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Heilpädagogisches Voltigieren

Schwerpunkt: Tierische Helfer

Heilpädagogisches Voltigieren

Dieser Beitrag wird Ihnen vom Magazin aktiv dabei mit freundlicher Genehmigung des Behinderten-Sportverbandes NRW e.V. präsentiert.

Das Heilpädagogische Voltigieren ist – neben Hippotherapie und Reiten für Behinderte - einer der drei Teilbereiche des Therapeutischen Reitens.

15.10.2007

 
 
Foto: Therapiepferd Wachus  
Wachus, das Therapiepferd aus
Essen vermittelt Geborgenheit;
© VGSU Essen

Vor drei Jahren zog Wachus – das jetzt 9-jährige Therapiepferd des Vereins für Gesundheitssport und Sporttherapie an der Universität Duisburg-Essen e.V. (kurz: VGSU) - nach Essen.

Bereits nach 6 Monaten - im März 2005 - trat der Wallach seinen Dienst im Rahmen einer von Aktion Mensch geförderten Ferienmaßnahme für Mädchen des Spatzennests (Einrichtung des Dt. Kinderschutzbundes) an. Vorher musste das Therapiepferd natürlich eine Ausbildungszeit durchlaufen. Bei steigender Nachfrage folgten Kursangebote für verschiedene Institutionen (Behinderteneinrichtungen, Schulen, Jugendämter etc.).

Das Heilpädagogische Voltigieren HPV wirkt sich bei Kindern und Jugendlichen (und Erwachsenen) mit folgenden Beeinträchtigungen positiv aus:

  • Entwicklungsverzögerungen

  • Verhaltensauffälligkeit

  • Lernbehinderung

  • Sprachbehinderung

  • Sinnesbehinderungen

  • Geistige Behinderung


Durch die langjährige Tätigkeit des VGSU und Erfahrungen im Bereich Psychomotorik und Sportförderunterricht für Kinder mit ADHS wurde das Angebot zunächst für Kinder- und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen konzipiert.

Hier ist das Pferd mit seinen ganz besonderen Fähigkeiten in der Lage, Entwicklungen in Gang zu setzen und Menschen mit körperlichen oder seelisch-geistigen Beeinträchtigungen Halt zu geben, sie in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Je nach Alter der teilnehmenden Personen und je nach Förderbedarf werden dabei unterschiedliche Schwerpunkte verfolgt.

Diese liegen in folgenden Bereichen:
  • motorischen und sensorischen Fähigkeiten

  • sozialen und emotionalen Kompetenzen

  • kognitiven Fähigkeiten


Derzeit besuchen auch Kinder und Jugendliche der Ruhrlandschule - Schule für körperlich und seelisch kranke Kinder an der Universitätsklinik Essen - sowie Kinder, die von Jugendämter betreut werden und Jugendliche mit Essstörungen und im/nach Drogenentzug das Heilpädagogische Voltigieren bei der VGSU.

 
 
Foto: Therapiepferd mit Kindern beim Voltigieren 
Beim Heilpädagogischen Reiten wird
nicht nur das Pferd Freund und Partner;
© VGSU Essen

Jede Unterrichtseinheit – die hier 90 Minuten dauert - beginnt mit einer Begrüßung und der ersten Kontaktaufnahme zwischen Pferd und Kindern/Jugendlichen.
Die Gruppe von (max. 6) Kindern wird mit kleinen Putzaufgaben zur Fell- und Hufpflege beauftragt. Die Kinder können Wachus streicheln und dürfen sich von ihm beschnuppern lassen. Die Kinder fassen dabei leicht erstes Vertrauen zum Pferd und Wachus hat Zeit, sich auch auf seine Aufgabe vorzubereiten. Manch einer kann sich noch gar nicht vorstellen, auf diesen hohen Rücken heraufzuklettern und zu sitzen. Mit einem Voltigiergurt bewappnet, geht es dann nach draußen auf den Abreiteplatz oder in eine kleine Reithalle. Beim Voltigieren bleibt das Pferd immer auf dem Zirkel an einer Longe.

Die wichtige Longenarbeit wird innerhalb der Stunde kaum bemerkt, ist aber ein konzentriertes, vertrauenvolles, aufmerksames Zusammenspiel zwischen der Reittherapeutin Ute Wilmschen und Wachus. Das Pferd reagiert auf kleinste Zeichen wie Heben/Senken der Hand, Klang der Stimme oder Longenhilfe der “Chefin” im Zirkelmittelpunkt.

Zum allseitigen “Aufwärmen” werden vielfältige Bewegungs- und Spielformen mit verschiedenen Schwerpunkten hinter, neben und auf dem ungesattelten Pferderücken in Schritt, Trab und Galopp durchgeführt. Hierbei stehen nicht reiterliche Leistungen im Vordergrund sondern das Einstellen auf den Partner Pferd, das kooperative Verhalten innerhalb der Gruppe sowie der Aufbau von sozialer Verantwortung für sich und andere.

Beeindruckend ist dabei immer wieder, wie sehr sich das Pferd auf die Kinder und auf die Reittherapeutin konzentriert und mitarbeitet. Bei ängstlichen und wackeligen kleinen “Reitern” werden seine Bewegungen immer behutsamer. Im Kontakt und über die Bewegungsaufgaben überwinden die Kinder / Jugendlichen spielerisch ihre Ängste.

Über die Arbeit mit dem Pferd und differenzierte Aufgabenstellungen seitens der Reittherapeutin werden die teilnehmenden Kinder selbstbewusster, reagieren verantwortungsvoll (sich selbst, dem Pferd und anderen Kindern/Jugendlichen gegenüber) und lernen ihre Fähigkeiten besser einzuschätzen und auszuprobieren.

© VGSU Essen/Ulla Timmers-Trebing


- Mehr zum BSNW unter: www.bsnw.de

 
 

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