit, Menschen mit den verschiedensten Behinderungen zusammenarbeiten zu lassen. Aber auch hier funktionierte das Prinzip der Integration. "Wenn wir Integration als einen der Schwerpunkte unseres Hotels sehen, dann kann man damit auch bei den eigenen Leuten anfangen", betont Kai Wiese, Vorstandsvorsitzender des jhj.

Sogar beim Klientel ist eine Mischung aus den unterschiedlichsten Menschen gewünscht. Denn das Hotel sieht sich nicht als Behindertenhotel. Zwar kommen Besucher mit Handicaps gerne ins Haus, weil sie sich nicht beobachtet fühlen oder weil das Haus barrierefrei ist. Aber ein großer Teil der Gäste ist nicht behindert: "Durchmischung ist unser Prinzip, nicht eine gesonderte Hotellerie für einen bestimmten Gästestand", so Wiese. Und das Konzept geht auf. Nicht nur, weil im Stadthaushotel mittlerweile Ausbildungsplätze für Behinderte angeboten werden und ein weiteres größeres Hotel in der Hamburger Hafen City geplant ist. Sondern einfach nur, weil sich die Gäste wohl fühlen. Ein Blick in das Gästebuch reicht: "Ein tolles Hotel - ein tolles Konzept! So muss es sein, alle Menschen zusammen. Weiter so und viel Erfolg."

Natascha Mörs
REHACARE.de

 
 

Informationen für Touristen

Kontakt:

Stadthaushotel Hamburg
Holstenstraße 118, 22767 Hamburg
Telefon: (040) 38 99 20-0
Telefax: (040) 38 99 20-20
E-Mail: zufrieden@stadthaushotel.com
Internetseite: www.stadthaushotel.com

Zimmer, Ausstattung und Parkmöglichkeiten:

Es gibt vier Einzelzimmer, acht Doppel- sowie ein Mehrbettzimmer (für Familien). Sieben Zimmer sind rollstuhlgerecht. Jedes dieser Zimmer ist mit Dusche und WC, Telefon, TV und Radiowecker ausgestattet und für Allergiker geeignet. In acht Zimmern gibt es einen Internetanschluss. Die Eingangstür, die Flurtüren und Fenster können elektronisch geöffnet werden.

Sieben Parkplätze stehen Gästen mit PKW zur Verfügung.

Preise:

Einzelzimmer pro Nacht: 72 € (inkl. Frühstück und Stellplatz)
Doppelzimmer pro Nacht: 97 € (inkl. Frühstück und Stellplatz)
Konferenzraum pro Tag: 77 €

 
 

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